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IMU – Abschiedsbrief

So jetzt will ich, wie gestern angekündigt, etwas über den zweiten Teil des letzten Statements der Chouka Brüder schreiben.

Der zweite Teil ist ein Abschiedsbrief einer deutschen Muslimin an ihre Eltern. Der Brief ist auf den 05. August 2008 datiert und ist abfotografiert worden und dann in die PDF Datei eingefügt worden.

Der Brief fängt mit drei Koranzitaten an, aus denen so die Verfasserin des Briefes, soll hervorgehen, dass der Mensch von Gott nur geschaffen wurde um ihm zu dienen. Der Mensch sei der Statthalter (Khalifa) Gottes auf Erden und damit er überhaupt dieser Aufgabe gewachsen sei, bekam er eine vollkommene Religion, die ihn auf diesem Weg rechtleiten solle. Das Problem, dass sich nun jedem Muslim stellen würde, sei, dass fast alle in einem Land leben würden,  in dem nicht die islamischen Gesetze gelten würden. Aber jeder Muslim sei ja eben, wie oben erwähnt, dazu verpflichtet sein Leben nach diesen auszurichten und in ein Land auszuwandern, dass nur nach diesen regiert wird.

“Nun darf der Gottergebene sich nicht damit zufrieden geben, dass eine andere Gesetzgebung als die seines Schöpfer herrscht. Heutzutage findet man nur minimal Orte, in denen nicht ALLAHs Gesetze den Staatsgesetzen untergeordnet werden.

Der Muslim ist sogar dazu verpflichtet, in einem Staat zu leben, in dem ALLAHs Gesetze im Ganzen als Oberstes herrscht. Wenn dieser vorhanden ist, so ist er dazu verpflichtet dorthin auszuwandern. Wenn dies nicht der Fall ist, dafür zu kämpfen, bis dieser steht und er seiner Aufgabe Allah gegenüber als Sein Statthalter auf Erden gerecht werden kann.

Interessant finde ich in diesem Abschnitt besonders, dass die Verfasserin immer von Staaten redet und kein einziges mal die muslimische Gemeinschaft genannt wird. Im folgenden Abschnitt schriebt sie, dass die Lage in den “besetzen Ländern” von den Medien völlig falsch dargestellt werde und in wirklich viel besser sei. Schließlich würdet dort ein “normales Leben” stattfinden.

Als nächstes geht sie darauf ein, dass der bewaffnete Kampf, im Verteidigungsfall, den Muslimen vorgeschrieben sei, Abu Ibraheem geht darauf ebenfalls ein. Zunächst sei dies nur die Pflicht der angegriffenen muslimischen Gemeinschaft, aber wenn diese Hilfe bräuchte, so müssten zunächst die Nachbarländer zu Hilfe eilen und  am Ende müssten alle Muslime bereit sein in den Kampf zu ziehen. Für diese Meinung, die man durchaus als Mainstream-Meinung bezeichnen kann, führt sie noch einige Koranzitate an (22,78; 8,39 u 65; 9,41).

“Die Realität zeigt, dass die Anführer des Unheils und des Unglaubens, die Amerikaner und jeder, der sich auf ihre Seite gestellt hat, täglich die Muslime weltweit bekämpft. Dies in Somalia, Afghanistan, im Iraq, in Tschetschenien, in Kaschmir, in Palästina usw… Das Kämpfen in diesen Ländern ist nicht nur Pflicht, sondern gleichzeitig die höchste Form des Gottesdienstes.

Denn Allah sagt in Sure 61, Aya 10 bis 12: “O die ihr glaubt, soll ich euch auf einen Handel hinweisen, der euch vor schmerzlicher Strafe rettet? Ihr sollt an ALLAH und SEINEN Gesandten glauben und auf ALLAHS Weg mit eurem Besitz und eurer eigenen Person kämpfen; das ist besser für euch, wenn ihr nur wisst – dann wird ER euch eure Sünden vergeben und euch eingehen lassen in […] den Garten Eden. Das ist der großartige Erfolg””

Wichtig sei für jeden Muslim eben nicht die Pflichten zu erfüllen, die einem leichtfallen würden zu befolgen. Denn so laufe man Gefahr ein Heuchler zu werden und damit wäre man eben nicht mehr gottergeben in seinem Handeln.

Der nächste Teil ist zensiert.

Als nächstes Thema greif sie die Prädestination auf. Zum einen sei der Zeitpunkt des Todes  vorbestimmt und dem könne man auch nicht entkommen dies begründet sie mit Sure 3,154. Zum anderen müsse man an das Vorherbestimmt glauben, das allerdings durch Bittgebete noch geändert werden könne, so versteht sie ein Hadith, das sie an dieser Stelle zitiert

Ihren Brief beendet sie mit einem Bittgebet , dass dem Propheten Muhammad zugeschrieben wird:

“O Allah, leite mich recht mit denen, die DU rechtgeleitet hast. Vergib mir mit denjenigen, denen DU vergeben hast. Nehme mich in DEINE Obhut mit denen, die DU in DEINE Obhut genommen hast. Segne mich in dem, was DU gegeben hast. Schütze mich vor dem Übel dessen, was Du vorbestimmt hast, denn DU bestimmst und niemand bestimmt über DICH. Denn derjenige, den Du in Schutz nimmst, wird nicht erniedrigt. Segensreich bist DU, unser Herr und erhaben.”

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Al-Wala’ wa-l-Bara’ – IV – Ayman al-Zawahiris Biographie

Heute ist Ayman al-Zawahiri auch vielen Leuten bekannt, die sich nicht näher für das Thema Jihadismus interessieren. Vor allem durch seine Videobotschaften, die auch in den deutschen Nachrichten des öfteren Erwähnung finden.

In diesem Post möchte ich zunächst einmal die Biographie von Ayman al-Zawahiri vorstellen und durch sie einen Paradigmenwechsel verdeutlichen, der meiner Meinung nach der wichtigste Schritt hin zum Jihadismus alá al-Qaeda, wie wir ihn heute kennen, war. In den darauf folgenden Post werde ich jeweils stückweise meine kommentierte Übersetzung von “al-Wala’ wa-l-Bara’ Ein vergessener Glaube und verlorene Tatsachen” – ein 30 Seiten Text von Ayman al-Zawahiri – online stellen.

Ayman al-Zawahiri wurde 1951 in Ma’adi, einem Vorort von Kairo, in eine unter anderem für ihre Religiosität bekannte Familie geboren. Aus ihr gingen viele Gelehrte der al-Azhar hervor aber ebenso auch viele Politiker. So unterschied sich die Familie von Zawahiri auch stark von der restlichen, sehr stark am Westen orientierten Oberschicht Kairos. Sie lebten auf eine sehr fromme Art und Weise und stellten ihren Reichtum nicht zur Schau, wie es Gang und Gebe zu dieser Zeit war. Dadurch lässt sich auch gut erklären, dass Ayman al-Zawahiri bereits in jungen Jahren als ein sehr religiöses und politisch sensibilisiertes Kind in Erscheinung trat.

Durch die Exekution von Sayyid Qutb im Jahr 1966 änderte sich die Einstellung der islamistischen Bewegung Ägyptens schlagartig und das hatte auch großen Einfluss auf ihre zukünftige Ideologie, die maßgeblich von ‘Abd al-Salam Faraj und Ayman al-Zawahiri geprägt werden sollte.

Es ist somit bestimmt auch kein Zufall, dass Zawahiri im selben Jahr, im Alter von 15 Jahre, seine erste „Untergrundzelle“ an seiner Schule gründete und sich das, zu dieser Zeit wohl doch vermessene Ziel setzte, die ägyptische Regierung zu stürzen.

Das Sayyid Qutb ihn, sowie die ägyptische islamistische Bewegung im allgemeinen, sehr beeinflusste schrieb Ayman al-Zawahiri in seinem im Dezember 2001 veröffentlichten Buch „Ritter unter dem Banner des Propheten“. In dem er sogar ein gesamtes Kapitel über Sayyid Qutbs Ideologie schrieb.

Für Ayman al-Zawahiri sind wohl zwei Schlagwörter aus Qutbs Ideologie am wichtigsten: Ğāhiliyya und Hakimiyyah.

Ğāhiliyya bezeichnet im Arabischen die vor-islamische Zeit, in der die Menschen noch in Unwissenheit lebten, da sie die Lehre des Islam noch nicht kannten. Qutb dagegen verwendet die Interpretation des pakistanischen Gelehrten Maududi, der den Begriff auf seine Zeit ausdehnt und der Meinung ist, dass auch noch seine Zeitgenossen, die nicht nach dem islamischen Recht leben, noch in der Epoche der Ğāhiliyya sind. Diese gilt ebenso für Staaten die nicht nach dem wahren islamischen Recht beherrscht werden. Qutb kam mit den Schriften von Maududi durch Übersetzungen seines Schülers Nadwi in Kontakt, denn er wohl im Jahr 1951 bei der Hajj traf.

Ḥākimiyya ist das Konzept, dass Qutb der Ğāhiliyya seiner Zeit entgegenstellt. Es bezeichnet die wahre Herrschaft Allahs. Nur die Herrschaft ist legitim, die Allah als den einzigen Souverän anerkennt und die sich nur nach seinen, in Koran und Sunna offenbarten, Gesetzen richtet.

Während der Regierungszeit von Sadat kamen viele unter Nasser verhaftete Islamisten wieder frei und sorgten somit auch für ein wachsen und erblühen der Islamistischen Bewegungen Ägyptens. Diese findet sozusagen ihren Höhepunkt mit der Vereinigung der Gama’a Islamiyya und der Ğihād Gruppe unter der Leitung von Faraj, der auch Zawahiri angehört und in der er keine unwichtige Rolle spielte.

Dabei treffen zwei Gruppierungen aufeinander, die völlig diametrale Ansätze haben. Zum einen die Gama’a Islamiyya unter der Leitung von Karam Sohdis, die eine islamistische Massenbewegung ist, mit ihren Zentren vor allem in Oberägypten sowie der Ğihād Bewegung von Faraj, die sich im Gegensatz zur Gama’a Islamiyya, als eine revolutionäre Avantgarde, im leniistischen Sinn, versteht. Der „Chef-Ideologe“ dieses Zusammenschlusses ist Scheikh ‘Abd al-Rahman, der vielen wahrscheinlich als der blinde Scheikh bekannt ist – vor allem durch seine Verstrickungen in den Anschlag auf das World Trade Center von 1993.

Diese Koalition verübte im Oktober 1981 dann auch das Attentat auf den ägyptischen Präsidenten Sadat, in der Hoffnung, dass es ausreichen würde nur den Präsidenten zu töten, um Ägypten in einen in ihrem Sinne wahren islamischen Staat zu verwandeln. In der darauf folgenden Jagd des ägyptischen Staates auf die Islamisten wurde Ayman al-Zawahiri verhaftet und wohl auch gefoltert. Dieses Erlebnisse brachte ihn seinem geistigen Vorbild Sayyid Qutb noch näher. In den Prozessen wird Zawahiri zum Sprecher der Gefangenen. Während des Prozesses richtet er sich mit einer Rede an die anwesenden Journalisten:

“Wir wollen uns nun an die ganze Welt wenden. Wer sind wir? Warum haben sie und hierhin gebracht und was wollen wir verkünden? Ersten, wird sind Muslime! Muslime, die an ihre Religion glauben, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Deshalb haben wir alles unternommen, was in unserer Macht steht, um einen islamischen Staat zu errichten. […] Wir sind die wahrhafte islamische Opposition gegen den Zionismus, Kommunismus und Imperialismus. Zweitens, sie haben uns angeklagt, weil sie versuchen die islamische Bewegung zu vernichten und als Vorbereitung der zionistischen Unterwanderung”

Kurz nach seiner Freilassung verlässt Zawahiri Ägypten in Richtung Saudi Arabien um in einem Krankenhaus zu arbeiten. Er Verließ Ägypten wohl auch um einer drohenden Verfolgung durch den ägyptischen Staat zu entgehen. 1985 ging er dann von Saudi Arabien nach Afghanistan, wo er bereits 1980/81 für sechs Monate als Arzt tätig war. Nach seiner Ankunft in Peshawar macht er aber keine Anzeichen sich Abdallah Azzam anzuschließen, der damals wohl so etwas wie die Vater Figur der Mujahideen war. Anstatt dessen sucht Zawahiri die Nähe zu einem damals noch vollkommen unbekannten Usama b. Laden. Sein Interesse dürft wohl rein finanziell gewesen sein um mit den Mittel des reichen Saudis, den Ğihād seiner Gruppe in Ägypten zu finanzieren. Um dies zu erreichen, unternimmt Zawahiri auch diverse Versuche Usama b. Laden dem Einfluss von Azzam zu entziehen. Dem liegt ein Streit über die grundlegende Ausrichtung der globalen Ğihād Bewegung zu Grunde, nämlich ob zunächst der nahe Feind (die arabischen Regime) oder der ferne Feind (vor allem Amerika und Israel) bekämpft werden soll. Diese ideologische Auseinandersetzung innerhalb der gesamten Bewegung trat mit dem Ende des sowjetischen Ğihād in den Vordergrund der Diskussion und sollte ihn auch die kompletten 90er Jahre beherrschen.

Mit der Besetzung Kuwaits durch den Irak und dem saudischen Hilferuf and USA, die vorher ein Angebot von Usama b. Laden, bei der Verteidigung Saudi Arabiens zu helfen, ausgeschlagen haben, werden die ideologischen Differenzen zwischen b. Laden und Zawahiri immer größer. Usama b. Laden hat als Hauptziel die Vertreibung der Amerikaner von der Arabischen Halbinsel – er bevorzugt den fernen Feind. Zawahiri hingegen hat als sein Hauptziel die Errichtung eines islamischen Staates in Ägypten. Denn seiner Meinung nach „führe der Weg nach al-Quds über Kairo“.

Da Afghanistan immer mehr im Chaos versinkt reisen b. Laden, Zawahiri und ihre Begleiter 1992 in den Sudan. Dessen geographische Nähe zu seinem Heimatland, nutzt Zawahiri um die ägyptische Ğihād Bewegung neu zu formieren, dabei plagen ihn wohl hauptsächlich Geld sorgen.

Ein Jahr später veranlasst er einige terroristische Operationen in Ägypten, die in Konkurrenz zur Gama’a Islamiyya gesehen werden müssen, die zur selben Zeit eine gewaltsame Kampagne gegen die Regierung in Kairo führte. Beiden kann der ägyptische Staat allerdings recht erfolgreich, durch eine der größten Verhaftungswellen seit Sadats Ermordung, begegnen. Dadurch gezwungen, kooperieren beide Gruppierungen bei der Planung und Durchführung eines Anschlags auf den ägyptischen Präsidenten, Hosni Mubarak, während seines Besuches in Addis Abeba, der jedoch fehlschlägt. Für die sich in Ägypten befinden Kader hat das verheerende Auswirkungen. Nach einem „erfolgreichen“ Anschlag auf die ägyptische Botschaft in Islamabad nimmt der Druck der USA und Ägyptens auf den Sudan so stark zu, dass die Islamisten des Landes verwiesen werden und fast alle nach Afghanistan zurückkehren. Für die Ausweisung wird vor allem Hasan at-Turabi, der den Muslimbrüdern nahe stehende islamistische Ideologe, verantwortlich gemacht und nur zu sehr kleinen Stücke Sudans Präsident Omar al-Bashir.

Ayman al-Zawahiris Rückkehr nach Afghanistan und seine erneute Verbrüderung mit Usama b. Laden in Jalalabad, haben auch Auswirkungen aus seine ideologische Ausrichtung. Am 26. Februar 1998 unterzeichnet Zawahiri zusammen mit b. Laden eine Erklärung zur Gründung einer Internationalen islamischen Front für den Ğihād gegen die Juden und Kreuzzügler“. Ebenso stellen beide eine Fatwa aus, die es zur obligatorischen Pflicht eines jeden einzelnen macht, Amerikaner und deren Verbündeten zu ermorden. Hier mit hat Zawahiri den Schritt gemacht, dass der Ferne Feind für ihn die höchste Priorität hat. Damit wendet er sich auch vom Revolutions Modell seiner eignen Ğihād Bewegung ab, weshalb es später zum Zerwürfnis kommt. In seinem Werk „Ritter unter dem Banner des Propheten“, dass ab Ende 2001 stückweise in der arabische Zeitung al-Sharq al-Awsat veröffentlicht wird, bemüht er sich um eine religiöse legitimieren einer ausschließlichen Bekämpfung des fernen Feindes.

Ein Jahr später veröffentlicht er ein weiteres Werk, das allerdings sehr stark angelehnt ist an die religiöse Literatur. Dieses Werk heißt “al-Wala’ wa-l-Bara’ Ein vergessener Glaube und verlorene Tatsachen” – dessen Übersetzung ich demnächst hier hoffentlich online stellen kann.

Der Text widmet sich ausschließlich dem Prinzip al-Wala’ wa-l-Bara’, das man gut und gerne als die Basis der neuen Ideologie des Jihadismus sehen kann.

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