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Abu Talha al-Almani – “Ghurabah (die Fremden)” – Nasheed

Letze Woche ist auf den diversen YouTube Kanälen, die mit den Gruppierung Salafimedia und Millatu Ibrahim assoziiert sind, ein neues Nasheed von Abu Talha al-Almani (ehemals Deso Dogg bzw. Abou Maleeq) veröffenlicht worden. Es ist eine deutsche Umdichtung des in jihadistischen Kreisen sehr beliebten Nasheeds “Ghurabah” (die Fremden), dieses auf arabisch verfasste Nasheed kann durch aus als eine Art Evergreen betrachtet werden.

In diesem mittlerweile bereits traditionellem Nasheed weren die Muslime als eine Avantgarde dargestellt. Gerade im Kontext der im Westen Lebenden radikalen Muslime, die mit den Inhalten solcher Texte sympathisieren, verdeutlicht der Text, dass sie nicht ein Teil unserer Gesellschaft werden sollten, sondern stolz sein könnten sich in unserer westlichen Gesellschaft eben fremd zu fühlen. Das Gefühl der Fremdheit wird somit im Gedankengut der radikalen Muslime zur Gewissheit sich auf dem “Richtigen Weg” zu befinden.

Bevor ich mich der Umdichtung von Abu Talha al-Almani widme, möchte zum Vergleich die Übersetzung einiger Passagen der arabischen original Nasheeds anführen.

“Ghuraba (die Fremden) 4x

Ghuraba (die Fremden) 4x

Die Fremden beugen ihre Stirn niemandem außerGott (Allah)

Die Fremden haben dies zum Lebensmotto gewäht

Wenn du uns fragst, so kümmern wir uns nicht um die Tyrannen

Wir sind die regulären Soldaten Gottes (Allahs), unser Weg ist ein reservierter Weg

[…] Wir werden uns nie um die Ketten kümmern, sondern immer weiter machen

Wir werden uns nie um die Ketten kümmern, sondern immer weiter machen

Also lasst uns den Jihad machen(نجاهد), die Schlacht schlagen(نناضل) und von neuem kämpfen (نقاتل من جديد)

Die Fremden, so sind sie frei in der unterworfenen (wört. versklavten دنيا العبيد) Welt

[…] Wie oft erinnern wir uns an eine Zeit, in der wir frohen Gemutes waren

Das Buch Gottes (Koran)  rezitierten wir morgens und abends

Der Prophet sagte: Der Islam begann als etwas Fremdes und wird als etwas Fremdes zurückkehren, so wie er begann. Reue (Taubah) für die Fremden.”

Die angebliche Aussage des Propheten Muhammad, die am Ende des Nasheeds angeführt wird, soll vermutlich auf die Anfangszeit des Islams hinweisen, zu der Muhammad noch in seiner Heimatstadt Mekka lebte und durch sein öffentliches predigen der neuen Religion vielen Anfeindungen ausgesetzt war. Somit wird durch dieses Nasheed versucht, die Situation, die ein radikaler Muslim bzw. Jihadist in unserer heutigen Gesellschaft erlebt, mit der Lebenserfahrung Muhammads zu vergleichen. Am Ende jedoch konnte Muhammad, nachdem er nach Medina ausgewandert war, triumphierend nach Mekka zurückkehren und die meisten Mekkane nahmen den neuen Glauben, den Islam, an.

Abu Talha al-Almani hat das oben beschriebene Nasheed auf den deutschen Kontext umgedichtet. So geht er zum Beispiel auf in Deutschland in Haft sitzende Gefangene eine, die wegen der Finanzierung terroristischer Vereinigungen oder der Durchführung eines Anschlags verurteilt wurden.

Im folgenden werde ich Passagen des Textes wiedergeben und mit einigen Kommentaren versehen. Zu Beginn weißt Abu Talha darauf hin, dass seiner Meinung nach die islamische Gemeinschaft in Not sei und er geht auf das Thema muslimischer Gefangener ein, die wegen Terrorismus verdacht in Haft sind. Dieses Thema beschäftigt ihn schon länger und er ist der Meinung, dass sie dafür nicht verurteilt werden können, da sie nur ihre Religion praktizieren würden.

“Ghuraba, wir sind die Fremden, ob lebendig oder tot

Ghuraba, wir sind die Fremden , unsere Ummah ist in Not

In den Zellen sind Gefangene, überall auf dieser Welt

es Sind Jundullahs Söhne und sie werden dort gequält”

Als erstes Beispiel für eine Gefangene, nennt er Aafia Saddiqui. Sie ist eine pakistanische Neurowissenschaftlerin, die im Februar 2010 wegen vermutlichen Mordes an einem US Solaten verurteilt wurde. In jihadistischen Kreisen ist sie sehr bekannt, so existiert ein Video Ayman al-Zawahiris über sie. Zu dem stellt er die rhetorische Frage, was sie machen sollten für die Gefangenen.

“Ghuraba, Aafia Siddiqiui, wir schließen dich in unsere Duwa

Ghuraba, allen Naseer bleibe Standhaft für Allah

In den Zellen sind Gefangene, überall auf dieser Welt

es Sind Jundullahs Gefangne und sie werden dort gequält

Was sollen wir machen? Sollen wir schweigen oder stehen wir für sie auf?

Ghuraba, wir sind die Fremden und wir geben niemals auf”

Im nächsten Abschnitt geht er auf zwei in Deutschland in Haft sitzende Musliminnen ein. Über beide sind auf Abu Talhas Hompage bereits Texte veröffentlicht worden. Aber besonders über Umm Sayfillah al-Ansaraiyyah gibt es dort reichlich Material. Sie ist die Frau eines der so genannten Sauerland Attentäter und sitzt wegen der Finanzierung einer terroristischen Vereinigung in Haft. Auf der Hompage Ansar ul-Aseer und auf YouTube werden in regelmäßigen Abständen Briefe und Statements von ihr veröffentlicht. Nach dem diese vorgelesen wurden nimmt zum Beispiel noch Abu Usama al-Gharib dazu Stellung. Es tauchten in letzter Zeit auch häufiger Gedichte auf YouTube auf, die angeblich von Umm Sayfillah stammen sollen.

“Ghuraba, ya Umm Ubayda bleibe stark, hör’ auf zu weinen

Ghuraba Um Syfillah auch für dich sind wir am weinen

In den Zellen sind Gefangene überall auf dieser Welt

Es Sind Jundullahs Schwestern und sie werden dort gequält

Könnt ihr hören wie sie dort schreien, oder sind die Herzen tot

Heute sind es die Geschwister, morgen seit ihr schon in Not”

Er geht auch wie schon in seinem letzten Nasheed, dass über die oben genannte Umm Sayfillah handelte (siehe hier: Schwester bleibe Standhaft) auch dieses mal wieder Ari U. ein, der das Attentat am Franfurter Flughafen, bei dem zwei US Solaten starben, im März 2011 verübte. Als letztes geht er auf die “Geschwister”, die die “Zeichnen leugnen” würden. Damit ist die Mehrheit der deutschen Muslime gemeint, die dem jihadistischen Gedankengut nichts anfangen können. Aus Sicht u.a. von Abu Talha sie sie allerdings nur nicht in der Lage den Koran bzw. die religiösen Quellen richtig zu deuten.

“Und versucht es nicht zu verleugnen, denn die Verse sie sind klar

Denn die Gläubigen sind Geschwister, so sagt es doch Allah

Ghuraba 4x

Ghuraba, ya Arid Uka, ya Mujahid mach Duwa

Für uns hier draußen und für unsere Shuhada

Unsere Geschwister leugnen die Wahrheit, doch die Zeichen sie sind klar

Allah verschleierte ihre Augen, darum nennen sie uns die Ghurabah”

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Al-Qaedas Statement zur Nachfolge b. Ladens

Am Donnerstag wurde, was bereits viele vermutet hatten, Ayman al-Zawahiri zum neuen Amir von al-Qaeda ernannt . Bis zum Tode Usama b. Ladens vor sechs Wochen war al-Zawahiri, dessen Stellvertreter. In der Zwischenzeit wurde Sayf al-Adel zum interims Chef ernannt.

Im folgenden werde ich die meiner Meinung nach wichtigsten Punkte des Schreibens kurz zusammenfassen. Es wurde am Donnerstag Morgen in den einschlägigen Foren veröffentlicht und ist drei Seiten lang.

Das Schreiben beginnt wie üblich mit einem Koranvers und einem Hadith und leitet dann zum eigentlichen Thema über. Sie hätten “mit zufriedenem Herzen” vom Tod ihres Anführers Usama b. Laden erfahren und bitten Gott gnädig mit ihm zu sein.

Der Jihad, sei eine allgemeine Pflicht, für jeden Muslim, bis zum jüngsten Tag. Er müsse gegen die Ungläubigen, die in die muslimischen Länder eingefallen seien und gegen die arabischen Despoten, geführt werden, die nicht nach der Scharia’ regieren würden. So sollte der Weg des Jihad fortgesetzt werden, “für die Muslime und die Unterdrückten.”

Nach dieser Feststellung, kommt der wichtigste Satz des Statments. Nämlich, dass sich die Führung (القيادة العامة) nach Beendigung der Beratung darauf geeinigt hätte Ayman al-Zawahiri  zum neuen Amir zu ernennen.

Im weiteren Verlauf des Schreibens, wolle die Führung von al-Qaeda noch einige prinzipielle Sachverhalte darlegen und erläutern. Als erstes versuchen sie ihre Ideologie in den Kontext der klassischen sunnitischen Orthodoxie zu stellen. In dem sie erklären, sie würden mit dem Koran und der Tradition des Propheten “handeln” und dies verkünden. Zu dem würden sie dem Beispiel des Propheten Muhammad und seiner Gefährten folgen. In dieser Liste werden alle wichtigen Gruppen innerhalb der sunnitischen Orthodoxie aufgezhlt.

Als zweites wollen sie zur “wahren Religion” aufrufen und sie fordern die islamische Gemeinschaft (Umma) dazu auf am Jihad gegen die “ungläubigen Angreifer” teilzunehmen, den sie als allgemeine Pflicht ansehen. Die Angreifer würden von “Amerika und dessen Stieftochter Israel” angeführt. Dann folgt ein Koranvers:

“O ihr, die ihr glaubt, kämpft gegen jene, die euch nahe sind unter den Ungläubigen und lasst sie euch hart vorfinden; und wisst, dass Allah mit den Gottesfürchtigen ist.” 9,123

Im dritten Punkt, versichern sie denjenigen, die den kriegerischen Jihad ausführen würden, ihre Zustimmung und Unterstützung zu. Denn al-Qaeda würde keinen Unterschied machen, zwischen Nationalitäten, schließlich seien alle islamischen Länder ihre Heimat und alle Muslime ihre Brüder. So würden sie nicht zwischen einem Araber und einem Fremden unterscheiden, außer in der Frömmigkeit und der Rechtschaffenheit. Hierbei kommt mir in den Sinn, dass es wohl recht häufig Streit gegeben haben soll, zwischen den Ägyptern um al-Zawahiri und den Saudis um b. Laden.

Desweiteren, versichert al-Qaeda den Palästinensern ihre Unterstützung. Sie lehnen alle möglichen Verträge ab, in denen ein Zentimeter palästinensischen Landes an Israel fallen würde. Außerdem wolllen sie Rache üben.

“Blut für Blut und Zerstörung für Zerstörung – bei Gott wir werden euch nicht enttäuschen – bis der Sieg erreicht ist, oder wir das Schicksal von Hamza b. Abdulmutaleb erreicht haben”

Ebenso versichern sie ihren Geschwistern in Afghanistan ihre Unterstützung und stellen sich dort unter die Führung von Mullah Omar. Es folgt eine Aufzählung von Ländern, mit deren Mujahideen sie zusammenarbeiten und die sie unterstützen wollen. Darauf folgt erneut ein Koranvers.

Viertens bitten sie Gott um Hilfe, dass ihre Gefangen (“Löwen in Ketten”) schnell wieder frei kommen mögen. Zu dem beteuern sie, dass sie ihre Gefangenen nicht vergessen hätten, wie zum Beispiel Omar Abdulrahman.

Im fünften Punkt, begrüßen sie die stattfinden Revolutionen im Nahen Osten. Sie fordern die Demonstranten auf, so lange weiter zu machen, bis die Regime, die vom Westen installiert worden seien, stürzen und ein kompletter Wechsel vollzogen werden könne. Dieser sei natürlich nur möglich, wenn die islamische Gemeinschaft zum von Gott gegebenen Gesetz, der Scharia, zurückkehre.

Als sechstes und siebtes rufen sie zu einer Zusammenarbeit, zwischen al-Qaeda und allen anderen Gruppen auf, die den Islam unterstützen würden. Dieser Zusammenschluss müsse das Ziel haben, die islamischen Länder von der Besatzung des Westens zu befreien. Zu dem würde ihr Islam Ungerechtigkeit verbieten, sowohl gegen Muslime, als auch gegen alle anderen. So habe ihr Jihad gegen Amerika nur das Ziel die Unterdrückten zu befreien.

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Al-Wala’ wa-l-Bara’ – IV – Ayman al-Zawahiris Biographie

Heute ist Ayman al-Zawahiri auch vielen Leuten bekannt, die sich nicht näher für das Thema Jihadismus interessieren. Vor allem durch seine Videobotschaften, die auch in den deutschen Nachrichten des öfteren Erwähnung finden.

In diesem Post möchte ich zunächst einmal die Biographie von Ayman al-Zawahiri vorstellen und durch sie einen Paradigmenwechsel verdeutlichen, der meiner Meinung nach der wichtigste Schritt hin zum Jihadismus alá al-Qaeda, wie wir ihn heute kennen, war. In den darauf folgenden Post werde ich jeweils stückweise meine kommentierte Übersetzung von “al-Wala’ wa-l-Bara’ Ein vergessener Glaube und verlorene Tatsachen” – ein 30 Seiten Text von Ayman al-Zawahiri – online stellen.

Ayman al-Zawahiri wurde 1951 in Ma’adi, einem Vorort von Kairo, in eine unter anderem für ihre Religiosität bekannte Familie geboren. Aus ihr gingen viele Gelehrte der al-Azhar hervor aber ebenso auch viele Politiker. So unterschied sich die Familie von Zawahiri auch stark von der restlichen, sehr stark am Westen orientierten Oberschicht Kairos. Sie lebten auf eine sehr fromme Art und Weise und stellten ihren Reichtum nicht zur Schau, wie es Gang und Gebe zu dieser Zeit war. Dadurch lässt sich auch gut erklären, dass Ayman al-Zawahiri bereits in jungen Jahren als ein sehr religiöses und politisch sensibilisiertes Kind in Erscheinung trat.

Durch die Exekution von Sayyid Qutb im Jahr 1966 änderte sich die Einstellung der islamistischen Bewegung Ägyptens schlagartig und das hatte auch großen Einfluss auf ihre zukünftige Ideologie, die maßgeblich von ‘Abd al-Salam Faraj und Ayman al-Zawahiri geprägt werden sollte.

Es ist somit bestimmt auch kein Zufall, dass Zawahiri im selben Jahr, im Alter von 15 Jahre, seine erste „Untergrundzelle“ an seiner Schule gründete und sich das, zu dieser Zeit wohl doch vermessene Ziel setzte, die ägyptische Regierung zu stürzen.

Das Sayyid Qutb ihn, sowie die ägyptische islamistische Bewegung im allgemeinen, sehr beeinflusste schrieb Ayman al-Zawahiri in seinem im Dezember 2001 veröffentlichten Buch „Ritter unter dem Banner des Propheten“. In dem er sogar ein gesamtes Kapitel über Sayyid Qutbs Ideologie schrieb.

Für Ayman al-Zawahiri sind wohl zwei Schlagwörter aus Qutbs Ideologie am wichtigsten: Ğāhiliyya und Hakimiyyah.

Ğāhiliyya bezeichnet im Arabischen die vor-islamische Zeit, in der die Menschen noch in Unwissenheit lebten, da sie die Lehre des Islam noch nicht kannten. Qutb dagegen verwendet die Interpretation des pakistanischen Gelehrten Maududi, der den Begriff auf seine Zeit ausdehnt und der Meinung ist, dass auch noch seine Zeitgenossen, die nicht nach dem islamischen Recht leben, noch in der Epoche der Ğāhiliyya sind. Diese gilt ebenso für Staaten die nicht nach dem wahren islamischen Recht beherrscht werden. Qutb kam mit den Schriften von Maududi durch Übersetzungen seines Schülers Nadwi in Kontakt, denn er wohl im Jahr 1951 bei der Hajj traf.

Ḥākimiyya ist das Konzept, dass Qutb der Ğāhiliyya seiner Zeit entgegenstellt. Es bezeichnet die wahre Herrschaft Allahs. Nur die Herrschaft ist legitim, die Allah als den einzigen Souverän anerkennt und die sich nur nach seinen, in Koran und Sunna offenbarten, Gesetzen richtet.

Während der Regierungszeit von Sadat kamen viele unter Nasser verhaftete Islamisten wieder frei und sorgten somit auch für ein wachsen und erblühen der Islamistischen Bewegungen Ägyptens. Diese findet sozusagen ihren Höhepunkt mit der Vereinigung der Gama’a Islamiyya und der Ğihād Gruppe unter der Leitung von Faraj, der auch Zawahiri angehört und in der er keine unwichtige Rolle spielte.

Dabei treffen zwei Gruppierungen aufeinander, die völlig diametrale Ansätze haben. Zum einen die Gama’a Islamiyya unter der Leitung von Karam Sohdis, die eine islamistische Massenbewegung ist, mit ihren Zentren vor allem in Oberägypten sowie der Ğihād Bewegung von Faraj, die sich im Gegensatz zur Gama’a Islamiyya, als eine revolutionäre Avantgarde, im leniistischen Sinn, versteht. Der „Chef-Ideologe“ dieses Zusammenschlusses ist Scheikh ‘Abd al-Rahman, der vielen wahrscheinlich als der blinde Scheikh bekannt ist – vor allem durch seine Verstrickungen in den Anschlag auf das World Trade Center von 1993.

Diese Koalition verübte im Oktober 1981 dann auch das Attentat auf den ägyptischen Präsidenten Sadat, in der Hoffnung, dass es ausreichen würde nur den Präsidenten zu töten, um Ägypten in einen in ihrem Sinne wahren islamischen Staat zu verwandeln. In der darauf folgenden Jagd des ägyptischen Staates auf die Islamisten wurde Ayman al-Zawahiri verhaftet und wohl auch gefoltert. Dieses Erlebnisse brachte ihn seinem geistigen Vorbild Sayyid Qutb noch näher. In den Prozessen wird Zawahiri zum Sprecher der Gefangenen. Während des Prozesses richtet er sich mit einer Rede an die anwesenden Journalisten:

“Wir wollen uns nun an die ganze Welt wenden. Wer sind wir? Warum haben sie und hierhin gebracht und was wollen wir verkünden? Ersten, wird sind Muslime! Muslime, die an ihre Religion glauben, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Deshalb haben wir alles unternommen, was in unserer Macht steht, um einen islamischen Staat zu errichten. […] Wir sind die wahrhafte islamische Opposition gegen den Zionismus, Kommunismus und Imperialismus. Zweitens, sie haben uns angeklagt, weil sie versuchen die islamische Bewegung zu vernichten und als Vorbereitung der zionistischen Unterwanderung”

Kurz nach seiner Freilassung verlässt Zawahiri Ägypten in Richtung Saudi Arabien um in einem Krankenhaus zu arbeiten. Er Verließ Ägypten wohl auch um einer drohenden Verfolgung durch den ägyptischen Staat zu entgehen. 1985 ging er dann von Saudi Arabien nach Afghanistan, wo er bereits 1980/81 für sechs Monate als Arzt tätig war. Nach seiner Ankunft in Peshawar macht er aber keine Anzeichen sich Abdallah Azzam anzuschließen, der damals wohl so etwas wie die Vater Figur der Mujahideen war. Anstatt dessen sucht Zawahiri die Nähe zu einem damals noch vollkommen unbekannten Usama b. Laden. Sein Interesse dürft wohl rein finanziell gewesen sein um mit den Mittel des reichen Saudis, den Ğihād seiner Gruppe in Ägypten zu finanzieren. Um dies zu erreichen, unternimmt Zawahiri auch diverse Versuche Usama b. Laden dem Einfluss von Azzam zu entziehen. Dem liegt ein Streit über die grundlegende Ausrichtung der globalen Ğihād Bewegung zu Grunde, nämlich ob zunächst der nahe Feind (die arabischen Regime) oder der ferne Feind (vor allem Amerika und Israel) bekämpft werden soll. Diese ideologische Auseinandersetzung innerhalb der gesamten Bewegung trat mit dem Ende des sowjetischen Ğihād in den Vordergrund der Diskussion und sollte ihn auch die kompletten 90er Jahre beherrschen.

Mit der Besetzung Kuwaits durch den Irak und dem saudischen Hilferuf and USA, die vorher ein Angebot von Usama b. Laden, bei der Verteidigung Saudi Arabiens zu helfen, ausgeschlagen haben, werden die ideologischen Differenzen zwischen b. Laden und Zawahiri immer größer. Usama b. Laden hat als Hauptziel die Vertreibung der Amerikaner von der Arabischen Halbinsel – er bevorzugt den fernen Feind. Zawahiri hingegen hat als sein Hauptziel die Errichtung eines islamischen Staates in Ägypten. Denn seiner Meinung nach „führe der Weg nach al-Quds über Kairo“.

Da Afghanistan immer mehr im Chaos versinkt reisen b. Laden, Zawahiri und ihre Begleiter 1992 in den Sudan. Dessen geographische Nähe zu seinem Heimatland, nutzt Zawahiri um die ägyptische Ğihād Bewegung neu zu formieren, dabei plagen ihn wohl hauptsächlich Geld sorgen.

Ein Jahr später veranlasst er einige terroristische Operationen in Ägypten, die in Konkurrenz zur Gama’a Islamiyya gesehen werden müssen, die zur selben Zeit eine gewaltsame Kampagne gegen die Regierung in Kairo führte. Beiden kann der ägyptische Staat allerdings recht erfolgreich, durch eine der größten Verhaftungswellen seit Sadats Ermordung, begegnen. Dadurch gezwungen, kooperieren beide Gruppierungen bei der Planung und Durchführung eines Anschlags auf den ägyptischen Präsidenten, Hosni Mubarak, während seines Besuches in Addis Abeba, der jedoch fehlschlägt. Für die sich in Ägypten befinden Kader hat das verheerende Auswirkungen. Nach einem „erfolgreichen“ Anschlag auf die ägyptische Botschaft in Islamabad nimmt der Druck der USA und Ägyptens auf den Sudan so stark zu, dass die Islamisten des Landes verwiesen werden und fast alle nach Afghanistan zurückkehren. Für die Ausweisung wird vor allem Hasan at-Turabi, der den Muslimbrüdern nahe stehende islamistische Ideologe, verantwortlich gemacht und nur zu sehr kleinen Stücke Sudans Präsident Omar al-Bashir.

Ayman al-Zawahiris Rückkehr nach Afghanistan und seine erneute Verbrüderung mit Usama b. Laden in Jalalabad, haben auch Auswirkungen aus seine ideologische Ausrichtung. Am 26. Februar 1998 unterzeichnet Zawahiri zusammen mit b. Laden eine Erklärung zur Gründung einer Internationalen islamischen Front für den Ğihād gegen die Juden und Kreuzzügler“. Ebenso stellen beide eine Fatwa aus, die es zur obligatorischen Pflicht eines jeden einzelnen macht, Amerikaner und deren Verbündeten zu ermorden. Hier mit hat Zawahiri den Schritt gemacht, dass der Ferne Feind für ihn die höchste Priorität hat. Damit wendet er sich auch vom Revolutions Modell seiner eignen Ğihād Bewegung ab, weshalb es später zum Zerwürfnis kommt. In seinem Werk „Ritter unter dem Banner des Propheten“, dass ab Ende 2001 stückweise in der arabische Zeitung al-Sharq al-Awsat veröffentlicht wird, bemüht er sich um eine religiöse legitimieren einer ausschließlichen Bekämpfung des fernen Feindes.

Ein Jahr später veröffentlicht er ein weiteres Werk, das allerdings sehr stark angelehnt ist an die religiöse Literatur. Dieses Werk heißt “al-Wala’ wa-l-Bara’ Ein vergessener Glaube und verlorene Tatsachen” – dessen Übersetzung ich demnächst hier hoffentlich online stellen kann.

Der Text widmet sich ausschließlich dem Prinzip al-Wala’ wa-l-Bara’, das man gut und gerne als die Basis der neuen Ideologie des Jihadismus sehen kann.

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Al-Wala’ wa-l-Bara’ – Teil 1

In nächster Zeit werde ich hoffentlich genug Zeit finden um hier einiges über al-Wala’ wa-l-Bara’ zu schreiben. Ebendieses Glaubensprinzip erfreut sich zur Zeit unter Anhängern der al-salafiyya al-jihadiyya recht großer Bliebtheit. So wurde vor nicht allzulanger Zeit ein Artikel in einem deutschsprachigem Forum, das sich selbst der Aqeedah al-Salafiyya al-Jihadiyya verpflichtet, darüber publiziert. Als Autoren geben sich die Deutschen Taliban Mujahedin aus, die ebenfalls einen Artikel über die Zulassigkeit von Märtyrer Operationen, veröffentlichten.

Die Bedeutung von al-Wala’ wa-Bara’ in der heutigen salafitischen Jihadbewegung  geht vorallem auf Abu Muhammad al-Maqdisi zurück, der dies in seinem Buch  Milat Ibrahim genauer darlegt. Man könnte soger für die Gruppen, die den “fernen Feind” bekämpfen sagen, dass al-Wala’ wa-l-Bara’ die selbe Bedeutung hat, wie al-Hakimiyya (die Souveränität Gottes die auf Sayyid Qutb zurückgeht) für die Gruppierungen, die den “nahen Feind” bekämpfen. Dieser Paradigmenwechsel schlägt sich in Ayman al-Zawahiris Buch Die Treue und der Bruch nieder.

Es ist schwer das salafistische Glaubensprinzip al-Wala wa-l-Bara’ wirklich gut zuübersetzen. Meist wird es mit Loyalität und Ablehnung (Nichtanerkennung) übersetzt. Dieses Prinzip teilt die Welt in zwei Sphären auf. Zum einen in die gute  Sphäre des Islams, der gegenüber man loyal sein muss und in den Rest der Welt die man ablehnen muss.

Geschichtliche Entwicklung

Das Wort Bara’ ist bereits in vorislamischer Zeit Bekannt und meint im tribalen Kontext die Abgrenzung gegenüber verfeindeten Stämmen oder den Ausschluß eines einzelnen um den gesamten Stamm vor Unheil zu beschützen.

Mit dem Aufkommen des Islams wurde der Begriff verwendet um Bündnisse mit Nicht-Muslimen, die vor dem Aufkommen des Islams geschlossen wurden, zu wiederrufen. Die erste islamische Gruppierung die al-Wala’ wa-l-Bara’ als Doktrin verwendeten waren die Kharijiten, nachdem sie den Schiedsschluss zwischen ‘Ali und Mu’awiyya ablehnten. Sie benutzen es um für eine große Loyalität innerhalb ihrer Gruppe zu sorgen und sich von allen anderen deutlich abzugrenzen. Die Ibaditen, die sich von ihnen abspalteten, fügten noch einen dritten Zustand zu dieser Doktrin hinzu, welcher in der Mitter dieser beiden steht.

Die größte Gruppe innerhalb des Frühislams, die diese Doktrin aufnahm, war die Shi’a. Wala’ stand für die größt mögliche Loyalität gegenüber ‘Ali, Hassan, Hussein und deren Nachkommen und Bara’ bezeichnete die negative Einstellung gegenüber den ersten drei rechtgeleiteten Kalifen und ihren Nachfolgern.

Zur selben Zeit waren allen sunnitischen Äußerung zu diesem Thema negativer Natur. So bezzeichnete z.B. Ahmad b. Hanbal diese Doktrin als Bida’ (Neuerung) und sie wurde immer in Zusammenhang mit der Shi’a gebracht. Der “Erz-Hanbalit” Ibn Taymiyya, der u.a. für seinen Hass auf die Shi’a bekannt ist, verwendete als erster Sunnit die Formel von al-Wala’ wa-l-Bara’, zwar nicht wörtlich aber dem Sinn nach. Er sieht es eben nicht mehr als  Bida’ sondern sieht in ihm ein Mittel Muslime von unislamischen Handlungen abzuhalten also gegen ebend dieses.

Der Enkel des hanbalitischen Reformers Muhammad b. ‘Abd al-Wahhab, Sulayman  b. ‘Abdallah Al al-Shaykh entwickelte das Prinzip von einem Mittel im Kampf gegen Bida’ zu einem Werkzeug gegen den Kufr (Unglauben) wodurch es zur Probe für  den “wahren Glauben” eines jeden Muslim wurde, denn laut Sulayman muss jeder Muslim nur Gott verpflichtet sein und wenn er dies nicht ist, so ist er ein Kafir. Für ihn gibt es in dieser Regel keine Ausnahme, noch nichtmal für diejenigen, die zu einer unislamischen Handlungen gezwungen wurden.

Die nächste Entwicklungsstufe nimmt der hanbalitische Gelehrte ‘Ali b. ‘Atiq, der das Prinzip von al-Wala’ wa-l-Bara’ mit der Grundlage des Islams, nämlich dem Tawhid (Einheit Gottes), verbindet. Bei wandelt sich auch die Gewichtung von der Missbillung falscher Loyalität hin zu einer wirklichen Abschottung von allem unislamischen.

Der erste, der al-Wala wa-l-Bara’ in einem politischen Sinne interpretierte war Juhayman al-‘Utaybi, er setzte es gegen das saudische Königshaus ein und war auch der erste der diese Formulierung wörtlich benutzte. Laut ihm wurde den Muslimen die Religion Abrahams gegeben, die darauf basiert nur Gott allein anzubeten und jeglichen Shirk (Polytheismus) abzulehnen. Um sicher zu sein, dass jemand der Religion Abrahams folgt muss er drei Phasen durchschreiten. Erstens die Ablehnung des Shirk, zweitens die Emigration (Hijra)  zu einem Ort, in dem man in Sicherheit Tawhid praktizieren kann und drittens den Kampf gegen die Mushrikun, welcher bei ihm wohl die versuchte Eroberung der Moschee von Mekka war.

Demnächst werde ich noch etwas  über al-Wala’ wa-l-Bara’ bei al-Maqdisi und Zawahiri schreiben sowie über den Artikel der bei Elif Medya veröffentlicht wurde.

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