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IMU – Hindernisse im Jihad – Abdul Fatah Ahmadi

Anfang Mai wurde die deutsche Übersetzung eines Schreibens des Vize-Amirs der Islamischen Bewegung Usbekistans im Internet veröffentlicht. Wie der Titel schon vermuten lässt, werden die möglichen Hindernisse behandelt, welchen einem Jihadist begegnen können, wenn er in den Jihad zieht. Alles in allem, macht er zehn mögliche Hindernisse aus. Am Ende des Schreibens schildert Abdul Fatah Ahmadi die Geschichte des eines tajikischen Jihadisten – Abdul Qayyoum at-Tadjeki – dieser sei “kürzlich […] Anfang 2009 zu ihnen gestoßen”. Er habe Anfang des Jahres eine Märtyreroperation unternommen und sei dabei gestorben.

Ein paar Tage später ist von der IMU, ebenfalls ein Märtyrervideo für Usama b. Laden veröffentlicht worden. Es ist hauptsächlich aus alten Bildern und Videos zusammengeschnitten und nur von mittelmäßiger bis schlechter Qualtität.

Das Schreiben beginnt mit zwei Koranversen (47,31 und 3,146), in denen der Gläubige dazu aufgerufen wird standhaft zu bleiben. Die Standhaftigkeit und die Geduld, seien wichtige Fähigkeiten, die jeder Mujahid haben sollte.

“Viele Geschwister, die es schaffen hier auf Ardul-Jihad [wörtl. Erde des Jihads; Gebiete, in denen der bewaffnete Jihad geführt wird] anzukommen, denken, dass die Prüfungen des Lebens aufhören, wenn sie im Jihad sind, dass sie am jüngsten Tag bereits von den Geretteten sind und dass die einzigen Hindernisse im Jihad, der Feind, eventueller Hunger und die geringen Mittel sind.  […] Die wahren Prüfungen fangen erst hier im Jihad an. Der Erste, mit dem das Höllenfeuer angezündet wird, ist ein Mujahed und nach Erfahrung sind die kleinsten Hindernisse im Jihad, der Feind, der Hunger und die geringen Mittel.”

Abdul Fatah Ahmadi legt allen möglichen Jihadisten die Lektüre, der Werke von Abdullah Azzam ans Herz, denn dieser hätte die Themen Hijrah und Jihad theologisch sehr gut behandelt und außerdem hätte er selber sieben Jahre aktiv am Jihad teilgenommen, weshalb er auch über die Hindernisse, die man auf dessen Weg überwinden müsse, geschrieben habe. Dies könnte zwar abschreckend auf viele Muslime wirken, aber als er im Kampfgebiet ankam, empfand er die Lektüre von Abdullah Azzam, “als optimales Reisegepäck für den Jihad.”

Da Abdul Fatah Ahmadi nun selber bereits seit 13 Jahren aktiv am Jihad teilnehme, wolle er seine Erfahrungen und Ratschläge weitergeben und speziell von seinen Erfahrungen vom Jihad in Pakistan berichten.

Das erste Hindernis, dass er ausmacht, sind unsere Geheimdienste (“Die Geheimdienste der Kuffar”). Obwohl die pakistanische Regierung, “gezwungen durch die Amerikaner” enormen Druck auf die Mujahideen in den pakistanischen Stammesgebieten ausgeübt hätte, müssten sie nicht mehr in Verstecken leben, sondern es sei zu einem “offiziellen Ort der Hijrah geworden”. Die Pakistaner, würden Aktionen gegen die Mujahideen nur vortäuschen und spielen, um die Videos, den Amerikanern als Beweis zu zeigen. Da es dem pakistanischen Geheimdienst nicht gelingen würde, brauchbare Informationen aus den Stammesgebieten zu bekommen, würden sie mittlerweile versuchen die Stammesführer mit Geld zu bestechen und sie so als Spione zu gewinnen.

“Da die IBU und die TTP (Tahreek Taliban Pakistan) den Jihad gegen Pakistan begannen und bifadlilläh bis zum heutigen Tage die größten Stärken in ihm darstellen, sind sie der größte Dorn im Auge der pakistanischen Regierung und dessen Geheimdienst, dem ISI.”

Die pakistanische Regierung hätte die Kämpfe zwischen ihren Truppen und der IMU sowie die daraus resultierende Unsicherheit vieler jihadistischer Gruppierungen ausgenutzt, um das Gerücht zu streuen, dass die IMU im Auftrag Indiens kämpfen würde.

“Der Jihad von Pakistan ist jedoch nicht nur eine Angelegenheit zwischen den Mujahedeen und der pakistanischen Regierung, sondern zwischen den Mujahedeen und der halben Welt. Denn alle sich vom Jihad bedrohend fühlenden  Staaten haben ihre Geheimdienste eingeschaltet und es herrscht ein Stau beim Abhören der Telefongespräche und Abfangen der Emails und ein bissiger Kampf beim Austausch der Informationen zwischen den verschiedenen Geheimdiensten.”

Das zweite Hindernis seien die Spione, die sich jederzeit unter die Gläubigen mischen würden. Dieses Phänomen hätte es bereits zur Zeit des Propheten Muhammad, nach dessen Auswanderung nach Medina gegeben. Zu dem würden die Drohnen, die 24 Stunden über ihren Köpfen kreisen würden, die Lage noch verschlechtern. Sie hätten noch keine Lösung dafür gefunden, aber dafür wäre es gelungen mehrere Spione festzunehmen. Gegen sie wäre öffentlich ein Urteil gemäß der Scharia’ vollzogen wurden, was wohl heißt, dass sie auf brutalste Weise hingerichtet wurden.

“Die Spionflugzeuge, welche mittlerweile 24 Stunden über unseren Köpfen kreisen, stellen neben dem Jihad in Afghanistan, im Irak und neuerdings auch im Jemen, schon seit ca. vier Jahren hier in Pakistan eine große Bedrohung dar.
In einem unserer Ingenieurzentren gibt es durch Allahs Beistand neue technische Fortschritte und der Tag rückt näher, an  dem wir euch inscha‘Allah die freudige Nachricht verkünden, dass wir den Drohnen ein Ende gesetzt haben. Bis dahin  bleibt uns nur das Bittgebet, die Standhaftigkeit und militärische Antworten auf jede ihrer Drohnen.

Als drittes Hindernis, benennt Abdul Fatah Ahmadi unsere Medien (“Die Medien der Kuffar”). Diese würden Lügen über die Mujahideen verbreiten und deren Erfolge vertuschen – ich muss zum Teil schmunzeln, wenn ich Meldungen der afghanischen Taliban lese, in denen sie verlautbaren lassen, sie hätten wieder 40 ISAF Soladten getötet und 4 gepanzerte Jeeps zerstört.

“So zerfiel beispielsweise die Emara in Afghanistan nicht durch einen militärischen Erfolg der Kreuzzügler, sondern durch einen Medienstreich. Nach einer nur relativ kurzen Zeit, nachdem die Kreuzzügler in Afghanistan einmarschierten, hieß es im Radio, dass Kabul von den Amerikanern eingenommen wurde. Auf Grund dieser Information verlagerten die Mujahedeen im 500 km erntfernten Kandahar ihre Basen und gingen ensprechende Schritte. Die Ereignisse in Afghanistan spitzten sich laut Medienberichten so zu, dass viele Mujahedeen sich in die Berge zurückzogen und somit die Armeen der Ungläubigen es leichter hatten militärisch vorzugehen.”

Außerdem würden sie Zwietracht unter den einzelnen jihadistischen Gemeinschaften sähen, in dem sie falsche Meldungen herausgeben würden, dass der eine den anderen verraten hätte usw.

Das vierte Hindernis sei die Naivität und die Unerfahrenheit von vielen Jugendlichen, die sich ihnen anschließen würden. In den letzten vier Jahren hätte sich viele Menschen aus allen Teilen der Welt dem Jihad angeschlossen, die meisten von diesen seien Jungendliche gewesen und fast wöchentlich würden Neuankömmlinge eintreffen. Sie seien noch alle anfällig für die oben genannten Probleme und würden den westlichen Spionen einen Einblick in die jeweiligen Gruppen bieten, da sie die Sicherheitsvorkehrungen nur halbherzig befolgen würden.

Als fünftes Hindernis macht er die “Undankbarkeit und Ungeduld in den eigenen Reihen” aus. Hier seien ebenfalls wieder die Jugendlichen besonders anfällig. Die Gefahr bestehe, so Abdul Fatah Ahmadi, vor allem darin, dass die “ungeduldigen Heimkehrer” nur schlecht über den Jihad in Afghanistan reden würden bzw. erzählen würden wie anstrengend und nicht durchführbar die Aufgaben seien. Die Abkehr vom Jihad bezeichnet er als “Fahnenflucht”.

Das sechste Hindernis seien “undisziplinierte Geschwistern” oder wie er sie lieber nennen möchte – “Chaoten”. Als Beispiel führt er eine Situation an, als jemand aus der Gruppe, die er im Kampf befehligte, seine Wache nicht richtige verrichtet hätte und er ihn darauf hingewiesen hätte. Dieser aber keinerlei Einsicht gezeigt hätte.

“Ja tatsächlich, er sagte dass wir keine Soldaten seien und dass wir keine strickten Regeln bräuchten wie die dort hinten und  zeigte auf die Soldaten der Kuffar. Einer der Anwesenden war entsetzt und sagte zu ihm, dass wir sehr wohl Soldaten seien und zwar die Soldaten Allahs. Er fügte hinzu, dass die Soldaten der Kuffar auf Grund von Geld kämpfen, wir jedoch für die Wahrheit, was bedeutet, dass wir noch disziplinierter und engagierter sein müssen als sie.”

Mittlerweile würden immer mehr Jihadisten dieses aufmüpfige Verhalten an den Tag legen. Sie würden keine Befehle befolgen und würden ihre Freiheiten völlig ausleben wollen. Zu dem wüssten sie nicht die Stellung eines Amirs richtig einzuordnen.

“Im Islam hat alles seinen Platz und seine Ordnung. Diese Geschwister haben nicht verstanden, dass sie sich einer islamischen Armee angschlossen haben, die Regeln hat. Wenn eine dieser Regeln oder einer der Befehle nicht befolgt werden, schwindet der Segen in unseren Reihen und der Sieg verzögert sich.”

Das achte Hindernis sei, dass einige Neuankömmlinge und einige der “Chaoten” würden neue Gruppen gründen und sich somit außerhalb der von den verschiedenen Gruppierungen geschaffen Ordnung bewegen. Denn sie müssten sich nur einer der bereits existierenden Gruppen anschließen.

“Mit dieser Ordnung vertrieben sie bereits die Russen, lassen die Amerikaner und die NATO derzeit die Hölle auf Erden kosten und begannen auch den Jihad in Pakistan und Tadjekistan. Der neue Mujahed braucht sich nur noch einzuordnen.”

Das neunte Hindernis benennt er “Der Shaytan [Satan] und die Märkte”Abdul Fatah Ahmadi sagt, der Satan sei zwar besiegt, wenn der einzelne in den Jihad ziehe, aber er lasse nicht locker, um jeden Jihadisten von seinem Weg abzubringen. So würde der Satan einzelnen Jihadisten einflüstern, das man viel dringender an anderer Stelle den Jihad weiterführen oder in sein Heimatland zurückkehren solle um Geld zu sammeln. Allein schon durch die Gedankenspiele, würde der Jihadist seine Gruppe im Stich lassen, denn er könne seinen Pflichten so nicht mehr richtig nachkommen.

Da die Lebenssituation der Mujahideen mittlerweile in den pakistanischen Stammesgebieten sehr gut sein soll und sie diese größtenteils kontrollieren würden, eröffneten immer mehr Märkte mit allen möglichen Waren.

“Gerade in den letzten zwei Jahren wurden diese Geschäfte, Märkte und Produkte so ausgebaut, dass man fast sagen kann,  dass dem Lebensstandard eines Mujaheds aus Europa vorgesorgt wurde und es ihm an nichts fehlt. Markenprodukte sind hier keine Seltenheit. Lebensmittel, Kleidung, Möbel, Waffen- und Militärausstattungen sowie elektronische Geräte wie Laptops  und Küchengeräte sind die Produkte vieler Geschäfte auf diesen Märkten.”

Der Besuch von Märkten sei zwar im Islam nicht verboten, aber dennoch rät er davon ab sie zu besuchen, außer es sie seien nicht zu umgehen, wenn man Sachen für den Jihad besorge. Denn die Märkte seien ein Ort der Fitna und würden ein hohes Sicherheitsrisiko für den einzelnen und dessen gesamte Gruppe darstellen.

Als das nächste, das neunte Hindernis, macht er “Die zwei großen Versuchungen: Geld und Ansehen” aus. Diese beiden Punkte seien bereits von Abdullah Azzam besonders hervorgehoben worden. Der Mujahed müsse sich bewusst sein, dass die Bewunderung und Liebe, die ihm vom pakistanischen und afghanischen Volk entgegen gebracht wird, eigentlich nicht seiner Person gelte, sondern der Sache der er diene, also dem Islam. Dies könne ebenfalls wieder zu Fitna führen.

Zwar lasse man, wenn man in den Jihad zieht, alles Diesseitige (dunya) zurück, aber diese komme sehr oft zurück, wenn man sich bei den Mujahideen eingelebt habe und die Trainingslager absolviert hätte. So komme auch er Drang nach Geld zurück. Einige würden sich vom Geld ablenken lassen, denn solange sie sich Ausrüstung kaufen würden, um den Jihad voran zubringen, sei nichts dagegen einzuwenden. Das schlimmste sei aber, wenn sich einige Mujahideen Geld von Verwandten schicken lassen würden, die den Jihad nicht befürworten oder sogar Ungläubigen seien. Denn dies würde “die Ehre der Mujahideen senken”. Durch das auftun eigener Geldquellen, würden sich einige dazu veranlasst sehen, von ihren Gruppierungen zu entfernen und neue Gruppen zu gründen.

“Und leider muss ich auch die schlimmste Gier nach Geld erwähnen. Traurig aber wahr, erlebten wir ehmalige Mujahedeen, die hohe Geldsummen von den Kuffar und Murtaddeen annahmen und als Gegenleistung ihren Jihad nach den Interessen des  Feindes führten und manche verrieten sogar den Jihad und die Mujahedeen und verkauften für vergängliche Summen ihre Religion.”

Ihr verstorbener Amir Muhammad Taher Faruq hätte auch ein solches Angebot, vom pakistanischen Geheimdienst, bekommen, dies aber abgelehnt.

“Wir Muslime lassen unseren Weg nicht von den Ungläubigen lenken!”

”Soll ich euch etwa diejenigen ausliefern, die mir zum Siege verhelfen!”

Als zehntes und letztes Hindernis, sieht er die Rükkehrer an. Denn viele von ihnen würden auf dem Weg in ihre Heimatländer gefangen genommen und würden alles ausplaudern, was sie über die Mujahideen wüssten. Oder sie würden, wie bereits oben erwähnt,

“sie kommen wieder in ihre Heimat zurück und erzählen Lügen und falsche Dinge, die sie auf Grund ihres begrenzten Verständnisses für richtig halten. So rate ich jedem da draußen, niemals die Informationen von einem Rückkehrer zu glauben.”

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