Al-Wala’ wa-l-Bara’ – Teil 1

In nächster Zeit werde ich hoffentlich genug Zeit finden um hier einiges über al-Wala’ wa-l-Bara’ zu schreiben. Ebendieses Glaubensprinzip erfreut sich zur Zeit unter Anhängern der al-salafiyya al-jihadiyya recht großer Bliebtheit. So wurde vor nicht allzulanger Zeit ein Artikel in einem deutschsprachigem Forum, das sich selbst der Aqeedah al-Salafiyya al-Jihadiyya verpflichtet, darüber publiziert. Als Autoren geben sich die Deutschen Taliban Mujahedin aus, die ebenfalls einen Artikel über die Zulassigkeit von Märtyrer Operationen, veröffentlichten.

Die Bedeutung von al-Wala’ wa-Bara’ in der heutigen salafitischen Jihadbewegung  geht vorallem auf Abu Muhammad al-Maqdisi zurück, der dies in seinem Buch  Milat Ibrahim genauer darlegt. Man könnte soger für die Gruppen, die den “fernen Feind” bekämpfen sagen, dass al-Wala’ wa-l-Bara’ die selbe Bedeutung hat, wie al-Hakimiyya (die Souveränität Gottes die auf Sayyid Qutb zurückgeht) für die Gruppierungen, die den “nahen Feind” bekämpfen. Dieser Paradigmenwechsel schlägt sich in Ayman al-Zawahiris Buch Die Treue und der Bruch nieder.

Es ist schwer das salafistische Glaubensprinzip al-Wala wa-l-Bara’ wirklich gut zuübersetzen. Meist wird es mit Loyalität und Ablehnung (Nichtanerkennung) übersetzt. Dieses Prinzip teilt die Welt in zwei Sphären auf. Zum einen in die gute  Sphäre des Islams, der gegenüber man loyal sein muss und in den Rest der Welt die man ablehnen muss.

Geschichtliche Entwicklung

Das Wort Bara’ ist bereits in vorislamischer Zeit Bekannt und meint im tribalen Kontext die Abgrenzung gegenüber verfeindeten Stämmen oder den Ausschluß eines einzelnen um den gesamten Stamm vor Unheil zu beschützen.

Mit dem Aufkommen des Islams wurde der Begriff verwendet um Bündnisse mit Nicht-Muslimen, die vor dem Aufkommen des Islams geschlossen wurden, zu wiederrufen. Die erste islamische Gruppierung die al-Wala’ wa-l-Bara’ als Doktrin verwendeten waren die Kharijiten, nachdem sie den Schiedsschluss zwischen ‘Ali und Mu’awiyya ablehnten. Sie benutzen es um für eine große Loyalität innerhalb ihrer Gruppe zu sorgen und sich von allen anderen deutlich abzugrenzen. Die Ibaditen, die sich von ihnen abspalteten, fügten noch einen dritten Zustand zu dieser Doktrin hinzu, welcher in der Mitter dieser beiden steht.

Die größte Gruppe innerhalb des Frühislams, die diese Doktrin aufnahm, war die Shi’a. Wala’ stand für die größt mögliche Loyalität gegenüber ‘Ali, Hassan, Hussein und deren Nachkommen und Bara’ bezeichnete die negative Einstellung gegenüber den ersten drei rechtgeleiteten Kalifen und ihren Nachfolgern.

Zur selben Zeit waren allen sunnitischen Äußerung zu diesem Thema negativer Natur. So bezzeichnete z.B. Ahmad b. Hanbal diese Doktrin als Bida’ (Neuerung) und sie wurde immer in Zusammenhang mit der Shi’a gebracht. Der “Erz-Hanbalit” Ibn Taymiyya, der u.a. für seinen Hass auf die Shi’a bekannt ist, verwendete als erster Sunnit die Formel von al-Wala’ wa-l-Bara’, zwar nicht wörtlich aber dem Sinn nach. Er sieht es eben nicht mehr als  Bida’ sondern sieht in ihm ein Mittel Muslime von unislamischen Handlungen abzuhalten also gegen ebend dieses.

Der Enkel des hanbalitischen Reformers Muhammad b. ‘Abd al-Wahhab, Sulayman  b. ‘Abdallah Al al-Shaykh entwickelte das Prinzip von einem Mittel im Kampf gegen Bida’ zu einem Werkzeug gegen den Kufr (Unglauben) wodurch es zur Probe für  den “wahren Glauben” eines jeden Muslim wurde, denn laut Sulayman muss jeder Muslim nur Gott verpflichtet sein und wenn er dies nicht ist, so ist er ein Kafir. Für ihn gibt es in dieser Regel keine Ausnahme, noch nichtmal für diejenigen, die zu einer unislamischen Handlungen gezwungen wurden.

Die nächste Entwicklungsstufe nimmt der hanbalitische Gelehrte ‘Ali b. ‘Atiq, der das Prinzip von al-Wala’ wa-l-Bara’ mit der Grundlage des Islams, nämlich dem Tawhid (Einheit Gottes), verbindet. Bei wandelt sich auch die Gewichtung von der Missbillung falscher Loyalität hin zu einer wirklichen Abschottung von allem unislamischen.

Der erste, der al-Wala wa-l-Bara’ in einem politischen Sinne interpretierte war Juhayman al-‘Utaybi, er setzte es gegen das saudische Königshaus ein und war auch der erste der diese Formulierung wörtlich benutzte. Laut ihm wurde den Muslimen die Religion Abrahams gegeben, die darauf basiert nur Gott allein anzubeten und jeglichen Shirk (Polytheismus) abzulehnen. Um sicher zu sein, dass jemand der Religion Abrahams folgt muss er drei Phasen durchschreiten. Erstens die Ablehnung des Shirk, zweitens die Emigration (Hijra)  zu einem Ort, in dem man in Sicherheit Tawhid praktizieren kann und drittens den Kampf gegen die Mushrikun, welcher bei ihm wohl die versuchte Eroberung der Moschee von Mekka war.

Demnächst werde ich noch etwas  über al-Wala’ wa-l-Bara’ bei al-Maqdisi und Zawahiri schreiben sowie über den Artikel der bei Elif Medya veröffentlicht wurde.

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