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Al-Wala’ wa-l-Bara’ – Teil 2 – bei Al-Maqdisi

Abu Muhammad al-Maqdisi wurde 1959 in der Nähe von Nablus, unter dem bürgerlichen Namen Isam Mohammad Tahir al-Barqawi, geboren. Im Alter von vier Jahren zog seine Familie nach Kuwait. In den 1970er Jahren kam er in Kontakt zu einer Gruppe, die sehr stark von Juhayman al-Utaybi beeinflusst war. Er begann bei verschiedenen ‘Ulama zu lernen, war allerdings der Meinung sie würden den desulaten Zustand der islamischen Ummah nicht erkennen. Bei einem Aufenthalt in Madina studierte er die Schriften von Ibn Taymiyya und seinem Schüler Ibn al-Qayyim. Dort kam er auch das erstemal in Kontakt mit den Lehren von Muhammad b. Abd al-Wahhab, die ihn sehr stark beeinflussten. Er radikalisierte sich weiter während seines Studiums an der Universität von Mossul in den 80er Jahren und reiste zur selben Zeit auch nach Afghanistan und Pakistan. 1990 verließ er wegen des Golfkriegs Kuwait und lebt seit dem vorwiegend in Jordanien. Im selben Jahr lernte er in Afghanistan Abu Mus’ab al-Zarqawi kennen, als dessen ideologischer Vater er gilt und bekannt wurde. In Jordanien saß Abu Muhammad al-Maqdisi einige Zeit im Gefängnis.

Seine Hompage ist eine der größten online Bibliotheken für jihadi slafistische Texte sowohl auf Arabisch wie auch auf Englisch.

al-Maqdisi Theorie von al-Wala’ wa-l-Bara’ beruht stark auf denen seiner Vorgänger. Er aber dreht zu einer notwendigen Bestätigung des islamischen Glaubensbekenntniss, der Shahada. Im Gegensatz zu Juhayman, der ihn stark beeinflusste, der auf sich bei dem Prinzip al-Wala’ wa-l-Bara’ auf die koranischen Verse 16, 123 und 6, 161 bezieht, stützt sich al-Maqdisi auf den Koran Vers 60,4, den er oft in seinem Werk Millat Ibrahim zitiert. Allein schon durch die Auswahl der Koranverse ist erkennbar, dass Maqdisi Bara’ gegen den Unglauben wichtiger ist als Wala’.

Abu Muhammad al-Maqdisi änderte allerdings einige Aspekte von al-Wala’ wa-l-Bara’ gegenüber seinen Vorgängern. Er verwendet es in Bezug auf die Politik und die Exkommunikation.  Den politischen Bezug von al-Wala’ wa-l-Bara’ hob bereits Juhayman hervor. Das wirklich neue an Maqdisis Interpretation dieses Konzeptes ist, dass er die verbotene Anbetung auch auf politische Gehorsamkeit und die Bereitschaft menschlich Gemachte Gesetze zu akzeptieren, ausbreitet. Dadurch beschuldigt er die heutigen muslimischen Politiker und Staatsführer des Shirk, weshalb sie in seinen Augen Kuffar sind. Dabei stütz er sich auf den Koranvers 9, 31 in dem es heißt “Sie haben sich ihre Schriftgelehren und Mönche zu Herren genommen außer Allah […] und doch wahr ihnen geboten worde, allein den Einzigen Gott anzubeten.” Diejenigen, die sich an Menschen gemachte Gesetze halten erweisen ihre Loyalität einem Falschen gegenüber. Dieses sind in seinen augen Idole (Tawaghit) die angebetet werden. Dementsprechend prangert er auf hunderten von Seiten in seinen Werken den Götzendienst der un-islamischen Staatsführer und die Unterwerfung unter Menschengemachte Gesetze an.

Wegen seiner politischen Interpretation  von al-Wala wa-l-Bara’ verlangt er, dass die Muslime von ihren ungläubigen Staatsführern abrücken. Dies sieht er als eine Pflicht an, die jedem auferlegt ist und die man nicht vermeiden kann.

Auf ein Hadith gestützt gibt es al-Maqdisi drei Formen des Abrückens vom Kufr. Dies sind, der Versuch den Kufr mit der Hand, der Zunge und dem Herzen auszumerzen. Letzteres ist die schwächste Form von Glaube. Die beste Form um gegen die Kuffar vorzugehen ist in seinen Augen der Jihad, als eine natürliche Konsequenz von Bara’.

So verwandelt er al-Wala’ wa-l-Bara von einem Instrument zur Belebung der  religiösen Frömmigkeit, in eine revolutinäre Ideologie, die jedem Muslim obliegt.

Al-Maqdisis Interpretation, die Fehler der Staatsführer als Kufr zu bezeichnen und nicht nur als Fisq oder Zulm ist nicht unumstritten. Diese Idee ist allerdings nicht völlig neu, sondern ist bereits bei Sayyid Qutbs Werk “Milestones” zu finden, in dem er sich auf den selben Koranvers wie al-Maqdisi beruft – nämlich 9, 31. Eine sehr ähnliche Argumentations Weise ist auch in Abd al-Salam Farajs Werk “The Absent Obligation” zu finden. In der Argumentationsweise von al-Maqdisi auf der einen und Qutb und Faraj auf der anderen Seite gibt es zewi große Unterschiede. Zum einen beruft sich nur al-Maqdisi auf al-Wala’ wa-l-Bara’ und zum Anderen geht er in seiner Interpretation des Koran verses 5, 44 viel weiter ins Detail als die beiden dies tun würden und so übernimmt al-Maqdisi Argumente von anderen Salafisten, die ihm eigentlich diametral gegenüber stehen. So wird er für eine breitere Masse attraktiv.

 

 

 

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Al-Wala’ wa-l-Bara’ – Teil 1

In nächster Zeit werde ich hoffentlich genug Zeit finden um hier einiges über al-Wala’ wa-l-Bara’ zu schreiben. Ebendieses Glaubensprinzip erfreut sich zur Zeit unter Anhängern der al-salafiyya al-jihadiyya recht großer Bliebtheit. So wurde vor nicht allzulanger Zeit ein Artikel in einem deutschsprachigem Forum, das sich selbst der Aqeedah al-Salafiyya al-Jihadiyya verpflichtet, darüber publiziert. Als Autoren geben sich die Deutschen Taliban Mujahedin aus, die ebenfalls einen Artikel über die Zulassigkeit von Märtyrer Operationen, veröffentlichten.

Die Bedeutung von al-Wala’ wa-Bara’ in der heutigen salafitischen Jihadbewegung  geht vorallem auf Abu Muhammad al-Maqdisi zurück, der dies in seinem Buch  Milat Ibrahim genauer darlegt. Man könnte soger für die Gruppen, die den “fernen Feind” bekämpfen sagen, dass al-Wala’ wa-l-Bara’ die selbe Bedeutung hat, wie al-Hakimiyya (die Souveränität Gottes die auf Sayyid Qutb zurückgeht) für die Gruppierungen, die den “nahen Feind” bekämpfen. Dieser Paradigmenwechsel schlägt sich in Ayman al-Zawahiris Buch Die Treue und der Bruch nieder.

Es ist schwer das salafistische Glaubensprinzip al-Wala wa-l-Bara’ wirklich gut zuübersetzen. Meist wird es mit Loyalität und Ablehnung (Nichtanerkennung) übersetzt. Dieses Prinzip teilt die Welt in zwei Sphären auf. Zum einen in die gute  Sphäre des Islams, der gegenüber man loyal sein muss und in den Rest der Welt die man ablehnen muss.

Geschichtliche Entwicklung

Das Wort Bara’ ist bereits in vorislamischer Zeit Bekannt und meint im tribalen Kontext die Abgrenzung gegenüber verfeindeten Stämmen oder den Ausschluß eines einzelnen um den gesamten Stamm vor Unheil zu beschützen.

Mit dem Aufkommen des Islams wurde der Begriff verwendet um Bündnisse mit Nicht-Muslimen, die vor dem Aufkommen des Islams geschlossen wurden, zu wiederrufen. Die erste islamische Gruppierung die al-Wala’ wa-l-Bara’ als Doktrin verwendeten waren die Kharijiten, nachdem sie den Schiedsschluss zwischen ‘Ali und Mu’awiyya ablehnten. Sie benutzen es um für eine große Loyalität innerhalb ihrer Gruppe zu sorgen und sich von allen anderen deutlich abzugrenzen. Die Ibaditen, die sich von ihnen abspalteten, fügten noch einen dritten Zustand zu dieser Doktrin hinzu, welcher in der Mitter dieser beiden steht.

Die größte Gruppe innerhalb des Frühislams, die diese Doktrin aufnahm, war die Shi’a. Wala’ stand für die größt mögliche Loyalität gegenüber ‘Ali, Hassan, Hussein und deren Nachkommen und Bara’ bezeichnete die negative Einstellung gegenüber den ersten drei rechtgeleiteten Kalifen und ihren Nachfolgern.

Zur selben Zeit waren allen sunnitischen Äußerung zu diesem Thema negativer Natur. So bezzeichnete z.B. Ahmad b. Hanbal diese Doktrin als Bida’ (Neuerung) und sie wurde immer in Zusammenhang mit der Shi’a gebracht. Der “Erz-Hanbalit” Ibn Taymiyya, der u.a. für seinen Hass auf die Shi’a bekannt ist, verwendete als erster Sunnit die Formel von al-Wala’ wa-l-Bara’, zwar nicht wörtlich aber dem Sinn nach. Er sieht es eben nicht mehr als  Bida’ sondern sieht in ihm ein Mittel Muslime von unislamischen Handlungen abzuhalten also gegen ebend dieses.

Der Enkel des hanbalitischen Reformers Muhammad b. ‘Abd al-Wahhab, Sulayman  b. ‘Abdallah Al al-Shaykh entwickelte das Prinzip von einem Mittel im Kampf gegen Bida’ zu einem Werkzeug gegen den Kufr (Unglauben) wodurch es zur Probe für  den “wahren Glauben” eines jeden Muslim wurde, denn laut Sulayman muss jeder Muslim nur Gott verpflichtet sein und wenn er dies nicht ist, so ist er ein Kafir. Für ihn gibt es in dieser Regel keine Ausnahme, noch nichtmal für diejenigen, die zu einer unislamischen Handlungen gezwungen wurden.

Die nächste Entwicklungsstufe nimmt der hanbalitische Gelehrte ‘Ali b. ‘Atiq, der das Prinzip von al-Wala’ wa-l-Bara’ mit der Grundlage des Islams, nämlich dem Tawhid (Einheit Gottes), verbindet. Bei wandelt sich auch die Gewichtung von der Missbillung falscher Loyalität hin zu einer wirklichen Abschottung von allem unislamischen.

Der erste, der al-Wala wa-l-Bara’ in einem politischen Sinne interpretierte war Juhayman al-‘Utaybi, er setzte es gegen das saudische Königshaus ein und war auch der erste der diese Formulierung wörtlich benutzte. Laut ihm wurde den Muslimen die Religion Abrahams gegeben, die darauf basiert nur Gott allein anzubeten und jeglichen Shirk (Polytheismus) abzulehnen. Um sicher zu sein, dass jemand der Religion Abrahams folgt muss er drei Phasen durchschreiten. Erstens die Ablehnung des Shirk, zweitens die Emigration (Hijra)  zu einem Ort, in dem man in Sicherheit Tawhid praktizieren kann und drittens den Kampf gegen die Mushrikun, welcher bei ihm wohl die versuchte Eroberung der Moschee von Mekka war.

Demnächst werde ich noch etwas  über al-Wala’ wa-l-Bara’ bei al-Maqdisi und Zawahiri schreiben sowie über den Artikel der bei Elif Medya veröffentlicht wurde.

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