IMU – Frohe Botschaft aus Pakistan – Teil 2

Die Islamische Bewegung Usbekistan hat am Freitag insgesamt drei neue Videos in den einschlägigen Foren und auf ihrer Homepage online gestellt. Mit einem davon werde ich mich näher auseinandersetzten. Der zweite Teil von “Frohe Botschaft aus Pakistan” sollte laut einem Schreiben der Isamischen Bewegung Usbekistans bereits Ende Juli online gestellt werden, nachdem sich angeblich die Produktion verzögerte, da sie Computer Probleme hatten – siehe ihr Statement “Fiese Harddisk”.

Allerdings wurde es nun so wie die beiden anderen auch erst am Freitag publiziert, kurz nach dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan. Einige Teile von dem hier zu besprechenden Video und “Ghazwa ul-Hind” ähneln sich stark. Es wurden zumindest die Bilder von ein und dem selben Überfall der Islamischen Bewegung Usbekistans auf einen Konvoi der pakistanischen Armee verwendet. In beiden Videos wird das Hauptaugenmerk auf ein Hadith des Propheten Muhammad gelegt. Nach dem Hadith sei der Kampf um das Gebiet, dass man damals mit al-Hind bezeichnete, ein größerer Verdienst, als der Kampf um andere Gebiete. Al-Hind umfasse das heutige Pakistan, Kashmir, Indien, Nepal, Buthan, Bangladesch, Sri Lanka und die Maledieven. Somit lässt sich damit gut um neue Rekruten für den Jihad in Pakistan werben.

Der zweite Teil von “Frohe Botschaft aus Pakistan” beginnt mit Bildern verschiedener Aktionen gegen die pakistanische Armee. Über diese Bilder werden Interviewschnipsel gelegt. So sagt am Anfang Hakeemullah Mehsud Anführer der TTP (Pakistanische Taliban), dass die demokratische Regierung Pakistans nach unislamischen Prinzipien regieren würde. Kommandeur Jihad Jarr bekräftigt seine Freude über die Gebiets gewinne der Mujahideen und ärgert sich, dass die Medien nicht darüber berichten bzw. die Erfolge vertuschen. Diese wären nur durch die Einheit der Muhajireen und den Ansar möglich gewesen. Die beiden Begriffe gehen auf die Zeit des Propheten Muhammad zurück. Mit den Muhajireen wurden diejenigen bezeichnet, die gemeinsam mit Muhammad nach Medina auswanderten (Hijra). Dort wurden sie von einem Teil der lokalen Bevölkerung Unterstützt, den sogenannten Helfern (arab. Ansar). Im jihadistischen Kontext werden die als Muhajireen bezeichnet, die aus ihren Heimatländern “auswandern” um aktiv am Jihad teilzunehmen und die Bevölkerung der jeweiligen Länder, die den Jihadisten helfen als Ansar.

Desweiteren lässt man am Anfang noch Quari Hussain zu Wort kommen, er ist ein Mitbegründer der TTP. Er beschwört die Mujahidden sich nicht von Medien einreden zu lassen, dass sie kurz vor einer Niederlage stehen würden. Denn zur Zeit würden sie nur Racheaktionen gegen die Pakistaner durchführen, aber in naher Zukunft würde der Jihad erst richtig anfangen und man werde ihn ins pakistanische Kernland tragen. Hier finden sich auch wieder Anspielungen auf al-Hind. Er zitiert einen Ausspruch Muhammads, nach dem ein Heer aus Khorasan kommen werde und al-Hind erobern würde.

Nach diesem Anfang beginnt der eigentliche Film “Frohe Botschaft aus Pakistan”. In Abschnitte eingeteilt wird dem Zuschauer erklärt warum der Jihad gegen Pakistan ebenso eine allgemeine Pflicht für jeden Muslim sei wie der in Afghanistan oder dem Irak. Zum einen werden Interviews geführt “mit einigen der Größen des Jihads in Pakistan” so wie sie es nennen und sie zeigen ihre Sicht der Geschichte der Ereignisse von 2002 bis zur Eskalation durch die Operation Kaloosha 2004 und wie dadurch ihrer Meinung nach der Jihad gegen Pakistan unabdingbar geworden wäre.

Der erste Geschichtsteil fängt an in dem sie kurz zusammenfassen,über welche geschichtlichen Zusammenhänge sie die Zuschauer im 1 Teil der Serie informiert hätten. Zum Beispiel wie die Mujahideen der IMU auf ihrer Flucht aus Afghanistan nach Süd-Waziristan (Wana) gelangt seien. Die Ereigniss und der Kampf gegen die US-Truppen, die schließlich zur Flucht der IMU nach Pakistan führten, werden von ihrem ehemaligen Amir Muhammad Taher Farooq geschildert. Hakeemullah Mehsud lobt die IMU und deren Amir, dafür dass sie die letzte Schalcht gegen die Amerikaner in Afghanistan in Shaykot geschlagen hätten. Vor dieser hätten sie ihre Familien nach Wana geschickt um sie in Sicherheit zu wissen. Dort hätten die Familien versteckt leben müssen. Bei der Schlacht um Shykot wäre ca. 70 Anhänger der IMU gestorben. Wegen der großen Verluste wären der Rest der IMU dazu gezwungen gewesen sich ebenfalls nach Pakistan zurückzuziehen. Anfangs hätten sie nicht im Sinn gehabt gegen die pakistanische Armee zu kämpfen. Denn durch ihren Rückzug nach Wana wollten sie ihre Verletzten pflegen können und neue Kräfte sammeln um sich erneut ihrem Hauptfeind entgegenstellen zu können. Zu der damaligen Zeit seien das noch “die Amerikaner und Kreuzzügler in Afghanistan” gewesen. Sie hätten jedoch erkannt, dass es ihre Pflicht sei die einheimische Bevölkerung zum “wahren Islam” aufzurufen. Dieser beinhaltet nach dem Verständnis der IMU selbstverständlich auch den Jihad. Ihre Ideen wären bei den Ansar auf fruchtbaren Boden gefallen sagt Mounir Chouka (Abu Adam). In der Zeit von 2002, nachdem sie sich in Wana angesiedelt hatten bis 2004, nach ihrer erneuten Flucht, dieses mal von Wana nach Nord-Waziristan, hätten sie laut Aussagen von Abbas Mansour, einem Kommandeur der IMU, 40 große Operationen in Afghanistan durchgeführt.

Die Islamische Bewegung Usbekistans hätte in Pakistan aber nicht nur die Ansar vorgefunden, deren Hilfsbereitschaft wichtig für sie gewesen war, sondern auch einen Feind. Denn die pakistanische Regierung und die Armee wären ihnen feindlich gesinnt gewesen. Allerdings sei es der Glauben der Mujahideen, das sowohl Pakistan als auch die Stammesgebiete nur Gott gehören und somit sei es rechtens, dass sich die IMU mit ihren Familien dort niederließ um den Islam und die Sharia’ nach ihrem Verständnis auszuleben. Die pakistanische Regierung konnte und wollte solch ein Verhalten auf ihrem Territorium nicht dulden. So wollte sie, wie es das Video darstellt, die Mujahideen mit allen Mitteln vom Weg des Jihad abbringen. Die Armee führte angeblich 70 Razzien durch. Vor diesen hätten sich die Anhänger der IMU aus den Dörfern zurückgezogen, um einer Konfrontation mit der pakistanischen Armee zu entgehen. Diese Ereignisse schilder Mufti Abu Zarr Pakistani – der Sharia’ Beauftragte der IMU – in recht dramatischer Weise.

Der Wende im Verhalten der IMU gegenüber dem pakistanischem Staat sei nach einer Militär Aktion gewesen. Bei dieser hätte die pakistanische Armee eine Sitzung gestürmt und dabei unter anderem zwei bekannte Mujahideen getötet, Abu Muhammad al Turkistani und Abu Abdalrahman al-Kanadi. Zudem hätte die Regierung vermehrt Mujahideen festgenommen und sie an die USA ausgeliefert. Durch diesen stetig wachsenden Druck wäre die IMU zu einer Aktion gezwungen gewesen. So hätte die IMU zusammen mit den pakistanischen Ansar durch eine Shura beschlossen, dem pakistanischen Staat den Jihad zu erklären. Der Amir der IMU Muhammad Taher Tarooq hätte die Entscheidung auch öffentlich erklärt.

Der IMU fällt es nicht sonderlich schwer Argumente zu finden, die den Jihad gegen Pakistan legitimieren. So würde die pakistanische Bevölkerung darin gehindert den wahren islamischen Glauben zu lernen. Wenn überhaupt würden sie ihn nur aus Büchern kennen. Zu dem wäre die pakistanische Regierung sofort an die Seite der USA gesprungen, nachdem diese den Krieg in Afghanistan begonnen hätte. Abu Adam schildert einige militärische Aktionen Seitens der Pakistaner gegen die Mujahideen, bei denen sie, nach dessen Angaben, mehrere Märkte bombadiert hätten. Im Anschluß werden sehr drastische Bilder der angeblichen Opfer gezeigt. Er führt weiter aus, dass die Gewalt Pakistans gegen die Mujahideen nicht erst vor kurzem begonnen hätte, sondern bereits seit dem Jihad gegen die Soviets in vollem Gange sei. So hätte Pakistan angeblich bei der Ermordung Abdallah Azzams und bei der Verhaftung Abu Musab al-Suris geholfen und letzteren an die USA ausgeliefert. Darauf werden einige kurze Videos eingeblendet in denen man vermutlich pakistansiche Gefangene sieht wie sie misshandelt werden. Als einen weiteren Beweis für Pakistans Brutalität führen sie die Ereignisse der Stürmung der Lal Masjid  in Islamabad 2007 an.

Für die IMU steht ebenfalls fest, dass die pakistanische Regierung hinter der Ermordung von Nizamuddin Shamzai steht. Er hatte die Angriffe Pakistans auf die Muhajireen und die Ansar für unrechtmäßig gefunden und in einem Rechtsgutachten erlassen, dass für die pakistanischen Soldaten, die bei diesen Angriffen sterben, nicht das islamische Totengebet gesprochen werden dürfte. Als “letztes Verbrechen” Pakistans nennen sie einen Vorfall vom 19. Mai 2011, das sie höchst dramatisiert schildern.

Auf Grund all dessen hätten sich die Muhajireen und die Ansar dazu entschieden, gemeinsam den Jihad gegen Pakistan zu erklären. Dies hätte am 19. März 2003 stattgefunden und einige der Ansar schworen dem Amri der IMU die Treue. Ein Treuschwur aus dem Video lautet wie folgt:

“Uthman Adil: Wir leisten dir den Treueid, für das Erhöhen des Wortes Allahs und für den Tod auf Allahs Weg.”

Im Anschluss an die Bilder dieser Nacht, lässt man wieder den Anführer der TTP zu Wort kommen, der bestätigt, dass es der Verdienst der IMU gewesen sei den Jihad auch nach Pakistan zu bringen.

Damit endet der geschichtliche Teil, der vor allem dadurch interessant ist, dass die IMU die Ereignisse aus ihrer Sicht erzählt. Im weiteren Verlauf des Videos beschreiben sie die Lebenslauf von Abbas Mansour und Quari Hussain sowie deren Aufgaben in ihren jeweiligen Jihad Gruppen.

Im Anschluss daran kommt wieder Hakeemullah Mehsud zu Wort. Dessen Aussage finde ich ist eine der wohl interessantesten im ganzen Video. Insbesondere für uns westliche Beobachter. Denn er erklärt, dass die verschiedenen Organisationen nicht voneinander zu unterscheiden seien.

“Wie bereits gesagt, haben die TTP und die IMU eine starke Beziehung. Wenn ein fremder hier ankommt, kann er kaum einen Unterschied zwischen uns beiden Bewegungen erkennen. Er schafft es nicht zu unterscheiden wer zur TTP gehört und wer zur IMU. Und diese Namen die ihr kennt wie TTP und IMU, dass sind nur Namen zur Erkennung. Aber unsere Jama’a (Gemeinschaft) ist eine. […]”

Dann würd nochmal der angebliche Vorzug des Jihads von Pakistans mit dem bereits oben erwähnten Argument bekräftigt.

Das Video endet mit Bildern einer Operation der IMU gegen die pakistanische Armee. Diese sei im April 2011 “hochmütig durch das Gebiet Watcho Chora stolziert“. Bei dieser Aktion seien sie sehr erfolgreich gewesen.

Abu Adam führt noch aus, dass es für die Mujahideen nicht nur ein Kampf um ein Stück Land sei, sondern um einen Platz im Paradies gehe. Er bezeichnet den Tod eines Jihadisten als “die Krönung einer jeden Seele”.

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