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Die Strömungen des Salafismus

In den letzten Monaten wabert immer wieder ein Begriff durch die deutschen Medien, der meist missverstanden und oft falsch gebraucht bzw. unzureichend erklärt wird. Die Verwendung des Begriffs “Salafismus”, hat sich im Sprachgebrauch, vor allem der Medien, so weit eingebürgert, dass meines Erachtens nach alles konservativ islamische mit diesem Begriff tituliert wird, ohne die Nötige Differenzierung. Dabei er gibt sich jedoch ein Problem. Puristische, apolitische Salafisten, werden mit dem selben Label versehen wie terroristische Organisationen, die ihre Ideologie an den Salafismus anlehnen – zum Beipiel al-Qaeda.

Als ein Beispiel für die mehr als unglückliche Verwendung und Erklärung möchte ich ein Zitat aus der Süddeutschen Zeitung vom 20 Juni 2011 anführen.

“[Der] Salafismus ist eine Spielart des Wahhabismus, der übersteigerten puritanischen saudischen Staatsreligion.”

Diebe der Revolution” in Süddeutsche Zeitung S. 3 vom 20. Juni 2011

In diesem Artikel werde ich die verschiedenen Entwicklungen des Salafismus aufzeigen, von den historischen Vorbildern, den so genannten as-salaf as-salih (die rechtschaffenen Altvorderen; die Gefährten des Propheten Muhammads, bis in die dritte Generation) über den “reformistischen Salafismus” alà ‘Abduh und Rida, über “politischen Salafismus” der Muslimbrüderschaft. Abschließend wende ich mich dem “jihadistischen Salafismus” zu, als deren Hauptvertreter al-Qaeda allen bekannt ist.

Dabei halte ich mich an das von Wiktorowicz ausgearbeitet Model, der den Salafisms, in drei Strömungen einteilte, die puristische, die politische und die jihadistische. Quintan Wiktorowicz ist insbesondere durch seine Verbindung der Social Movement Theory mit islamistischen Bewegungen bekannt.

Als die historischen Vorbilder, im wahrsten Sinne des Wortes, dienen der Prophet Muhammad, dessen Gefährten und all jene die Muhammad oder dessen Gefährten noch persönlich kennen konnten. Deswegen hat man die Grenze bei der dritten Generation nach Muhammad gesetzt. Die frühe Gemeinde, die sich um den Propheten sammelte, wird als die ideale Form von Gemeinschaft angesehen, weswegen sie heute noch als Vorbild dient. Einige Salafisten kleiden sich deswegen dem Beispiel Muhammads entsprechend.

Besondere Beliebtheit, erlangte der Begriff “Salafismus”, Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts. Zu verdanken, hatte er dies, vor allem der Reformbewegung, deren beiden Köpfe ‘Abduh und Rida’ waren. Sie wirkte hauptsächlich von Ägypten aus und ihre Ideen ging auf Afghani zurück. Die Anhänger des “reformistischen Salafismus”, waren um einiges liberaler, als die heutigen Salafisten. Sie wollten den Islam an die Moderne anpassen durch Reformen des Bildungs-, Wirtschafts- und Herrschaftssystem. Die gegenwärtigen Salafisten beziehen sich in aller Regel nicht auf die genannten “reformistischen Salafisten”. Sie halten diese, zum Teil, sogar als vom Glauben abgefallen.

Die wirklichen Vordenker der heutigen Salafisten, sind insbesondere Ahmad b. Hanbal, Begründer der hanbalitischen Rechtsschule, sowie Taqi ad-Din b. Taymiyya und Muhammad b. Abd al-Wahhab. Sie beeinflussten alle drei Richtungen des gegenwärtigen Salafismus (puristisch, politisch und jihadistisch), auf die ich im folgenden näher eingehen werde.

Als erste Gruppe der Salafisten, sind die puristischen zu nennen. Diese sind in ihrer Haltung apolitisch und vor allem auf das Beibehalten ihrer puritanischen Lebensweise bedacht. Ein gutes Beispiel für diese wären zum Beispiel die saudische Variante des Salafismus sowie die Tablighi Jama’at, eine missionariche Gruppe, die in den 1920er in Indien gegründet wurde. Das Hauptziel des “puristischen Salafismus” ist zum einen der Aufruf bzw. die Missionierung zum Islam (Da’wa), ebenso wie der Kampf gegen Praktiken, die sie als nicht islamisch betrachten. So zum Beispiel die Verehrung von Heiligen durch Sufis. Sie lehnen jegliche politische Partizipation ab, da dies ihrer Meinung nach zum moralischen Verfall führt. Dementsprechend lehnen sie unter anderem auch die Beteiligung an Wahlen ab, denn ihre Auslegung des Tawheed (Monotheismus) ist sehr streng. Gott ist für sie auch im politischen Bereich die einzige legitime Souveränität und durch Wahlen würde der Mensch an dessen Stelle treten. “Puristische Salafisten” sehen sich allerdings nicht als eine politische Bewegung, sondern vielmehr als Avantgarde zum Schutz des “wahren Islams”. Dieses avantgardistische Gedankengut ist meiner Meinung nach allen salafistischen Strömungen zu eigen. Da sie sich für die einzigen Vertreter des “wahren Islams” halten, haben sie viele Ressentiments gegen andere salafistischen Gruppen. Ihnen werfen sie vor, sie würden dem von Muhammad vorgezeichneten Weg verlassen und mit rationalen Gedanken versuchen die politische Veränderung zu erreichen. Dadurch würden sie auch die Prinzipien des Islams vernachlässigen. Solche Vorwürfe erheben zum Beispiel regelmäßig “salafistisch jihadistische” Gruppierungen in Gaza gegen das dortige Hamas Regime.

Die zweite Gruppe sind die “politischen Salafisten“. Sie gehen historisch auf die, 1928 von dem ägyptischen Lehrer Hassan al-Banna gegründete, Muslimbrüderschaft zurück. Diese wollte eine Volksbewegung ins Leben rufen. Denn ihrer Meinung nach würde einer Reform des Islams unweigerlich eine soziale Revolution nachfolgen. Für die Muslimbrüderschaft, deckt der Islam alle Bereiche des Lebens ab. In den 1930er und 40er begannen die Ideen der Muslimbrüderschaft den islamischen Diskurs zu dominieren und gewann die Oberhand gegenüber nationalistischen Ideen und Weltanschauungen. Mit dem Beginn der 1950er und dem Machtantritt Nasers veränderte sich vieles für die Muslimvrüderschaft. Es kam vermehrt zu Zusammenstößen zwischen ihnen und den arabischen Regimen in Ägypten, Jordanien und Syrien. Der wohl wichtigste Ideologe aus dieser Zeit war Sayyid Qutb. Vor allem durch durch die Ideen Qutbs verlor der “politische Salafismus” der Muslimbrüder, die letzten Reste der reformistischen Ideen, die noch in ihrer Ideologie vorhanden waren. Hassan al-Banna war in seinem Denken sehr von ‘Abduh und Rida insperiert worden.

Nach dem brutalen Vorgehen Nasers gegen die Muslimbrüder, gingen jene, die nicht verhaftet wurden, nach Saudi Arabien ins Exil. Dort ist der so genannte “Wahhabismus” die vorherrschende Variante des Islams. Der “Wahhabismus” gehört zur puristischen Strömung des Salafismus und entstand auf der Arabischen Halbinsel des 18. Jahrhunderts. Der Name dieser Richtung geht auf den Begründer und Reformer Muhammad b. ‘Abd al-Wahhab zurück. Er predigte einen sehr fundamentalen Islam und lehnte jegliche Form von Aberglauben ab.

Die nach Saudi Arabien geflohenen Muslimbrüder schafften es schnell in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen, insbesondere in den Universitäten. Von diesn aus war sie sehr erfolgreich darin, ihre Ideologie zu verbreiten, obwohl sie im Kontrast zum “puristischen Salafismus” Saudi Arabiens stand. So gingen aus dem saudischen Bildungssystem immer mehr politisch sensibilisierte Menschen hervor, die in ihre Heimatländer, in der gesamten Arabischen Welt, zurückkehrten oder zum Beispiel nach Afghanistan um dort gegen die Soviets zu kämpfen. Unter diesen Studenten waren zum Beispiel Abdallah Azzam und Abu Muhammad al-Maqdisi. Aus den saudischen Studenten, die in ihrem Heimatland blieben und nun politisch hoch sensibilisiert waren, ging unter anderem die al-Sahwa Bewegung hervor. Sie übte heftige Kritik am Klerikalen Establishment Saudi Arabiens, weil es die Präsenz amerikanischer Truppen auf der Arabischen Halbinsel in einer Fatwa (Rechtsgutachten) erlaubt hatten. Der Hauptkritikpunkt war, dass sich die “puristischen Salafisten” so sehr auf ihr religiöses Seelenheil konzentrieren würden und sich dadurch vollkommen von der politischen Welt isoliert hätten, weshalb sie nicht genügen über diese wüßten um auf aktuelle Situationen angemessene Rechtsgutachten zu erlassen.

Die dritte Gruppe innerhalb des Salafismus, ist die jihadistische (Salafiyya Jihadiyya). Diese ist die in den Medien wohl präsenteste. Die salafistisch-jihadistische Ideologie entstand während des Afghanistan Kriegs, gegen die Sowjet Union. Sie basiert auf den beiden oberen Versionen des Salafismus. Zu beachten ist, dass die “Salafiyya Jihadiyya” keine homogene Untergruppe des Salafismus ist. Wie auch bei den anderen, differenzieren sich die Anhänger in diversen Spektren aus. Die jihadistischen Salafiten, sehen sich wie die anderen Salafiten auch, als die einzig wahren Muslime. Sie verbinden die, für den Salafismus, typische wortgetreue Auslegung des Korans mit einer tiefen Überzeugung für die Notwendigkeit des Jihads, der für sie in erster Linie eine gewaltsame Auseinandersetzung ist. Auf Grund dessen steht der Jihad, für sie, auf der selben Stufe wie die “fünf Säulen des Islam”. Somit wird er als eine der Grundlagen des Islams dargestellt.

Sie lehnen die im Islam übliche Meinung ab, das der Jihad, nur als ein defensiver Verteidigungskrieg geführt werden darf. Vielmehr sind Jihadisten davon überzeugt, dass es die Pflicht eines jeden Muslims sei, den Jihad aktiv und vor allem aggressiv zu führen. Der Jihad wird so in ihrer Ideologie, von einem defensiven, zu einem aggressiven Angriffskrieg. Dazu fällt allerdings in ihrer Rhetorik auf, dass sie versuchen, den Westen, oder die Arabischen Regime, als den Aggressor darzustellen und so doch versuchen, ihre Ansichten in der Mainstream- Meinung zu verpacken. Die Ansicht, dass der Jihad aggressiv zu führen sei, geht in erster Linie auf Sayyid Qutb zurück.

“Qutb advocated jihad to establish an Islamic state. In doing so, he argued angainst well-established Islamic legal opinions that jihad was primarly a strugel against the soul (jihad al-nafs) or a defensive war to protect the Muslim community. In kind of Islamic liberation theology, he argued that force was necessary to remove the chains of oppression so that Islamic truth could predominate.”

Wiktorowicz: A Genealogy of Radical Islam. 2005. S. 79

Quintan Wiktorowicz, macht in seinem Artikel “A Genealogy of Radical Islam” vier große Unterschiede zwischen den “normalen Salafisten” und den “jihadisten Salafisten” aus.

  1. Der Gebrauch des takfir (jemanden als Apostaten erklären) und ob dies auch für Herrscher gilt und der Jihad dann gegen sie geführt werden darf bzw. geführt werden muss
  2. Unterschiedliche Ansichte über den Jihad (defensiv – aggresiv)
  3. Zulässigkeit Zivilisten anzugreifen
  4. Die Legitimität von Selbstmordanschlägen

Die Mehrheit der Muslime lehnt die Praktik des takfir nicht grundlegend ab. Viele Salafisten sind der Meinung, dass ein Herrscher ein Kafir (Ungläubiger) werden kann, wenn er wissentlich Gesetze erlässt, die im Widerspruch mit der Scharia’ stehen. Allerdings gibt es auch hier wieder unter den “jihadistischen Salafiten” diverse Meinungen.  Al-Qaeda und ihr nahestehende Gruppen, titulieren regelmäßig arabsiche bzw. muslimische Herrscher als Ungläubige. Da es nun erlaubt sei, aus ihrer sicht, die Herrscher, die keine Muslime mehr seien, anzugreiffen und zu töten.

Für Wiktorowicz, ist die Bereitschaft, auch Zivilisten als legitime Ziele zu betrachten, ein Phänomen, das erst seit dem Algerischen Bürgerkrieg für “jihadistische Salafisten“, hoffähig wurde.

In seinem wirklich guten Buch “The Globalization of Martyrdom“, stellt Assaf Moghadam einen Kriterienkatalog auf, wann eine Bewegung zur Gruppe der “jihadistischen Salafisten” gehört. Dafür muss sie dem sunnitischen Islam angehören und eines der weiteren vier Kriterien erfüllen:

  1. Sie ist Mitglied oder affiliiert mit al-Qaeda – dies zeigt sich im Namen
  2. Sie hat al-Qaedas Weltanschauung übernommen und praktiziert den globalen Jiahd
  3. Sie übt Gewalt aus, um ein islamisches Regime zu stürzen und an Stelle dessen ein Kalifat zu errichten
  4. Sie betreibt die Praktik des takfir

Moghadam: The lobalization of Martyrdom. 2008 S. 50

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass bei der Benutzung des Wortes “Salafismus” und anderer religiöser Begriffe, in diesem Zusammenhang, Vorsicht geboten ist. Zudem sollte man sich des Unterschiedes bewusst sein, der zwischen den Gruppierungen besteht, die gerne mit “radikal islamisch” beschrieben werden. Denn so konservativ und radikal zum Beispiel die Hamas auch sein mag, wird sie dennoch von salafistischen Gruppierungen regelmäßig kritisiert und angegriffen.

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Statements salafistisch (jihadistisch) deutscher Internetseiten zum “Frankfurter Attentat”

Nach dem schrecklichen Anschlag, bei dem gestern zwei amerikanische Soldaten gestorben sind, möchte ich  kurz einige Statements deutschsprachiger salafistischer jihadistischer Internetseiten, zu diesem Thema, beleuchten.

Mittlerweile  wird wohl davon ausgegangen, dass Arid U. ein Einzeltäter war und keine terroristische Organisation hinter sich hatte. Er soll sich in letzter Zeit wohl auffallend schnell im Internet, durch den Besuch salafistischer Internetseiten, die zum Teil auch direkt zum Jihad aufrufen, radikalisiert haben. So sagt die Frankfurter Rundschau (siehe hier), dass er auf seiner Facebookseite, die seit heute Morgen gesperrt ist, Pierre Vogel bei seinen Interessen angab. Pierre Vogel ist Mitglied im Verein “Einladung zum Paradies” (EZP), der in Deutschland als sehr dubios wahrgenommen wird und auch immer wieder unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes steht.

Zunächst möchte ich auf ein Videostatement des Vereins “Einladung zum Paradies” eingehen, in dem sich Sven Lau – ein deutscher Konvertit – von dem Anschlag distanziert und die Verbindungen, die laut der Presse zwischen seinem Verein und Arid U. bestanden haben sollen leugnet. In seinen Augen ist das die typische Hetze der Medien. Allerdings ist dieses Video, sowohl auf der Seite von EZP als auch auf YouTube gelöscht worden, sobald es wieder auftaucht werde ich noch etwas näher drauf eingehen.

Als zweites möchte ich auf den Beitrag eines Blog eingehen, der vor allem durch die Verbreitung jihadistischer Materialien sich größerer Beliebtheit erfreuen dürfte. So veröffentlicht dieser Blog regelmäßig Video – und Audiodateien, sowie Statements der Islamischen Bewegung Usbekistans.

Zuerst schildert er nur die Ereignisse, ohne diese zu kommentieren. Er zitiert den hessischen Innenminister und übernimmt dessen Deutung, dass es sich bei dem Attentat um eine islamistisch motivierte Tat handele. Als Begründung für die Tat, die für ihn wohl vollkommen legitim ist führt er an, dass die „westlichen Kreuzritter“ nun auch schon in Europa unbeliebt seien.

“Die Unbeliebtheit der westlichen Kreuzfahrer macht sich nicht nur dort, wo sie Terror verbreiten bemerkbar, sondern auch hier in Europa nimmt der Hass auf sie zu.

Möge Allah  (swt) den Bruder aus Kosovo für seine wundervolle Tat segnen und beschützen und dem Terror der Kreuzfahrer ein Ende bereiten.”

Am Schluss will ich noch auf ein drittes Statement eines deutschsprachigen jihadistischen Blogs eingehen. Dieser beginnt mit der Feststellung, dass das Attentat „islamisch motiviert“ gewesen sei. Danach kommentiert er einen Artikel von „Die Welt“, an dem man seiner Meinung nach die schlecht Qualität des deutschen Journalismus bemerke. Diesen bezeichnet er im Laufe des Textes immer wieder als „Gossenjournalie“. Dabei stellt sich ihm zuerst die Frage nach dem Tatmotiv, die er sehr ähnlich zum vorherigen Statement beantwortet. Der Autor hat den Blog des vorherigen Statements mitbegründet, bevor er sich “selbstständig machte. Somit dürfte nicht verwundern, dass die beiden Meinungen doch recht nahe beieinander liegen.

Da haben wir schon ja schon ein passendes Tatmotiv. Die Kuffar führen Krieg gegen die muslimischen Länder  und töten dort Muslime. Und es braucht auch keiner so tun als ob das nicht so wäre oder scheinheilig retorische Fragen stellen. Es ist so.”

Einen weiteren Punkt, der ihn aufregt, ist die Doppelmoral, mit der der Westen, seiner Meinung nach, dieses Attentat und zum Beispiel Angriffe der ISAF unterschiedlich bewertet.

“Man muss sich aber vorher schlau machen, denn so theatralisch wurde nicht mal über die totgebombten Afghanen (entführte Tanklaster wurden bombardiert aber soviele tote Zivilisten? Also irgendwas is daran faul…)  hierzulande berichtet obwohl die Bundeswehr dieses Massaker zu verantworten hatte. Es gibt einen Begriff für  solche eine Haltung: Doppelmoral.”

Für die Reaktionen von Politiker wie Merkel und Obama hat er auch nichts anderes als Hohn übrig:

“Leere Worte von Menschen, die ohne Gewissensbisse junge Leute für eine sinnlose Weltanschauung in den  sicheren Tod schicken genauso wie Hitler es tat. Jedoch ist es heute nicht der Nationalsozialismus der die freien  Völker bedroht sondern die Demokratie mit ihrem Kapitalismus. Und wenn mich nicht alles täuscht hat die  Demokratie mit ihrem Kapitalismus jetzt den zweiten Platz direkt nach dem Kommunismus als  Menschenvernichtungsideologie eingenommen und somit den Nationalsozialismus abgelöst.”

Zu den Internetspuren, die oben schon mal erwähnt habe, sagt er, dass sich einige Journalisten “als Heuchler den Zugang zu islamischen Foren erschlichen hätten”. Zu dem lehnt er die Bezeichnung “heiliger Krieg gegen alle Ungläubigen” ab und bezeichnet die als “ausgemachten Quatsch. Für ihn ist das Attentat ein “Teil des Jihads gegen die westlichen Kreuzzügler”. Aus einer jihadistischen Perspektive heraus, relativ verständlich, warum er die zweite Bezeichnung bevorzugt. Denn der kleine Jihad – der bewaffnete Kampf, oft fälschlicherweise mit Heiliger Krieg übersetzt – darf nur in einer defensiven Absicht angewandt werden. Die erste Bezeichnung würde wohl zu sehr vermuten lassen, dass es sich dabei um einen Angriffskrieg der Muslime handele, der aus ihrer Sicht eben nicht haltbar wäre. Aus ihrer eigenen Perspektive sehen sie sich aber mit einem von der westlichen Welt begonnen Krieg konfrontiert, womit das klassiche Verständiss eines defensiven Jihad für sie wieder passt.

“Diese Tat ist nur eine Antwort auf alle das Unrecht. Und all dieses Unrecht lässt das Herz bluten, wen wundert es also noch, dass es Menschen gibt, die so handeln? Ich fordere jeden zu einer Debatte heraus, der meint, das er die Tat von Arid U. nicht nachvollziehen kann.”

Das Arid U. seine Welt in Gläubige und Ungläubige aufteilte ist für den Autor das normalste der Welt und sieht dies unter dem Prinzip von al-Wala’ wa-l-Bara’ – siehe dazu einige meiner vorherigen Blogposts.

“Die Welt in Kuffar und Muslime aufzuteilen ist das normalste der Welt. Ihr teilt ja auch die Welt auf zwischen Muslimen und Kuffar. Man nennt das Al Wala wal Bara. Hass und Liebe für Allah SWT. Ohne Al Wala wal Bara ist der Glaube nicht vollkommen, wenn überhaupt vorhanden. Al Wala wal Bara hindert den Moslem daran sich mit den Kuffar gegen die Muslime zu verbünden.”

Zum Schluss will ich noch ein Zitat bringen, wie der Autor zum Jihad steht.

“Ich selber will ja noch lange aktiv sein und würde mich davor hüten direkt zum Jihad aufzurufen, weil das eine Straftat darstellt (Aufruf zu einem fremden Wehrdienst.) Jedoch kann man erläutern, dass es Pflicht für jeden Moslem ist in den Jihad zu ziehen. Jeder Moslem soll nun die Konsequenzen aus diesem Hukm ziehen. Und ja Jihad ist eine sehr schöne Ibada und sehr segensreich. So siehts aus. Und man darf sich natürlich verteidigen wenn die Kuffar angreifen. Ihr Kuffar greift sogar präventiv an. Schämt euch gefälligst was, dass ihr der Ummah vorwerft, dass sie sich verteidigt.”

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Al-Wala’ wa-l-Bara’ – IV – Ayman al-Zawahiris Biographie

Heute ist Ayman al-Zawahiri auch vielen Leuten bekannt, die sich nicht näher für das Thema Jihadismus interessieren. Vor allem durch seine Videobotschaften, die auch in den deutschen Nachrichten des öfteren Erwähnung finden.

In diesem Post möchte ich zunächst einmal die Biographie von Ayman al-Zawahiri vorstellen und durch sie einen Paradigmenwechsel verdeutlichen, der meiner Meinung nach der wichtigste Schritt hin zum Jihadismus alá al-Qaeda, wie wir ihn heute kennen, war. In den darauf folgenden Post werde ich jeweils stückweise meine kommentierte Übersetzung von “al-Wala’ wa-l-Bara’ Ein vergessener Glaube und verlorene Tatsachen” – ein 30 Seiten Text von Ayman al-Zawahiri – online stellen.

Ayman al-Zawahiri wurde 1951 in Ma’adi, einem Vorort von Kairo, in eine unter anderem für ihre Religiosität bekannte Familie geboren. Aus ihr gingen viele Gelehrte der al-Azhar hervor aber ebenso auch viele Politiker. So unterschied sich die Familie von Zawahiri auch stark von der restlichen, sehr stark am Westen orientierten Oberschicht Kairos. Sie lebten auf eine sehr fromme Art und Weise und stellten ihren Reichtum nicht zur Schau, wie es Gang und Gebe zu dieser Zeit war. Dadurch lässt sich auch gut erklären, dass Ayman al-Zawahiri bereits in jungen Jahren als ein sehr religiöses und politisch sensibilisiertes Kind in Erscheinung trat.

Durch die Exekution von Sayyid Qutb im Jahr 1966 änderte sich die Einstellung der islamistischen Bewegung Ägyptens schlagartig und das hatte auch großen Einfluss auf ihre zukünftige Ideologie, die maßgeblich von ‘Abd al-Salam Faraj und Ayman al-Zawahiri geprägt werden sollte.

Es ist somit bestimmt auch kein Zufall, dass Zawahiri im selben Jahr, im Alter von 15 Jahre, seine erste „Untergrundzelle“ an seiner Schule gründete und sich das, zu dieser Zeit wohl doch vermessene Ziel setzte, die ägyptische Regierung zu stürzen.

Das Sayyid Qutb ihn, sowie die ägyptische islamistische Bewegung im allgemeinen, sehr beeinflusste schrieb Ayman al-Zawahiri in seinem im Dezember 2001 veröffentlichten Buch „Ritter unter dem Banner des Propheten“. In dem er sogar ein gesamtes Kapitel über Sayyid Qutbs Ideologie schrieb.

Für Ayman al-Zawahiri sind wohl zwei Schlagwörter aus Qutbs Ideologie am wichtigsten: Ğāhiliyya und Hakimiyyah.

Ğāhiliyya bezeichnet im Arabischen die vor-islamische Zeit, in der die Menschen noch in Unwissenheit lebten, da sie die Lehre des Islam noch nicht kannten. Qutb dagegen verwendet die Interpretation des pakistanischen Gelehrten Maududi, der den Begriff auf seine Zeit ausdehnt und der Meinung ist, dass auch noch seine Zeitgenossen, die nicht nach dem islamischen Recht leben, noch in der Epoche der Ğāhiliyya sind. Diese gilt ebenso für Staaten die nicht nach dem wahren islamischen Recht beherrscht werden. Qutb kam mit den Schriften von Maududi durch Übersetzungen seines Schülers Nadwi in Kontakt, denn er wohl im Jahr 1951 bei der Hajj traf.

Ḥākimiyya ist das Konzept, dass Qutb der Ğāhiliyya seiner Zeit entgegenstellt. Es bezeichnet die wahre Herrschaft Allahs. Nur die Herrschaft ist legitim, die Allah als den einzigen Souverän anerkennt und die sich nur nach seinen, in Koran und Sunna offenbarten, Gesetzen richtet.

Während der Regierungszeit von Sadat kamen viele unter Nasser verhaftete Islamisten wieder frei und sorgten somit auch für ein wachsen und erblühen der Islamistischen Bewegungen Ägyptens. Diese findet sozusagen ihren Höhepunkt mit der Vereinigung der Gama’a Islamiyya und der Ğihād Gruppe unter der Leitung von Faraj, der auch Zawahiri angehört und in der er keine unwichtige Rolle spielte.

Dabei treffen zwei Gruppierungen aufeinander, die völlig diametrale Ansätze haben. Zum einen die Gama’a Islamiyya unter der Leitung von Karam Sohdis, die eine islamistische Massenbewegung ist, mit ihren Zentren vor allem in Oberägypten sowie der Ğihād Bewegung von Faraj, die sich im Gegensatz zur Gama’a Islamiyya, als eine revolutionäre Avantgarde, im leniistischen Sinn, versteht. Der „Chef-Ideologe“ dieses Zusammenschlusses ist Scheikh ‘Abd al-Rahman, der vielen wahrscheinlich als der blinde Scheikh bekannt ist – vor allem durch seine Verstrickungen in den Anschlag auf das World Trade Center von 1993.

Diese Koalition verübte im Oktober 1981 dann auch das Attentat auf den ägyptischen Präsidenten Sadat, in der Hoffnung, dass es ausreichen würde nur den Präsidenten zu töten, um Ägypten in einen in ihrem Sinne wahren islamischen Staat zu verwandeln. In der darauf folgenden Jagd des ägyptischen Staates auf die Islamisten wurde Ayman al-Zawahiri verhaftet und wohl auch gefoltert. Dieses Erlebnisse brachte ihn seinem geistigen Vorbild Sayyid Qutb noch näher. In den Prozessen wird Zawahiri zum Sprecher der Gefangenen. Während des Prozesses richtet er sich mit einer Rede an die anwesenden Journalisten:

“Wir wollen uns nun an die ganze Welt wenden. Wer sind wir? Warum haben sie und hierhin gebracht und was wollen wir verkünden? Ersten, wird sind Muslime! Muslime, die an ihre Religion glauben, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Deshalb haben wir alles unternommen, was in unserer Macht steht, um einen islamischen Staat zu errichten. […] Wir sind die wahrhafte islamische Opposition gegen den Zionismus, Kommunismus und Imperialismus. Zweitens, sie haben uns angeklagt, weil sie versuchen die islamische Bewegung zu vernichten und als Vorbereitung der zionistischen Unterwanderung”

Kurz nach seiner Freilassung verlässt Zawahiri Ägypten in Richtung Saudi Arabien um in einem Krankenhaus zu arbeiten. Er Verließ Ägypten wohl auch um einer drohenden Verfolgung durch den ägyptischen Staat zu entgehen. 1985 ging er dann von Saudi Arabien nach Afghanistan, wo er bereits 1980/81 für sechs Monate als Arzt tätig war. Nach seiner Ankunft in Peshawar macht er aber keine Anzeichen sich Abdallah Azzam anzuschließen, der damals wohl so etwas wie die Vater Figur der Mujahideen war. Anstatt dessen sucht Zawahiri die Nähe zu einem damals noch vollkommen unbekannten Usama b. Laden. Sein Interesse dürft wohl rein finanziell gewesen sein um mit den Mittel des reichen Saudis, den Ğihād seiner Gruppe in Ägypten zu finanzieren. Um dies zu erreichen, unternimmt Zawahiri auch diverse Versuche Usama b. Laden dem Einfluss von Azzam zu entziehen. Dem liegt ein Streit über die grundlegende Ausrichtung der globalen Ğihād Bewegung zu Grunde, nämlich ob zunächst der nahe Feind (die arabischen Regime) oder der ferne Feind (vor allem Amerika und Israel) bekämpft werden soll. Diese ideologische Auseinandersetzung innerhalb der gesamten Bewegung trat mit dem Ende des sowjetischen Ğihād in den Vordergrund der Diskussion und sollte ihn auch die kompletten 90er Jahre beherrschen.

Mit der Besetzung Kuwaits durch den Irak und dem saudischen Hilferuf and USA, die vorher ein Angebot von Usama b. Laden, bei der Verteidigung Saudi Arabiens zu helfen, ausgeschlagen haben, werden die ideologischen Differenzen zwischen b. Laden und Zawahiri immer größer. Usama b. Laden hat als Hauptziel die Vertreibung der Amerikaner von der Arabischen Halbinsel – er bevorzugt den fernen Feind. Zawahiri hingegen hat als sein Hauptziel die Errichtung eines islamischen Staates in Ägypten. Denn seiner Meinung nach „führe der Weg nach al-Quds über Kairo“.

Da Afghanistan immer mehr im Chaos versinkt reisen b. Laden, Zawahiri und ihre Begleiter 1992 in den Sudan. Dessen geographische Nähe zu seinem Heimatland, nutzt Zawahiri um die ägyptische Ğihād Bewegung neu zu formieren, dabei plagen ihn wohl hauptsächlich Geld sorgen.

Ein Jahr später veranlasst er einige terroristische Operationen in Ägypten, die in Konkurrenz zur Gama’a Islamiyya gesehen werden müssen, die zur selben Zeit eine gewaltsame Kampagne gegen die Regierung in Kairo führte. Beiden kann der ägyptische Staat allerdings recht erfolgreich, durch eine der größten Verhaftungswellen seit Sadats Ermordung, begegnen. Dadurch gezwungen, kooperieren beide Gruppierungen bei der Planung und Durchführung eines Anschlags auf den ägyptischen Präsidenten, Hosni Mubarak, während seines Besuches in Addis Abeba, der jedoch fehlschlägt. Für die sich in Ägypten befinden Kader hat das verheerende Auswirkungen. Nach einem „erfolgreichen“ Anschlag auf die ägyptische Botschaft in Islamabad nimmt der Druck der USA und Ägyptens auf den Sudan so stark zu, dass die Islamisten des Landes verwiesen werden und fast alle nach Afghanistan zurückkehren. Für die Ausweisung wird vor allem Hasan at-Turabi, der den Muslimbrüdern nahe stehende islamistische Ideologe, verantwortlich gemacht und nur zu sehr kleinen Stücke Sudans Präsident Omar al-Bashir.

Ayman al-Zawahiris Rückkehr nach Afghanistan und seine erneute Verbrüderung mit Usama b. Laden in Jalalabad, haben auch Auswirkungen aus seine ideologische Ausrichtung. Am 26. Februar 1998 unterzeichnet Zawahiri zusammen mit b. Laden eine Erklärung zur Gründung einer Internationalen islamischen Front für den Ğihād gegen die Juden und Kreuzzügler“. Ebenso stellen beide eine Fatwa aus, die es zur obligatorischen Pflicht eines jeden einzelnen macht, Amerikaner und deren Verbündeten zu ermorden. Hier mit hat Zawahiri den Schritt gemacht, dass der Ferne Feind für ihn die höchste Priorität hat. Damit wendet er sich auch vom Revolutions Modell seiner eignen Ğihād Bewegung ab, weshalb es später zum Zerwürfnis kommt. In seinem Werk „Ritter unter dem Banner des Propheten“, dass ab Ende 2001 stückweise in der arabische Zeitung al-Sharq al-Awsat veröffentlicht wird, bemüht er sich um eine religiöse legitimieren einer ausschließlichen Bekämpfung des fernen Feindes.

Ein Jahr später veröffentlicht er ein weiteres Werk, das allerdings sehr stark angelehnt ist an die religiöse Literatur. Dieses Werk heißt “al-Wala’ wa-l-Bara’ Ein vergessener Glaube und verlorene Tatsachen” – dessen Übersetzung ich demnächst hier hoffentlich online stellen kann.

Der Text widmet sich ausschließlich dem Prinzip al-Wala’ wa-l-Bara’, das man gut und gerne als die Basis der neuen Ideologie des Jihadismus sehen kann.

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al-Wala’ wa-l-Bara’ Der Charakter des Gläubigen

Dieses Bild fand ich gerade auf der deutschsprachigen Seite von SalafiMedia und fand, dass sie al-Wala’ wa-l-Bara’ recht witzig, aber doch passend dargestellt haben. SalafiMedia ist eine hauptsächlich englischsprachige Internetseite, die es sich zur Aufgabe gemacht hat die salafistische Leseart des Islams zu verbreiten wobei sie schon radikale Ansichten vertreten. Unter den Beitragenden ist u.a. Abu Hamza al-Masri

Darunter steht dann der Download Link für einen Text mit dem Titel al-Wala wal-Bara der Charakter des Gläubigen. Aus dem ich exemplarisch einige Zitate bringen will.

“Ein weiterer fundamentaler Aspekt unseres Glaubens ist das Thema Al-Walaa wal-Baraa. Wenn dieses Thema richtig verstanden wird, so wird man den Kafir (Ungläubige) vom Mu’min (Gläubigen) klar und deutlich unterscheiden können. Al-Walaa wal-Baraa setzt klare Prinzipien in Hinsicht auf Bündnisse, Unterstützung und Freundschaft gegenüber den Kuffar fest. In der heutigen Realität ist Al Walaa wal-Baraa ein sehr missverstandener und vernachlässigter Teil des Glaubens einer Person. So leben wir in einer Welt, die von menschen-gemachten Gesetzen dominiert wird, angeführt von den Kuffar, die die Gesetzte ihrer Interessen und Gelüste nach formen und bestimmen; so müssen wir die Tatsache feststellen, dass Millionen von Muslime in den Länder der Kuffar wohnen und dort Wohnungen, Geschäfte und Familien haben, die den unislamischen
Gesetzen, Systemen, Ideologien, Kulturen und Traditionen der Kuffar unterliegen.”

“Die üblen Nachfolgen daraus sind unter anderem, dass sobald diese Regierungen unsere Brüder und Schwestern in anderen Regionen der Welt angreifen, töten, aus ihren Wohnorten vertreiben, terrorisieren, foltern etc. es soweit dazu gekommen ist, dass wir als Muslime auf keinen Fall objektiv demgegenüber stehen, vielmehr unsere Akzeptanz gegenüber ihr Terror, ihre Massenvernichtungen und Vertreibungen zeigen, im Namen ihrer üblen Ideologien, Ideen, Konzepte, und ihrer Religion, verpackt und ausgeschmückt unter Begriffen wie Freiheit, Gleichberechtigung und Demokratie und dazu kommen lassen ihre Handlungen widerstands- und bedingungslos hinzunehmen.”

“Al-Walaa wal-Baraa besteht aus zwei Aspekten: al Hubb (Liebe) und al-Bughoud (Hass) – beide müssen aufrichtig um den Willen Allahs (swt) geschehen.
Al Hubb (Liebe) bedeutet um den Willen Allahs (swt) zu lieben – was im Übrigen auch als Muwalaat bekannt ist. Al-Muwalaat bedeutet: begleiten, lieben, unterstützen, verbünden, helfen, erbauen, respektieren und befreunden – all dies muss um den Willen Allahs (swt) in gewisser Weise, die Er (uns) befohlen hat, geschehen.
Al-Bughoud ist dahingegen Hass um den Willen Allahs (swt) zu haben und ist auch bekannt unter al- Muadaat, was das gänzliche Gegenstück zu Al-Muwalaat darstellt. Infolgedessen ist es für die Gläubigen erforderlich, muwalaat gegenüber den Muslimen zu haben und Muadaat gegenüber den Kuffar zu hegen – Allah (swt) zu lieben, den Gesandten (saw) zu lieben und die Muslime zu lieben, sowie Hass gegenüber die Kuffar zu empfinden; all das zu lieben, was Allah (swt) uns befiehlt und demgegenüber walaa zu zeigen, keinen der einzigen Befehle Allahs gegenüber Abstoßung und Feindseligkeit empfinden, weiter noch alles zu hassen, was Allah (swt) hasst, sowie jene, die Allah (swt) und die Gläubigen hassen.”

“Man muss auch erwähnen, Hass gegen den Kuffar zu empfinden nicht bedeutet, dass wir sie schlecht behandeln – dieser Hass ist viel mehr Teil unserer Ibadah und es geschieht nur um den Willen Allahs (swt). Unser Hass ist gegen ihr Unglaube und die Ablehnung die sie gegen Allah (swt) und dem Islam hegen. Also muss unser Behandeln gegen sie in Übereinstimmung mit den Befehlen Allahs (swt), Seinen Gesetzen und der Sunnah des Propheten (saws) sein, auf dass wir sie gerecht behandeln: so sagt Allah (swt):
Allah verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht des Glaubens wegen bekämpft haben und euch
nicht aus euren Häusern vertrieben haben, gütig zu sein und redlich mit ihnen zu verfahren; wahrlich,
Allah liebt die Gerechten. [60: 8]”

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Loyalty to the Believers by Abu Zubair Adel b. Abdullah al-Abab

Im Juni erschien ein Audiovortrag von Abu Zubair Adel b. Abdullah al-Abab in den einschlägigen Foren mit dem den Titel al-Wala’ li-l-Mu’mimeen (Loyalität für die Gläubigen). Allerdings kann man die Gläubigen, bei der Intention des Vortrags, auch gut durch Mujahideen ersetzen.

Da der Vortrag mit dem Thema genau in mein Interessengebiet passt werde ich jetzt hier ein wenig darüber posten.

Der Vortrag fängt an, in dem Abu Zubair Adel b. Abdullah al-Abba das Glaubensprinzip von al-Wala’ wa-l-Bara’ zu einer Säule des Islams erklärt und das derjenige, der nicht sein Leben danach ausrichte kein Muslim sein könne, den es sei eine Bedingung für den “richtigen Glauben”. Als Beleg dafür zitiert er einige Koranverse ( z.B. 5,80/81).

Nach den Koranzitaten, zählt er auf zu wem man al-Wala’ (Loyalität) ausüben sollte, natürlich sollte dies nicht wegen des Geldes oder anderer materieller Dinge geschehen. Zu aller erst muss man Gott und Muhammad gegenüber loyal sein. Dann denjenigen gegenüber, die an Gott glauben und nur ihn alleine anbeten sowie den Koran als einzige Handlungsanweisung betrachten und der Schari’a durchsetzten wollen usw. Hier werden also genau die Merkmale aufgezählt die aus Sicht der Salafiyya-Jihadiyya einen “guten Gläubigen” ausmachen. Die Drohung vor der Strafe im Jenseints darf natürlich nicht fehlen.

“Our loyalty is for the believer, who has rejected the democracy that deifies mankind and resists being ruled by Allah alone. So he who fought the democratic program which is contrary to the Quran and Sunnah, we will befriend him, support and love him, put our hand in his hand, open our hearts and homes and extend to him our
hands; because he is saving the women and children of the Muslims, and frees the holy places from the hands of the Crusaders. We befriend the believer who rejects the plots of Jews, Christians and their stooges in the occupation of Muslim lands and control of the oil in the Muslim communities, and we stand side by side with the
believer who is honest with Allah, his Prophet, his religion and his Ummah. The Muslim person of whose tongue and hands the Muslims are sure checks whom he supports and aids, for he will not befriend any but the truthful.”

Es folgt eine an die muslimischen Gelehrten gerichtet Frage, warum sie sich nicht loyal gegenüber den Mujahideen verhalten würden. Denn selbst Mu’awiya und ‘Ali hätten sich im Kampf gegen die Christen verbündet. Ebenso habe Salah ud-Din al-Ayyubi die Muslime im Kampf gegen die Kreuzritter geeint trotz ihrer verschiedenen Glaubensanschauungen.

Das wirkliche schlimme aber sei, so Abu Zubair Adel b. Abdullah al-Abba, dass die meisten Gelehrten sich loyal gegenüber den so genannten muslimischen Regimen und den Kreuzrittern zeigten und somit die muslimische Gemeinschaft in die Irre führen würden, da sie den Jihad gegen ebendiese als illegitim bezeichnen würden.

Zum Schluss wird noch die muslimische Gemeinschaft direkt angesprochen und zwar warum sie, bei den Greueltaten, die gegen ihre Geschwister verübt werden ruhig sein könnten. Schließlich müssten sie sich ja loyal ihnen gegenüber verhalten und somit zur Hilfe kommen. Womit Abu Zubair Adel b. Abdullah al-Abba wohl ganz klar meint das man den Mujahideen anschließen sollte und in den Jihad zieht.


 

 

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Al-Wala’ wa-l-Bara’ – According to the Aqeedah of the Salaf

In diesem Post möchte ich ein Buch über al-Wala’ wa-l-Bara’ vorstellen, das aus drei Teilen besteht. Diese Abhandlung ist eigentlich eine Master Thesis von Muhammad Saeed al‐Qahtani, die er an der Umm  al‐Qorah  University  in Makka einreichte.

Diese Abhandlung findet man mittlerweile auf viele salafitischen Internetseiten und ist sogar ins Deutsche übersetzt worden. Zum Beispiel findet man es auf SalafiMedia, die zum Teil mit der deutschen Gruppierung Einladung zum Paradies zusammenarbeitet. Über das Logo von SalafiMedia hat Jarret Brachman vor nicht all zu langer Zeit ein schönen Artikel geschrieben.

Ich denke, dass diese Abhandlung einen sehr guten Eindruck liefert, über die klassisch islamisch Sichtweise von al-Wala’ wa-l-Bara’, die man bei der Umdeutung wie ich sie bis jetzt dargestellt habe, nicht vergessen sollte.

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Al-Wala’ wa-l-Bara’ – Teil 3 – Deutsche Taliban Mujahideen

Nun schaffe ich es endlich, nach längerer Zeit mal wieder etwas über al-Wala’ wa-l-Bara’ zu schreiben. Meine beiden älteren Beiträge (Teil 1, Teil 2) beschäftigten sich mit der geschichtlichen Entwicklung und Abu Muhammad al-Maqdisis Anwendung von al-Wala’ wa-l-Bara’. Heute will ich mich mit einem Text beschäftigen, den ich im April in einem Forum gefunden habe, der dieses Glaubensprinzip aus Sicht der Deutschen Taliban Mujahideen beleuchtet.

Nach den üblichen Floskeln am Anfang werden Zitat aus dem Koran und aus den Hadithen gebracht um die Wichtigkeit von al-Wala’ wa-l-Bara’ zu verdeutlichen. Wobei al-Wala’ wa-l-Bara’ hier meist mit “Liebe und Hass” übersetzt wird.

“Wie kann der Islam vollständig sein oder wie kann die Fahne des Dschihad oder die vom Befehl des Geziemenden und Verbieten des Verwerflichen hochgehalten werde, wenn es keine Liebe und Hass für Allah gibt.”

al-Wala’ wa-l-Bara’ seien Eigenschaften des Herzens, die sich aber erst durch die Handlungen einer Person zeigen würden.

Jetzt wird definiert für wenn al-Wala’ legitim sei. Das ist zum einen natürlich Allah und zum anderen die Muminin (Gläubige) – wobei man hier wohl unter Gläubigen, diejenigen verstehen muss, die derselben radikalen Denkweise angehören, also ganz im Sinne von Mawdudi und Qutb. al-Bara’ dagegen trifft also alle anderen und “entspringe dem Hassen um der Religion willen”. Zu al-Wala’ gehöre, das sich die Gläubigen beistehen, mit dem Friedensgruß grüßen, das Mitgefühl zueinander usw. Zu al-Bara’ dagegen gehöre die Ablehnung jeglichen Kontakts mit den Kufar sowie

“dass mann Dschihad macht mit dem Geld, der Zunge und mit Waffen und dass man die Länder der Kufar verlässt und zu den Ländern der Muslimin geht.”

Intersant finde ich, dass der Jihad wegen des Hasses gegen die Kuffar geführt werden soll und nicht aus Liebe zu Allah, um seine Autorität zu verbreiten.

Es wird in dem Text ganz klar davor gewarnt sich Kufar zu Freunden zu nehmen denn sonst werde Allah denjenigen mit al-Bara’ strafe.

“Allah hat seinen gläubigen Dienern untersagt, die Kufar anstelle der Gläubigen zu awlia zu nehmen und ihnen Zuneigung entgegenzubringen. Und Allah droht denjenigen, die dies tun mit Barah ihnen
gegenüber.”

Im weiteren Verlauf werden die Belohnungen beschrieben, die ein Gläubiger zu erwarten habe, wenn er sich an al-Wala’ wa-l-Bara’ halte und natürlich wird auch nicht vergessen, die Strafen zu beschreiben die derjenige erleiden muss, der sich nicht an al-Wala’ wa-l-Bara’ hält.

“Sie sind die Bewohner des Feuers, darin müssensie ewig bleiben Zudem gehören sie zu schaitans Partei, die verlieren wird: …schaitan hat sie völlig in die Macht bekommen und hat sie die Ermahnung Allahs vergessen lassen … Sie sind schaitans Partei …schaitans Partei ist die verlierende .. Jene,…,werden unter den Ehrniedrigsten sein Allah sagt in einer weiteren Ayah, dass die Muminin Kufr hassen und den Glauben lieben: .. jedoch Allah hat euch den Glauben lieb gemacht und sehr begehrenswert für eure Herzen; und Er hat euch Kufr, Widersetzlichkeit und Ungehorsam verabscheuenswert gemacht. Das sind jene, die der rechten Bahn folgen (49:7)”

Der Interreligiöse Dialog sei nur dann erlaubt, wenn sich Muslime mit den Kuffar treffen würden um ihnen die wahre Bedeutung von Tawhid zu erklären aber jeglicher andere Kontakt sei verboten, da die Kufar nur die Absicht hätten die wahrhaft Gläubigen vom “richtigen Weg” abzubringen. Allerdings sei man daran gebunden, den Ahl al-Dhimma im guten Verhalten zu begegnen, dies dürfe nur nicht den Anschein von Liebe bzw. al-Wala’ haben.

“Z.B. soll man nicht aufstehen, wenn ein Kufar einen Raum betritt oder ihm seinen Stuhl anbieten. Auch soll man einen Kufar nicht bei einem Namen nennen, der diesen Mann ehrt und auf der Straße weicht man, wenn wenig Platz ist, einem Kufar nicht aus. Ein Moslem arbeitet nicht als Diener oder Arbeiter für einen Kufar. Er soll aber das tun, was Allah an gutem Verhalten befiehlt, ohne innere Zuneigung. Z.B. soll man die Schwachen unter den Kufar gut behandeln, den Hungernden Essen geben, Kleidung bei Bedarf verteilen und mit diesen Leuten auf gute Art sprechen, mit Barmherzigkeit und Güte und nicht so, dass die Menschen Angst bekommen oder sich erniedrigt fühlen.”

Die Kufar würden versuchen al-Wala’ wa-l-Bara’ abzubauen und die Kenntnis der Muslime über die Notwendigkeit des Jihads gegen die Kufar aus ihren Herzen zu vertreiben.

Am Ende folgt noch der obligatorische Aufruf, dass sich der Leser dem Jihad anschließen solle.

“Unternehmen wir also praktische Schritte, damit Walah und Barah realisiert werden; geben wir z.B. Geld für den Dschihad, machen wir die Verbindung unter uns stark, treffen wir uns mit denen der “ahl al sunnah”, die da was machen an jedem Ort und informieren wir uns immer über sie.”

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