Einige Gedanken zur Internet-Propaganda der IMU

Da die “Islamische Bewegung Usbekistans” in letzter Zeit doch sehr aktiv ihre Propaganda im Internet verbreitet, will ich mich heute kurz diesem Thema widmen.

Was ich besonders erwähnenswert finde, ist dass sie vor allem seit Anfang des Jahres, den Jihadist, der zu Hause am PC sitzt, am laufenden hält, mit den neusten Nachrichten und Informationen der IMU, zum Beispiel über vergangene Aktionen oder auch mit Statements zu Ereignissen in Deutschland. Dies machen sie über Schreiben und Videos, die zwar teilweise nicht in Deutsch sind (v.a. die Videos, die Kampfszenen aus Afghanistan zeigen), aber durch die Bilder doch eine sehr große Nähe mit der Bewegung erzeugen, in dem das Mittel  des “embedded Journalist” in abgewandelter Form eingesetzt wird. Hier kann man also vom “embedded Jihobysten (Befürworter des Jihad, die aber nicht aktiv daran teilnehmen)” sprechen. Dieser wird von seinem gemütlichen Schreibtischstuhl auf virtuellem Weg mit an die Front im Kampf gegen die so genannten Kreuzzügler genommen.

Diese Form finde ich alles in allem doch sehr gefährlich, da sie es den möglichen Jihadisten bzw. Anhängern von jihadistischem Gedankengut, die Identifizierung mit einer speziellen Gruppierung sehr leicht macht. Schließlich kennt man die Protagonisten,  in diesem Fall v.a. die Chouka Brüder und weiß sehr gut über deren Weg Bescheid. Zu gleich geben sie aber zu, dass auch sie zum Teil zweifelten und sich auf ihrem Weg auch nicht immer sicher waren, wodurch sich viele vermutlich angesprochen fühlen, da sie selber diese Gedanken haben. Aus vergangenen Fällen ist ja bekannt, dass im Radikalisierungsprozess, das Internet eine wichtige, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle spielte. Genau dies nutzt die IMU mit ihrer Medienstrategie aus um möglichst viele junge Menschen für ihre Zwecke zu rekrutieren und für den Jihad zu gewinnen. Hierbei wird in den Statements der IMU der Eindruck erweckt es sei nicht wichtig ob man sich ihrer Gruppierung anschließe oder einer anderen, die Hauptsache sei, dass man in den Jihad ziehe. Dem stehen meiner Meinung aber die Aussagen der Angeklagten im so genannten “Sauerland Prozess” entgegen, die von Kämpfen unter den einzelnen Gruppierungen berichteten und darüber erschrocken waren.

Die Verbreitung der Propagandavideos und Schreiben erfolgt wie bereits erwähnt im Internet. Es gibt die offiziellen Internetseiten der IMU, aber daneben stellen diverse deutschsprachige Blogs innerhalb kurzer Zeit alle neuen Dokumente bereit. Auf diesen Blog findet man meistens auch einen direkten Link zu den Video- oder Audiobotschaften auf YouTube. Dort kann man ohne Mühe eigentlich alle Videos, auch ältere, finden,  sie sich anschauen und runterladen. YouTube erweckt bei vielen den Eindruck unverfänglich zu sein, denn man bewegt sich nicht auf den einschlägigen jihadistischen Seiten, bei deren Besuch dem ein oder anderen vielleicht doch etwas mulmig würde. Zu dem sind die bereitgestellten Links in den Foren, wie zum Beispiel dem AMEF schon nach kurzer Zeit nicht mehr aktiv, so dass man auf YouTube “angewiesen” ist, wenn man sich ältere Videos angucken will.  Zu dem werden einem beim anschauen eines Videos aus YouTube, noch Vorschläge gemacht, für andere Videos die einen auch interessieren könnten. Diese Vorschläge sind bei jihadistischen Videos in der Regel ähnliche Videos oder Anasheed, so dass es sehr leicht ist in den gesamten Kosmos der jihadistischen Propaganda einzutauchen. Neben den Blog sollte noch Twiter erwähnt werden. Denn über Twitter bleibt man relativ leicht auf dem neusten Stand bekommt die Links noch gleich mit geliefert

Die Gefahr der Internet-Propaganda der Jihadisten im Allgemeinen, kann vielleicht daran ermessen werden, dass die Time kürzlich Anwar al-Awlaqi zu den 100 einflussreichsten Personen des letzten Jahres wählte (siehe hier). Darüber, ob er auf diese Liste gehört lässt sich bekanntlich streiten, auch darüber ob wir ihn durch solche Aktionen nicht wichtiger und bedeutsamer machen als er wirklich ist. Aber festzuhalten bleibt für mich, dass mit Anwar al-Awlaqi ein Verteter der jihadistischen Propaganda es auf diese Liste geschafft hat und als Repräsentant dieser gesehen werden sollte.

Auf ein Thema, dass mir in den Videos immer wieder auffällt, ist dass die Muslime immer als Opfer dargestellt werden. Seien sie die Opfer der Kriege in Afghanistan, dem Irak, Tschetschenien usw. oder aber die Opfer in unseren westlichen Kulturen, von denen sie marginalisiert und diskriminiert werden. Auf Grund dessen sollten sie sich auch dem aktivem, kämpferischem Jihad anschließen und auswandern – mit diesem Wort wird an Anlehnung an die Auswanderung des Propheten Muhammad, von Mekka nach Medina, die Reise westlicher Jihadisten, in ein Gebiet, bezeichnet, in dem der Jihad geführt wird. An diesem Punkt muss unbedingt angesetzt werden, denn viele derjenigen, die sich von solcher Propaganda beeinflussen lassen, sind entweder nicht sehr gebildet oder haben aber aus anderen persönlichen Gründen Probleme in unserer Gesellschaft, so dass sie sich in dem Bild des Opfer sehr gut wiederfinden können und somit auch für weitere Verschwörungstheorien vom so genannten westlichen Krieg gegen den Islam empfänglich sind.

Zum Schluss möchte ich noch auf ein Dilemma unserer Gesellschaft eingehen. Wir bezeichnen uns selber als aufgeklärte und Tolerante Gesellschaft, dabei laufen wir aber Gefahr, dem von Karl Popper so bezeichneten “Paradoxon der Toleranz” zu unterlaufen. Denn darf man einem Intoleranten gegenüber tolerant sein?

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