Tag Archives: Jihad

Einige Leseempfehlungen zum Wochenende

In diesem kurzen Post möchte ich einige Artikel empfehlen, die ich zum Verständnis der aktuellen politischen Entwicklungen im Nahen Osten recht hilfreich fand. Bei den anderen werde ich es hoffentlich am Wochenende schaffen sie zu lesen.

Beginnen möchte ich mit einer vor kurzem von der SWP herausgegebenen Studie “Jihadismus und Internet: Eine deutsche Perspektive“. Nach einiger Zeit, die wohl eine Institution wie die SWP, braucht um auf aktuelle Ereignisse zu reagieren, bin ich hoch interessiert die Studie am Wochenende zu lesen, schließlich wurde in den Medien über dieses Thema seit den Ausschreitungen in Bonn und Solingen doch recht ausführlich berichtet.

Zum Thema Syrien kann ich nur eine Report der International Crisis Group empfehlen. “TENTATIVE JIHAD: SYRIA’S FUNDAMENTALIST OPPOSITION“. Er ist zwar recht trocken geschrieben aber dafür sehr informativ und mit das beste was ich über den aktuellen Syrien Konflikt gelesen habe. Für tagesaktuelle Information kann ich den Blog Syria Survey empfehlen.

Bei den andauernden Diskussionen über die Notwendigkeit oder die Möglichkeit einer militärischen Intervention in Syrien ist eine Studie des MIT , vom Juli 2012, sehr interessant: “Safe Havens in Syria: Missions and Requirements for an Air Campaign“.

Durch alle möglichen Medien kreisen immer wieder Meldungen über nicht-syrische Kämpfer unter den syrischen Rebellen und deren mögliche Gefahr für uns im Westen wenn der Konflikt vorbei sein sollte. Dabei weiß meistens keiner wie man die so genannten ‘Foreign Fighter’ definieren soll. Dies hat Thomas Hegghammer vor gut zwei Jahren in einem Artikel versucht, der absolut lesenswert ist: “The Rise of Muslim Foreign Fighters. Islam and the Globalization of Jihad

Zum Schluss möchte ich noch ein Paper des ICSR empfehlen, das erst vor einigen Tagen veröffentlicht wurde: “Al-Qaeda at the Crossroads: How the terror group is responding to the loss of its leaders & the Arab Spring

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IMU – “Tod der Pro-NRW” – Abu Ibraheem al-Almani – Teil I

Eigentlich wollte ich auf meinem Blog nichts über die Auseinandersetzung, in Solingen und Bonn, zwischen Salafisten und den Anhängern von Pro-NRW, schreiben. Da seit gestern Abend allerdings über das am Samstag erschienene Video von Yassin Chouka in fast allen Medien berichtet wird und auch über sehr viele Suchanfragen in diesem Zusammenhang, auf meinen Blog zugegriffen wurde, habe ich mich entschieden nun doch etwas zu der Thematik zu schreiben.

Zunächst werde ich mich mit dem Video (es ist vielmehr eine Audiobotschaft mit einem Hintergrundbild) beschäftigen und genauer auf ihren Inhalt eingehen. Das in der Botschaft zum Mord, als Reaktion auf das Zeigen der Muhammad Karikaturen, aufgerufen wird ist nicht verwunderlich, wenn man die letzten Video- bzw Audiobotschaften der Chouka Brüder kennt. Denn in diesen haben sie bereits offen zu Anschlägen in Deutschland aufgerufen. Somit rufen sie nun “nur” zu Anschlägen gegen eine bestimmte Gruppe auf. Da ich in letzter Zeit einige negative Reaktionen bekommen habe, möchte ich betonen, dass ich die jihadistische Propaganda ablehne und über meinen Blog demjenigen, der an der Materie interessiert ist und sich kritisch mit ihr auseinandersetzen will, die Möglichkeit geben Informationen über die primär Texte zubekommen. Ich verzichte dabei bewusst auf die Links zu den jihadistischen Foren.  Wer sich dennoch die Quellen direkt anschauen will ohne auf eine jihadistische Seite zugelangen kann auf die sehr gute Homepage von Aaron Zelin gehen. Er betreibt den Blog “Jihadology“.

In einem zweiten Blogpost werde ich mich deutschen Salafisten und deren Reaktionen auf die gewaltsamen Auseinandersetzungen, widmen. Insbesondere auf YouTube sind einige Videos aufgetaucht, die ich sehr erschreckend fand. So wird unter anderem die Gewalt der Salafisten als vollkommen legitim eingestuft, da die Polizei es nicht verhindert hätte, dass der Prophet Muhammad durch das Zeigen der Karikaturen beleidigt wird. So wird ebenfalls darauf hingewiesen, welche Reaktionen die Beleidigung des Propheten in der Vergangenheit bereits hervorgerufen hätten. Dabei wird u.a. der Mord an dem niederländischen Regisseur Theo van Gogh, der Mord an zwei US-Soldaten am Frankfurter Flughafen durch Arid U. und die Mordserie von Mohammed Merah in Tolouse genannt (über Mohammed Mera haben die Chouka Brüder auch ein Video gemacht: “Der Ritter von Tolouse”). Diese Verbindungen finde ich erschreckend, zumal sie von in Deutschland lebenden Salafisten kommt, die sich durch die neue Botschaft der Chouka Brüder angesprochen fühlen könnten, da sich das extreme Gedankengut beider sehr nahe zu stehen scheint.

Abu Ibraheem beginnt seine Audiobotschaft, wie es mittlerweile üblich geworden ist, in dem er “seine Geschwister” grüßt.

“meine Speziellen Grüße, hier aus dem Khorassan, gelten heute meinen Geschwistern, den eifersüchtigen Dienern Allahs, aus Solingen und Bonn […]”

Er geht kurz auf die Verteilung der Koranexemplare ein. Dies sei eine Gnade für das deutsche Volk gewesen. Muslime hätten ihre Zeit geopfert um die Barmherzigkeit des Islams zu zeigen.

“Diese Verteilung war Zeichen der Barmherzigkeit, mit der der Islam entsandt wurde und Zeichen der Sorge des Muslims, eine Sorge, die er für seine Mitmenschen trägt, weil es ihn schmerzt, dass die Schätze des Glaubens, die Schätze des Islams, den Menschen verborgen sind.”

Diese Art der Argumentation ist aus vielen Videos oder Texten bekannt, denn für Salafisten kommen alle nicht-Muslime in die Hölle und so würden sie nur aus reiner Nächstenliebe wollen, dass alle zum Islam konvertieren, damit sie davor geschützt sind.

“Zusammengefasst: Unsere Geschwister wollten mit dieser Tat und mit Allahs Hilfe, die Menschen aus der Dunkelheit zum Licht führen […]”

Doch hätten wir Deutsche diesen Aufruf mit Groll auf genommen und ihn sogar als radikal und aggressiv bezeichnet. So hätte die Partei Pro-NRW ihrem Hass auch Taten folgen lassen.

“Sie haben das Maß weit überschritten und ihre Provozierungen brachen das Maß der Geduld und dürfen tatenlos nicht hingenommen werden.

Erneut wurden Karikaturen unseres geliebten Propheten, der uns lieber ist als unsere Eltern, unsere Kinder und lieber als unsere eigenen Seelen […] und es geschah im vollen Bewusstsein, dass es sich um eine Beleidigung handelt”

Abu Ibraheem sei stolz gewesen, als er die Bilder sah, wie die “Feinde Allahs” von seinen “eifersüchtigen Geschwistern” angegriffen wurden. All dies habe er den Mujahideen in Khorassan erzählt.

“Und sie sagten zu mir, ich soll euch von ihnen grüßen und euch sagen, ich soll euch sagen, dass ihr alle töten sollt.”

Im Anschluss gibt er einige Tipps. So hält er es für ratsam wenn die Muslime nicht mehr zu den Veranstaltungen von Pro-NRW gehen würden, denn dort könnten sie von der Polizei verhaftete werden. Denn die Polizei stehe ihnen ebenfalls feindlich gegenüber. Sie müssten ja schließlich auch nicht mehr nachschauen, ob sie die Karikaturen zeigen würden. Denn das haben sie bereits getan und für Abu Ibraheem gibt es laut der “islamischen Scharia'” nur eine Strafe dafür.

Als zweiten ‘Übeltäter’ hat er die Medien ausgemacht, denn die hätten “unter dem Deckmantel der freien Berichterstattung” ebenfalls die Karikaturen gezeigt.

“Der Spiegel, der von den Juden gelenkt wird und andere bekannte deutsche Medienabteilungen, haben unseren Propheten dadurch auch beleidigt. Und auch in diesem Fall sage ich zu euch, lasst eure Eifersucht in einen systematischen Kampf fließen […]”

Die angebliche jüdische Weltverschwörung findet sich immer wieder als Motiv in jihadistischer Propaganda. Deswegen möchte ich kurz auf ein Buch von Carmen Matussek hinweisen: “Der Glaube an eine “jüdische Weltverschwörung”: Die Rezeption der “Protokolle der Weisen von Zion” in der arabischen Welt.”

“Abschließend möchte ich sagen, auch wir, die Mujahadeen in Khorassan, die sich ohnehin schon mit der BRD in einem Kriegsverhältnis befinden, erklären speziell der Pro-NRW den Krieg und haben sie in unsere Kriegsplanung mit aufgenommen. Und so Allah will, werden wir uns an ihnen rächen.”

Dieser Punkt wurde, so wie ich ihn gehört habe, in den Medien teilweise falsch wiedergegeben. Denn dort hörte es sich in dramatischer Weise so an, als ob alle Muslime der BRD den Krieg erklärt haben, bzw erklären sollen. Zu dem ist diese Art der Rhetorik nicht neu, denn man findet sie in einigen der letzten Botschaften der Chouka Brüder.

Den medialen Hype, den diese Audiobotschaft erhalten hat, ist vermutlich dem Umstand der letzten Ereignisse in Bonn und Solingen geschuldet, denn es ist nicht wirklich radikaler oder extremer als die anderen Propagandavideos der beiden Chouka Brüder oder anderer deutscher Jihadisten und diese wurden nur von einigen Zeitungen mit Artikeln bedacht. Dieses neue Video wurde jedoch heute sogar in den Radionachrichten erwähnt.

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Abu Talha al-Almani – “Ghurabah (die Fremden)” – Nasheed

Letze Woche ist auf den diversen YouTube Kanälen, die mit den Gruppierung Salafimedia und Millatu Ibrahim assoziiert sind, ein neues Nasheed von Abu Talha al-Almani (ehemals Deso Dogg bzw. Abou Maleeq) veröffenlicht worden. Es ist eine deutsche Umdichtung des in jihadistischen Kreisen sehr beliebten Nasheeds “Ghurabah” (die Fremden), dieses auf arabisch verfasste Nasheed kann durch aus als eine Art Evergreen betrachtet werden.

In diesem mittlerweile bereits traditionellem Nasheed weren die Muslime als eine Avantgarde dargestellt. Gerade im Kontext der im Westen Lebenden radikalen Muslime, die mit den Inhalten solcher Texte sympathisieren, verdeutlicht der Text, dass sie nicht ein Teil unserer Gesellschaft werden sollten, sondern stolz sein könnten sich in unserer westlichen Gesellschaft eben fremd zu fühlen. Das Gefühl der Fremdheit wird somit im Gedankengut der radikalen Muslime zur Gewissheit sich auf dem “Richtigen Weg” zu befinden.

Bevor ich mich der Umdichtung von Abu Talha al-Almani widme, möchte zum Vergleich die Übersetzung einiger Passagen der arabischen original Nasheeds anführen.

“Ghuraba (die Fremden) 4x

Ghuraba (die Fremden) 4x

Die Fremden beugen ihre Stirn niemandem außerGott (Allah)

Die Fremden haben dies zum Lebensmotto gewäht

Wenn du uns fragst, so kümmern wir uns nicht um die Tyrannen

Wir sind die regulären Soldaten Gottes (Allahs), unser Weg ist ein reservierter Weg

[…] Wir werden uns nie um die Ketten kümmern, sondern immer weiter machen

Wir werden uns nie um die Ketten kümmern, sondern immer weiter machen

Also lasst uns den Jihad machen(نجاهد), die Schlacht schlagen(نناضل) und von neuem kämpfen (نقاتل من جديد)

Die Fremden, so sind sie frei in der unterworfenen (wört. versklavten دنيا العبيد) Welt

[…] Wie oft erinnern wir uns an eine Zeit, in der wir frohen Gemutes waren

Das Buch Gottes (Koran)  rezitierten wir morgens und abends

Der Prophet sagte: Der Islam begann als etwas Fremdes und wird als etwas Fremdes zurückkehren, so wie er begann. Reue (Taubah) für die Fremden.”

Die angebliche Aussage des Propheten Muhammad, die am Ende des Nasheeds angeführt wird, soll vermutlich auf die Anfangszeit des Islams hinweisen, zu der Muhammad noch in seiner Heimatstadt Mekka lebte und durch sein öffentliches predigen der neuen Religion vielen Anfeindungen ausgesetzt war. Somit wird durch dieses Nasheed versucht, die Situation, die ein radikaler Muslim bzw. Jihadist in unserer heutigen Gesellschaft erlebt, mit der Lebenserfahrung Muhammads zu vergleichen. Am Ende jedoch konnte Muhammad, nachdem er nach Medina ausgewandert war, triumphierend nach Mekka zurückkehren und die meisten Mekkane nahmen den neuen Glauben, den Islam, an.

Abu Talha al-Almani hat das oben beschriebene Nasheed auf den deutschen Kontext umgedichtet. So geht er zum Beispiel auf in Deutschland in Haft sitzende Gefangene eine, die wegen der Finanzierung terroristischer Vereinigungen oder der Durchführung eines Anschlags verurteilt wurden.

Im folgenden werde ich Passagen des Textes wiedergeben und mit einigen Kommentaren versehen. Zu Beginn weißt Abu Talha darauf hin, dass seiner Meinung nach die islamische Gemeinschaft in Not sei und er geht auf das Thema muslimischer Gefangener ein, die wegen Terrorismus verdacht in Haft sind. Dieses Thema beschäftigt ihn schon länger und er ist der Meinung, dass sie dafür nicht verurteilt werden können, da sie nur ihre Religion praktizieren würden.

“Ghuraba, wir sind die Fremden, ob lebendig oder tot

Ghuraba, wir sind die Fremden , unsere Ummah ist in Not

In den Zellen sind Gefangene, überall auf dieser Welt

es Sind Jundullahs Söhne und sie werden dort gequält”

Als erstes Beispiel für eine Gefangene, nennt er Aafia Saddiqui. Sie ist eine pakistanische Neurowissenschaftlerin, die im Februar 2010 wegen vermutlichen Mordes an einem US Solaten verurteilt wurde. In jihadistischen Kreisen ist sie sehr bekannt, so existiert ein Video Ayman al-Zawahiris über sie. Zu dem stellt er die rhetorische Frage, was sie machen sollten für die Gefangenen.

“Ghuraba, Aafia Siddiqiui, wir schließen dich in unsere Duwa

Ghuraba, allen Naseer bleibe Standhaft für Allah

In den Zellen sind Gefangene, überall auf dieser Welt

es Sind Jundullahs Gefangne und sie werden dort gequält

Was sollen wir machen? Sollen wir schweigen oder stehen wir für sie auf?

Ghuraba, wir sind die Fremden und wir geben niemals auf”

Im nächsten Abschnitt geht er auf zwei in Deutschland in Haft sitzende Musliminnen ein. Über beide sind auf Abu Talhas Hompage bereits Texte veröffentlicht worden. Aber besonders über Umm Sayfillah al-Ansaraiyyah gibt es dort reichlich Material. Sie ist die Frau eines der so genannten Sauerland Attentäter und sitzt wegen der Finanzierung einer terroristischen Vereinigung in Haft. Auf der Hompage Ansar ul-Aseer und auf YouTube werden in regelmäßigen Abständen Briefe und Statements von ihr veröffentlicht. Nach dem diese vorgelesen wurden nimmt zum Beispiel noch Abu Usama al-Gharib dazu Stellung. Es tauchten in letzter Zeit auch häufiger Gedichte auf YouTube auf, die angeblich von Umm Sayfillah stammen sollen.

“Ghuraba, ya Umm Ubayda bleibe stark, hör’ auf zu weinen

Ghuraba Um Syfillah auch für dich sind wir am weinen

In den Zellen sind Gefangene überall auf dieser Welt

Es Sind Jundullahs Schwestern und sie werden dort gequält

Könnt ihr hören wie sie dort schreien, oder sind die Herzen tot

Heute sind es die Geschwister, morgen seit ihr schon in Not”

Er geht auch wie schon in seinem letzten Nasheed, dass über die oben genannte Umm Sayfillah handelte (siehe hier: Schwester bleibe Standhaft) auch dieses mal wieder Ari U. ein, der das Attentat am Franfurter Flughafen, bei dem zwei US Solaten starben, im März 2011 verübte. Als letztes geht er auf die “Geschwister”, die die “Zeichnen leugnen” würden. Damit ist die Mehrheit der deutschen Muslime gemeint, die dem jihadistischen Gedankengut nichts anfangen können. Aus Sicht u.a. von Abu Talha sie sie allerdings nur nicht in der Lage den Koran bzw. die religiösen Quellen richtig zu deuten.

“Und versucht es nicht zu verleugnen, denn die Verse sie sind klar

Denn die Gläubigen sind Geschwister, so sagt es doch Allah

Ghuraba 4x

Ghuraba, ya Arid Uka, ya Mujahid mach Duwa

Für uns hier draußen und für unsere Shuhada

Unsere Geschwister leugnen die Wahrheit, doch die Zeichen sie sind klar

Allah verschleierte ihre Augen, darum nennen sie uns die Ghurabah”

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Abu Talha al-Almani (Abu Malik) – “Schwester (Umm Sayfillah al-Ansariyyah) bleibe Standhaft”

Am Freitag ist ein neues Nasheed von Abu Talha al-Almani, den meisten vielleicht noch unter Abu Malik bekannt, auf YouTube veröffentlicht worden. Es trägt den Titel “Schwester bleibe Standhaft”. Wie der Titel bereits vemuten lässt ist es von der Melodie her gleich mit dem Nasheed “Mutter bleibe Standhaft” der Islamischen Bewegung Usbekistans. Der Text wurde zwar von Abu Talha al-Almani an die in Haft sitzende Um Sayfillah al-Ansariyya (Filiz G.) und an andere Muslimische Gefangene angepasst jedoch ist die Grundstruktur des original Textes durchaus noch erkennbar.

Das Thema muslimischer Gefangener Beschäftigt Abu Talha bereits länger. Für ihn sitzen sie zu unrecht im Gefängnis, da sie seiner Meinung nach nur die Pflichten ihrer Religion vollführen würden. So hat er unter anderem letzes Jahr die Hompage “Ansar ul-Aseer” (Helfer der Gefangenen) gegründet. Auf dieser und auf diversen andern Internetseiten war die Haft von Um Sayfillah bereits mehrere Male Thema.

An diesem Nasheed kann man sehr gut sehen, wie die Veröffentlichungen von jihadistischen Gruppen, wie zum Beispiel der IMU, hier in Deutschland von radikalen Salafisten rezipiert werden. Diese Videos, Schriften usw. haben in der Szene auch so einen Bekanntheitsgrad, dass es für die deutschen Gruppierungen wiederum lohnend erscheint sich des bereites existierenden Materials zu bedienen. Man muss bei der Terminologie hier allerdings immer beachten, dass die Begriffe Salafismus und Jihadismus nicht als Synonyme gebraucht werden können. So ist es falsch, wenn der Verfassungschutz Berlin letztes Jahr in einem Bericht über jihadistische Anasheeds schreibt, dass Jugendliche durch diese mit der salafistischen Ideologie indoktriniert würden. Sie werden viel mehr durch Anasheeds, wie die von Abu Talha, mit jihadistischem Gedankengut vertraut gemacht und gewinnen vielleicht auch durch die moderene Aufmachung gewisse Sympathien dafür. In den nächsten Wochen werde ich mich in einem separaten Post mit Anasheeds und der jihadistischen Radikalisierung  beschäftigen.

Noch am selben Abend, an dem das Nasheed bei YouTube eingestellt wurde, erschien eine Version mit englischen Untertiteln. Mittlerweile gibt es auch eine mit Untertiteln auf Urdu. Das passt zu den immer internationaler werdenden Bestrebungen der Gruppe um Abu Talha al-Almani und Abu Usama al-Gharib. So haben sie angekündigt einen YouTube Kanal ihrer Homepage Millat ul-Ibrahim auf Urdu ins Leben zu rufen. Der Trailer für diesen Kanal erschien ebenfalls am Freitag.

In der ersten Strophe des Nasheeds erklärt Abu Talha, dass sie die Lage von Filiz G. zur Kenntnis genommen hätten. Er erkärt unumwunden, dass sie sich im Jahd befinden würden. Gegen wen dieser gerichtet ist, wenn ein Nasheed, von einem in Deutschland lebenden auf deutsch an eine ebenfalls hier im Gefängnis sitzende gerichtet ist, dürfte auf der Hand liegen.

“Schwester bleibe Standhaft, Wir sind im Jihad / Trauer bitte nicht mehr, Denn wir haben dich gehört

Die Umma ist am Schweigen, Doch wir haben dich gehört / Schwester bleibe Standhaft, Denn wir sind im Jihad

Die Umma ist am Schweigen, Doch wir haben dich gehört / Schwester bleibe Standhaft, Denn wir sind im Jihad”

Die nächste Strophe hat in ungefähr den gleichen Tenor. In der dritten Strophe sagt Abu Talha, dass er sich auf den Weg gemacht hätte. Dieses auf den Weg machen, kann, wenn man es etwas plump übertragen will, mit in den Jihad ziehen gleichgestetzt werden –  was auch immer das genau bedeuten mag.

“Mich auf meinen Herrn verlassend, Machte ich mich auf den Weg / Fi-Sabilillah, egal wohin es geht

egal in welche Städte, Der Bundesrepublik / Schwester bleibe Standhaft, Allah verspricht den Sieg

egal in welche Städte, Der Bundesrepublik / Schwester bleibe Standhaft, Allah verspricht den Sieg”

Es folgt eine Beschwerde von Abu Talha, dass von Seite des Deutschen Staates seine Anasheeds und damit einhergehende seine jihadistische Weltanschauung bekämpft wird, wie er es formuliert. Wichtiger ist allerdings, dass er die Bemühung für die Freilassung muslimsicher Gefangener, wie Filiz G. als eine Pflicht darstellt. Über die Erfüllung oder Vernachlässigung dieser Pflicht würden sie am Jüngsten Tag befragt.

“Schwester hörst du nicht, Sie bekämpfen mein Nasheed / Schwester hör die Schreie von Usama al-Gharib

geehrte Schwestern sind gefangen, darüber werden wir befragt / Schwester bleibe Standhaft, Denn wir sind im Jihad

geehrte Schwestern sind gefangen, darüber werden wir befragt / Schwester bleibe Standhaft, Denn wir sind im Jihad”

In der übernächsten Strophe geht er darauf ein, dass ihre Gefangennahme nichts an ihren Zielen und Absichten ändern würde.

“Schwester wenn die uns gefangen nehmen, Dann glaub nicht wir geben Ruh / vielmehr werden wir mehr tun bis zum letzten Atemzug

Wir vertrauen auf Allah, Mit ihm haben wir nie versagt / Auch wenn wir gefangen sind, geht er weiter der Jihad

Wir vertrauen auf Allah, Mit ihm haben wir nie versagt / Auch wenn wir gefangen sind, geht er weiter der Jihad”

In den letzten beiden Strophen geht er auf die avantgardistische Rolle ein, die seiner Meinung nach, seine Gruppe ein nimmt. Denn nur sie würden etwas für die Freilassung von Um Sayfillah al-Ansariyyah tun. Ebenso ist er davon überzeugt, dass die Tawaghit (Götzenanbeter hier wohl der Deutsche Staat) zerstört werden wird. Für Abu Talha ist dies Gott gewollt.

“Schwester sei nicht traurig, Denn wir haben dich gehört / Trauer nicht mehr länger, die Tawaghit werden zerstört

Ob sie wollen oder nicht, Allah versprach uns diesen Sieg / Umm Sayfillah al-Ansariyy, Ja dies ist dein Nasheed

Ob sie wollen oder nicht, Allah versprach uns diesen Sieg / Umm Sayfillah al-Ansariyy, Ja dies ist dein Nasheed

 

Die Umma ist geblendet, Doch wir wurden geehrt / Schwester bleibe Standhaft, kein Ende des Jihads

Die Umma ist geblendet, Doch wir wurden geehrt / Schwester bleibe Standhaft, kein Ende des Jihads”

Zum Schluss möchte ich noch kurz auf einen Kommentar eingehen, den ich auf einme Blog gefunden habe, auf dem dieses Nasheed gepostet wurde.

” Möge Allah subhenehu ue teale uns ermöglichen die Schwerter bzw. Kalasch[n]ikows auch hier in Europa hoch zu halten. Wir bitten Ihn uns siegreich zu machen und die Flagge des Islam wehen zu lassen.”

Das Zitat drückt glaube ich recht gut die Wirkung solcher Lieder aus, die von den Machern, in diesem Fall Abu Talha al-Almani, gewünscht ist.

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IMU – “Böses Vaterland” – Abu Adam

Titelbild des neuen IMU Videos "Böses Vaterland"Heute ist im AMEF eines neues Video der Islamischen Bewegung Usbekistans erschienen. Es trägt den Titel “Böses Vaterland”. Als Redner tritt mal wieder Abu Adam al-Almani in Erscheinung. Bevor ich mich jedoch dem Video im Detail widme, möchte ich kurz auf die heutige Verurteilung von Arid U., der vor gut einem Jahr ein Attentat auf amerikanische Soldaten am Frankfurter Flughafen verübte (einige Statements jihadistischer Websites fasste ich damals zusammen, siehe hier).

In allen Beiträgen, die ich heute im Laufe des Tages über die Verurteilung gehört oder gelesen habe, wurde immer wieder betont, dass die Radikalisierung von Arid U., das besondere gewesen sei. Er hatte nie eine so genanntes “Terrorcamp” besucht, also auch keinerlei militärische Ausbildung erhalten. Er radikalisierte sich alleine vor seinem PC. Exakt dies erhoffen und beabsichtigen Organisationen wie die IMU mit ihrer Propaganda (siehe hier). In der Literatur wird dieses Phänomen gerne als der einsame Wolf umschrieben. Denn den Organisationen ist bewusst, dass es für sie enorm umständlich, wenn nich unmöglich ist, die Jugendlichen, die sie zum Beispiel in Deutschland, durch ihre Propaganda rekrutieren, nach einer militärischen Ausbildung wieder in ihre Heimatländer zurück zu schicken, um dort einen Anschlag zu verüben, insebesondere nach 9/11 ist diese Taktik erschwert worden.

So hoffen sie, dass sich durch ihre Propaganda einzelne direkt angesprochen fühlen und von sich selbst aus auf die Idee kommen einen Anschlag zu verüben. In diesem Zusammenhang sei zum Beispiel auf das Online-Magazin Inspire hingewiesen, in dem Tipps für den Bombenbau in der heimischen Küche zu finden waren, oder wie man sein Auto zur Mordmaschine umbauen kann. Somit gibt es eine gefährliche Verquikung der unterschiedlichen Inhalte, die man üblicher Weise in jihadistischen Foren findet.

Arid U. soll auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen, direkt vor dem Attentat, das Nasheed “Mutter bleibe Standhaft” gehört haben (siehe hier). Dieses Nasheed ist einem gleichnamigen IMU Video entnommen. Der Autor des oben angegeben FR Artikels macht sich zwar fast lächerlich über den Titel und die Vortragsweise des Nasheeds. allerdings wird meiner Meinung durch solch ein Verhalten, welches leider allzu häufig in den Medien anzutreffen ist, eine Diskussion über die Gefahr jihadistischer Internetpropaganda im Keim erstickt. Wobei ich finde, dass genau darüber diskutiert werden sollte.

Nun wende ich mich aber dem neuen Video der IMU zu. Wie bereits oben erwähnt, trägt es den Titel “Böses Vaterland” und ist eine Art Abrechnung von Abu Adam al-Almani mit Deutschland. Aufgenommen wurde es wohl am 13. Dezember 2011 in Waziristan. Nach anfänglichen Auschnitten aus einer ZDF Doku hält Abu Adam einen Vortrag. Er sitzt in einem Sessel in einer Art Rosengarten und während des gesamten Videos kann man im Hintergrund Kindergeschrei hören. Im Gegensatz zu den meisten vorangegangenen Videos wirkt die Szenerie recht idyllisch – vielleicht sogar etwas gestellt.

Am Anfang des Videos werden aus der ZDF Doku Bilder von diversen jihadistischen Anschlägen gezeigt, so zum Beispiel die von Madrid und London. im Anschlusss daran werden aus derselben Doku Interviews mit deutschen Politikern eingespielt, in denen sie Position zum so genannten “War on Terror” beziehen.

Als Abu Adam vor ca. fünf Jahren noch in Deutschland gelebt habe, hätte kaum einer gewusst welche Rolle Deutschland in eben diesem Krieg gespielt hätte. Selbst einige islamische Gelehrte seien damals der Meinung gewesen, dass man Deutschland nicht als Feindesland und legitimes Angiffsziel betrachten dürfte. Der Fehler dieser Aussauge sei ihm, Abu Adam, mittlerweile allerdings klar geworden und nun wüsste er sehr genau wen er zu den Feinden zählen müsste.

Ein immer wiederkehrendes Motiv im Vortrag von Abu Adam, ist dass des Holocaust. Denn dieser würde seiner Meinung nach noch immer das Denken und die Handlungen der Deutschen bestimmen. So würde auch ein gewisser Teil der Steuern direkt an die Juden fließen, erklärt er.  An einer späteren Stelle behauptet er, die deutsche Politiker und politischen Führungskräfte würden für die Juden arbeit. Für mich sind hier sehr starke Anklänge der von Jihadisten überall gewitterten zionistischen Weltverschwörung alá “die Protokolle der Weisen von Zion”.

Die immer wieder auftauchende Doku des ZDF wird von ihm als ein Beitrag des deutschen Verfassungsschutzes zur Manipulierung der Bevölkerung betrachtet.  Er behauptet zu dem, dass die Deutschen sich als Amerikaner verkleidet an illegalen Verhören beteiligten. Dies hätten ihm Neuankömmlinge erzählt, die auf ihrem Weg nach Waziristan von den pakistanischen Behörden verhaftet wurden und bei deren Verhören Deutsche zugegen gewesen seien.

Das eigentlich Interessante kommt zum Schluss des Videos. Wegen der wirklichen Rolle, die Deutschland im Krieg gegen die islamische Welt eingenommen hätte, die so Abu Adam nichts mit humanitärer Hilfe zu tun hätte, müsste Deutschland mit Anschlägen von Jihadisten rechnen. Zum einen als Rache und als eine Lektion, so sagt er. Er stellt die rhetorische Frage, warum die Muslime in Angst und Schrecken leben sollte, die Deutschen aber nicht.

“Es muss und wird – so Allah will – in Deutschland eine Serie von Anschlägen, auch gegen das Volk geben”

Dieser Satz ist die eigentliche und wirkliche Drohung. Für sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Jihad auch nach Deutschland kommen wird. Selbst der geplante Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan könnte daran nichts mehr ändern und sei kein Grund den Kampf zu beenden.

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IMU – Frohe Botschaft aus Pakistan – Teil 2

Die Islamische Bewegung Usbekistan hat am Freitag insgesamt drei neue Videos in den einschlägigen Foren und auf ihrer Homepage online gestellt. Mit einem davon werde ich mich näher auseinandersetzten. Der zweite Teil von “Frohe Botschaft aus Pakistan” sollte laut einem Schreiben der Isamischen Bewegung Usbekistans bereits Ende Juli online gestellt werden, nachdem sich angeblich die Produktion verzögerte, da sie Computer Probleme hatten – siehe ihr Statement “Fiese Harddisk”.

Allerdings wurde es nun so wie die beiden anderen auch erst am Freitag publiziert, kurz nach dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan. Einige Teile von dem hier zu besprechenden Video und “Ghazwa ul-Hind” ähneln sich stark. Es wurden zumindest die Bilder von ein und dem selben Überfall der Islamischen Bewegung Usbekistans auf einen Konvoi der pakistanischen Armee verwendet. In beiden Videos wird das Hauptaugenmerk auf ein Hadith des Propheten Muhammad gelegt. Nach dem Hadith sei der Kampf um das Gebiet, dass man damals mit al-Hind bezeichnete, ein größerer Verdienst, als der Kampf um andere Gebiete. Al-Hind umfasse das heutige Pakistan, Kashmir, Indien, Nepal, Buthan, Bangladesch, Sri Lanka und die Maledieven. Somit lässt sich damit gut um neue Rekruten für den Jihad in Pakistan werben.

Der zweite Teil von “Frohe Botschaft aus Pakistan” beginnt mit Bildern verschiedener Aktionen gegen die pakistanische Armee. Über diese Bilder werden Interviewschnipsel gelegt. So sagt am Anfang Hakeemullah Mehsud Anführer der TTP (Pakistanische Taliban), dass die demokratische Regierung Pakistans nach unislamischen Prinzipien regieren würde. Kommandeur Jihad Jarr bekräftigt seine Freude über die Gebiets gewinne der Mujahideen und ärgert sich, dass die Medien nicht darüber berichten bzw. die Erfolge vertuschen. Diese wären nur durch die Einheit der Muhajireen und den Ansar möglich gewesen. Die beiden Begriffe gehen auf die Zeit des Propheten Muhammad zurück. Mit den Muhajireen wurden diejenigen bezeichnet, die gemeinsam mit Muhammad nach Medina auswanderten (Hijra). Dort wurden sie von einem Teil der lokalen Bevölkerung Unterstützt, den sogenannten Helfern (arab. Ansar). Im jihadistischen Kontext werden die als Muhajireen bezeichnet, die aus ihren Heimatländern “auswandern” um aktiv am Jihad teilzunehmen und die Bevölkerung der jeweiligen Länder, die den Jihadisten helfen als Ansar.

Desweiteren lässt man am Anfang noch Quari Hussain zu Wort kommen, er ist ein Mitbegründer der TTP. Er beschwört die Mujahidden sich nicht von Medien einreden zu lassen, dass sie kurz vor einer Niederlage stehen würden. Denn zur Zeit würden sie nur Racheaktionen gegen die Pakistaner durchführen, aber in naher Zukunft würde der Jihad erst richtig anfangen und man werde ihn ins pakistanische Kernland tragen. Hier finden sich auch wieder Anspielungen auf al-Hind. Er zitiert einen Ausspruch Muhammads, nach dem ein Heer aus Khorasan kommen werde und al-Hind erobern würde.

Nach diesem Anfang beginnt der eigentliche Film “Frohe Botschaft aus Pakistan”. In Abschnitte eingeteilt wird dem Zuschauer erklärt warum der Jihad gegen Pakistan ebenso eine allgemeine Pflicht für jeden Muslim sei wie der in Afghanistan oder dem Irak. Zum einen werden Interviews geführt “mit einigen der Größen des Jihads in Pakistan” so wie sie es nennen und sie zeigen ihre Sicht der Geschichte der Ereignisse von 2002 bis zur Eskalation durch die Operation Kaloosha 2004 und wie dadurch ihrer Meinung nach der Jihad gegen Pakistan unabdingbar geworden wäre.

Der erste Geschichtsteil fängt an in dem sie kurz zusammenfassen,über welche geschichtlichen Zusammenhänge sie die Zuschauer im 1 Teil der Serie informiert hätten. Zum Beispiel wie die Mujahideen der IMU auf ihrer Flucht aus Afghanistan nach Süd-Waziristan (Wana) gelangt seien. Die Ereigniss und der Kampf gegen die US-Truppen, die schließlich zur Flucht der IMU nach Pakistan führten, werden von ihrem ehemaligen Amir Muhammad Taher Farooq geschildert. Hakeemullah Mehsud lobt die IMU und deren Amir, dafür dass sie die letzte Schalcht gegen die Amerikaner in Afghanistan in Shaykot geschlagen hätten. Vor dieser hätten sie ihre Familien nach Wana geschickt um sie in Sicherheit zu wissen. Dort hätten die Familien versteckt leben müssen. Bei der Schlacht um Shykot wäre ca. 70 Anhänger der IMU gestorben. Wegen der großen Verluste wären der Rest der IMU dazu gezwungen gewesen sich ebenfalls nach Pakistan zurückzuziehen. Anfangs hätten sie nicht im Sinn gehabt gegen die pakistanische Armee zu kämpfen. Denn durch ihren Rückzug nach Wana wollten sie ihre Verletzten pflegen können und neue Kräfte sammeln um sich erneut ihrem Hauptfeind entgegenstellen zu können. Zu der damaligen Zeit seien das noch “die Amerikaner und Kreuzzügler in Afghanistan” gewesen. Sie hätten jedoch erkannt, dass es ihre Pflicht sei die einheimische Bevölkerung zum “wahren Islam” aufzurufen. Dieser beinhaltet nach dem Verständnis der IMU selbstverständlich auch den Jihad. Ihre Ideen wären bei den Ansar auf fruchtbaren Boden gefallen sagt Mounir Chouka (Abu Adam). In der Zeit von 2002, nachdem sie sich in Wana angesiedelt hatten bis 2004, nach ihrer erneuten Flucht, dieses mal von Wana nach Nord-Waziristan, hätten sie laut Aussagen von Abbas Mansour, einem Kommandeur der IMU, 40 große Operationen in Afghanistan durchgeführt.

Die Islamische Bewegung Usbekistans hätte in Pakistan aber nicht nur die Ansar vorgefunden, deren Hilfsbereitschaft wichtig für sie gewesen war, sondern auch einen Feind. Denn die pakistanische Regierung und die Armee wären ihnen feindlich gesinnt gewesen. Allerdings sei es der Glauben der Mujahideen, das sowohl Pakistan als auch die Stammesgebiete nur Gott gehören und somit sei es rechtens, dass sich die IMU mit ihren Familien dort niederließ um den Islam und die Sharia’ nach ihrem Verständnis auszuleben. Die pakistanische Regierung konnte und wollte solch ein Verhalten auf ihrem Territorium nicht dulden. So wollte sie, wie es das Video darstellt, die Mujahideen mit allen Mitteln vom Weg des Jihad abbringen. Die Armee führte angeblich 70 Razzien durch. Vor diesen hätten sich die Anhänger der IMU aus den Dörfern zurückgezogen, um einer Konfrontation mit der pakistanischen Armee zu entgehen. Diese Ereignisse schilder Mufti Abu Zarr Pakistani – der Sharia’ Beauftragte der IMU – in recht dramatischer Weise.

Der Wende im Verhalten der IMU gegenüber dem pakistanischem Staat sei nach einer Militär Aktion gewesen. Bei dieser hätte die pakistanische Armee eine Sitzung gestürmt und dabei unter anderem zwei bekannte Mujahideen getötet, Abu Muhammad al Turkistani und Abu Abdalrahman al-Kanadi. Zudem hätte die Regierung vermehrt Mujahideen festgenommen und sie an die USA ausgeliefert. Durch diesen stetig wachsenden Druck wäre die IMU zu einer Aktion gezwungen gewesen. So hätte die IMU zusammen mit den pakistanischen Ansar durch eine Shura beschlossen, dem pakistanischen Staat den Jihad zu erklären. Der Amir der IMU Muhammad Taher Tarooq hätte die Entscheidung auch öffentlich erklärt.

Der IMU fällt es nicht sonderlich schwer Argumente zu finden, die den Jihad gegen Pakistan legitimieren. So würde die pakistanische Bevölkerung darin gehindert den wahren islamischen Glauben zu lernen. Wenn überhaupt würden sie ihn nur aus Büchern kennen. Zu dem wäre die pakistanische Regierung sofort an die Seite der USA gesprungen, nachdem diese den Krieg in Afghanistan begonnen hätte. Abu Adam schildert einige militärische Aktionen Seitens der Pakistaner gegen die Mujahideen, bei denen sie, nach dessen Angaben, mehrere Märkte bombadiert hätten. Im Anschluß werden sehr drastische Bilder der angeblichen Opfer gezeigt. Er führt weiter aus, dass die Gewalt Pakistans gegen die Mujahideen nicht erst vor kurzem begonnen hätte, sondern bereits seit dem Jihad gegen die Soviets in vollem Gange sei. So hätte Pakistan angeblich bei der Ermordung Abdallah Azzams und bei der Verhaftung Abu Musab al-Suris geholfen und letzteren an die USA ausgeliefert. Darauf werden einige kurze Videos eingeblendet in denen man vermutlich pakistansiche Gefangene sieht wie sie misshandelt werden. Als einen weiteren Beweis für Pakistans Brutalität führen sie die Ereignisse der Stürmung der Lal Masjid  in Islamabad 2007 an.

Für die IMU steht ebenfalls fest, dass die pakistanische Regierung hinter der Ermordung von Nizamuddin Shamzai steht. Er hatte die Angriffe Pakistans auf die Muhajireen und die Ansar für unrechtmäßig gefunden und in einem Rechtsgutachten erlassen, dass für die pakistanischen Soldaten, die bei diesen Angriffen sterben, nicht das islamische Totengebet gesprochen werden dürfte. Als “letztes Verbrechen” Pakistans nennen sie einen Vorfall vom 19. Mai 2011, das sie höchst dramatisiert schildern.

Auf Grund all dessen hätten sich die Muhajireen und die Ansar dazu entschieden, gemeinsam den Jihad gegen Pakistan zu erklären. Dies hätte am 19. März 2003 stattgefunden und einige der Ansar schworen dem Amri der IMU die Treue. Ein Treuschwur aus dem Video lautet wie folgt:

“Uthman Adil: Wir leisten dir den Treueid, für das Erhöhen des Wortes Allahs und für den Tod auf Allahs Weg.”

Im Anschluss an die Bilder dieser Nacht, lässt man wieder den Anführer der TTP zu Wort kommen, der bestätigt, dass es der Verdienst der IMU gewesen sei den Jihad auch nach Pakistan zu bringen.

Damit endet der geschichtliche Teil, der vor allem dadurch interessant ist, dass die IMU die Ereignisse aus ihrer Sicht erzählt. Im weiteren Verlauf des Videos beschreiben sie die Lebenslauf von Abbas Mansour und Quari Hussain sowie deren Aufgaben in ihren jeweiligen Jihad Gruppen.

Im Anschluss daran kommt wieder Hakeemullah Mehsud zu Wort. Dessen Aussage finde ich ist eine der wohl interessantesten im ganzen Video. Insbesondere für uns westliche Beobachter. Denn er erklärt, dass die verschiedenen Organisationen nicht voneinander zu unterscheiden seien.

“Wie bereits gesagt, haben die TTP und die IMU eine starke Beziehung. Wenn ein fremder hier ankommt, kann er kaum einen Unterschied zwischen uns beiden Bewegungen erkennen. Er schafft es nicht zu unterscheiden wer zur TTP gehört und wer zur IMU. Und diese Namen die ihr kennt wie TTP und IMU, dass sind nur Namen zur Erkennung. Aber unsere Jama’a (Gemeinschaft) ist eine. […]”

Dann würd nochmal der angebliche Vorzug des Jihads von Pakistans mit dem bereits oben erwähnten Argument bekräftigt.

Das Video endet mit Bildern einer Operation der IMU gegen die pakistanische Armee. Diese sei im April 2011 “hochmütig durch das Gebiet Watcho Chora stolziert“. Bei dieser Aktion seien sie sehr erfolgreich gewesen.

Abu Adam führt noch aus, dass es für die Mujahideen nicht nur ein Kampf um ein Stück Land sei, sondern um einen Platz im Paradies gehe. Er bezeichnet den Tod eines Jihadisten als “die Krönung einer jeden Seele”.

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Die Strömungen des Salafismus

In den letzten Monaten wabert immer wieder ein Begriff durch die deutschen Medien, der meist missverstanden und oft falsch gebraucht bzw. unzureichend erklärt wird. Die Verwendung des Begriffs “Salafismus”, hat sich im Sprachgebrauch, vor allem der Medien, so weit eingebürgert, dass meines Erachtens nach alles konservativ islamische mit diesem Begriff tituliert wird, ohne die Nötige Differenzierung. Dabei er gibt sich jedoch ein Problem. Puristische, apolitische Salafisten, werden mit dem selben Label versehen wie terroristische Organisationen, die ihre Ideologie an den Salafismus anlehnen – zum Beipiel al-Qaeda.

Als ein Beispiel für die mehr als unglückliche Verwendung und Erklärung möchte ich ein Zitat aus der Süddeutschen Zeitung vom 20 Juni 2011 anführen.

“[Der] Salafismus ist eine Spielart des Wahhabismus, der übersteigerten puritanischen saudischen Staatsreligion.”

Diebe der Revolution” in Süddeutsche Zeitung S. 3 vom 20. Juni 2011

In diesem Artikel werde ich die verschiedenen Entwicklungen des Salafismus aufzeigen, von den historischen Vorbildern, den so genannten as-salaf as-salih (die rechtschaffenen Altvorderen; die Gefährten des Propheten Muhammads, bis in die dritte Generation) über den “reformistischen Salafismus” alà ‘Abduh und Rida, über “politischen Salafismus” der Muslimbrüderschaft. Abschließend wende ich mich dem “jihadistischen Salafismus” zu, als deren Hauptvertreter al-Qaeda allen bekannt ist.

Dabei halte ich mich an das von Wiktorowicz ausgearbeitet Model, der den Salafisms, in drei Strömungen einteilte, die puristische, die politische und die jihadistische. Quintan Wiktorowicz ist insbesondere durch seine Verbindung der Social Movement Theory mit islamistischen Bewegungen bekannt.

Als die historischen Vorbilder, im wahrsten Sinne des Wortes, dienen der Prophet Muhammad, dessen Gefährten und all jene die Muhammad oder dessen Gefährten noch persönlich kennen konnten. Deswegen hat man die Grenze bei der dritten Generation nach Muhammad gesetzt. Die frühe Gemeinde, die sich um den Propheten sammelte, wird als die ideale Form von Gemeinschaft angesehen, weswegen sie heute noch als Vorbild dient. Einige Salafisten kleiden sich deswegen dem Beispiel Muhammads entsprechend.

Besondere Beliebtheit, erlangte der Begriff “Salafismus”, Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts. Zu verdanken, hatte er dies, vor allem der Reformbewegung, deren beiden Köpfe ‘Abduh und Rida’ waren. Sie wirkte hauptsächlich von Ägypten aus und ihre Ideen ging auf Afghani zurück. Die Anhänger des “reformistischen Salafismus”, waren um einiges liberaler, als die heutigen Salafisten. Sie wollten den Islam an die Moderne anpassen durch Reformen des Bildungs-, Wirtschafts- und Herrschaftssystem. Die gegenwärtigen Salafisten beziehen sich in aller Regel nicht auf die genannten “reformistischen Salafisten”. Sie halten diese, zum Teil, sogar als vom Glauben abgefallen.

Die wirklichen Vordenker der heutigen Salafisten, sind insbesondere Ahmad b. Hanbal, Begründer der hanbalitischen Rechtsschule, sowie Taqi ad-Din b. Taymiyya und Muhammad b. Abd al-Wahhab. Sie beeinflussten alle drei Richtungen des gegenwärtigen Salafismus (puristisch, politisch und jihadistisch), auf die ich im folgenden näher eingehen werde.

Als erste Gruppe der Salafisten, sind die puristischen zu nennen. Diese sind in ihrer Haltung apolitisch und vor allem auf das Beibehalten ihrer puritanischen Lebensweise bedacht. Ein gutes Beispiel für diese wären zum Beispiel die saudische Variante des Salafismus sowie die Tablighi Jama’at, eine missionariche Gruppe, die in den 1920er in Indien gegründet wurde. Das Hauptziel des “puristischen Salafismus” ist zum einen der Aufruf bzw. die Missionierung zum Islam (Da’wa), ebenso wie der Kampf gegen Praktiken, die sie als nicht islamisch betrachten. So zum Beispiel die Verehrung von Heiligen durch Sufis. Sie lehnen jegliche politische Partizipation ab, da dies ihrer Meinung nach zum moralischen Verfall führt. Dementsprechend lehnen sie unter anderem auch die Beteiligung an Wahlen ab, denn ihre Auslegung des Tawheed (Monotheismus) ist sehr streng. Gott ist für sie auch im politischen Bereich die einzige legitime Souveränität und durch Wahlen würde der Mensch an dessen Stelle treten. “Puristische Salafisten” sehen sich allerdings nicht als eine politische Bewegung, sondern vielmehr als Avantgarde zum Schutz des “wahren Islams”. Dieses avantgardistische Gedankengut ist meiner Meinung nach allen salafistischen Strömungen zu eigen. Da sie sich für die einzigen Vertreter des “wahren Islams” halten, haben sie viele Ressentiments gegen andere salafistischen Gruppen. Ihnen werfen sie vor, sie würden dem von Muhammad vorgezeichneten Weg verlassen und mit rationalen Gedanken versuchen die politische Veränderung zu erreichen. Dadurch würden sie auch die Prinzipien des Islams vernachlässigen. Solche Vorwürfe erheben zum Beispiel regelmäßig “salafistisch jihadistische” Gruppierungen in Gaza gegen das dortige Hamas Regime.

Die zweite Gruppe sind die “politischen Salafisten“. Sie gehen historisch auf die, 1928 von dem ägyptischen Lehrer Hassan al-Banna gegründete, Muslimbrüderschaft zurück. Diese wollte eine Volksbewegung ins Leben rufen. Denn ihrer Meinung nach würde einer Reform des Islams unweigerlich eine soziale Revolution nachfolgen. Für die Muslimbrüderschaft, deckt der Islam alle Bereiche des Lebens ab. In den 1930er und 40er begannen die Ideen der Muslimbrüderschaft den islamischen Diskurs zu dominieren und gewann die Oberhand gegenüber nationalistischen Ideen und Weltanschauungen. Mit dem Beginn der 1950er und dem Machtantritt Nasers veränderte sich vieles für die Muslimvrüderschaft. Es kam vermehrt zu Zusammenstößen zwischen ihnen und den arabischen Regimen in Ägypten, Jordanien und Syrien. Der wohl wichtigste Ideologe aus dieser Zeit war Sayyid Qutb. Vor allem durch durch die Ideen Qutbs verlor der “politische Salafismus” der Muslimbrüder, die letzten Reste der reformistischen Ideen, die noch in ihrer Ideologie vorhanden waren. Hassan al-Banna war in seinem Denken sehr von ‘Abduh und Rida insperiert worden.

Nach dem brutalen Vorgehen Nasers gegen die Muslimbrüder, gingen jene, die nicht verhaftet wurden, nach Saudi Arabien ins Exil. Dort ist der so genannte “Wahhabismus” die vorherrschende Variante des Islams. Der “Wahhabismus” gehört zur puristischen Strömung des Salafismus und entstand auf der Arabischen Halbinsel des 18. Jahrhunderts. Der Name dieser Richtung geht auf den Begründer und Reformer Muhammad b. ‘Abd al-Wahhab zurück. Er predigte einen sehr fundamentalen Islam und lehnte jegliche Form von Aberglauben ab.

Die nach Saudi Arabien geflohenen Muslimbrüder schafften es schnell in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen, insbesondere in den Universitäten. Von diesn aus war sie sehr erfolgreich darin, ihre Ideologie zu verbreiten, obwohl sie im Kontrast zum “puristischen Salafismus” Saudi Arabiens stand. So gingen aus dem saudischen Bildungssystem immer mehr politisch sensibilisierte Menschen hervor, die in ihre Heimatländer, in der gesamten Arabischen Welt, zurückkehrten oder zum Beispiel nach Afghanistan um dort gegen die Soviets zu kämpfen. Unter diesen Studenten waren zum Beispiel Abdallah Azzam und Abu Muhammad al-Maqdisi. Aus den saudischen Studenten, die in ihrem Heimatland blieben und nun politisch hoch sensibilisiert waren, ging unter anderem die al-Sahwa Bewegung hervor. Sie übte heftige Kritik am Klerikalen Establishment Saudi Arabiens, weil es die Präsenz amerikanischer Truppen auf der Arabischen Halbinsel in einer Fatwa (Rechtsgutachten) erlaubt hatten. Der Hauptkritikpunkt war, dass sich die “puristischen Salafisten” so sehr auf ihr religiöses Seelenheil konzentrieren würden und sich dadurch vollkommen von der politischen Welt isoliert hätten, weshalb sie nicht genügen über diese wüßten um auf aktuelle Situationen angemessene Rechtsgutachten zu erlassen.

Die dritte Gruppe innerhalb des Salafismus, ist die jihadistische (Salafiyya Jihadiyya). Diese ist die in den Medien wohl präsenteste. Die salafistisch-jihadistische Ideologie entstand während des Afghanistan Kriegs, gegen die Sowjet Union. Sie basiert auf den beiden oberen Versionen des Salafismus. Zu beachten ist, dass die “Salafiyya Jihadiyya” keine homogene Untergruppe des Salafismus ist. Wie auch bei den anderen, differenzieren sich die Anhänger in diversen Spektren aus. Die jihadistischen Salafiten, sehen sich wie die anderen Salafiten auch, als die einzig wahren Muslime. Sie verbinden die, für den Salafismus, typische wortgetreue Auslegung des Korans mit einer tiefen Überzeugung für die Notwendigkeit des Jihads, der für sie in erster Linie eine gewaltsame Auseinandersetzung ist. Auf Grund dessen steht der Jihad, für sie, auf der selben Stufe wie die “fünf Säulen des Islam”. Somit wird er als eine der Grundlagen des Islams dargestellt.

Sie lehnen die im Islam übliche Meinung ab, das der Jihad, nur als ein defensiver Verteidigungskrieg geführt werden darf. Vielmehr sind Jihadisten davon überzeugt, dass es die Pflicht eines jeden Muslims sei, den Jihad aktiv und vor allem aggressiv zu führen. Der Jihad wird so in ihrer Ideologie, von einem defensiven, zu einem aggressiven Angriffskrieg. Dazu fällt allerdings in ihrer Rhetorik auf, dass sie versuchen, den Westen, oder die Arabischen Regime, als den Aggressor darzustellen und so doch versuchen, ihre Ansichten in der Mainstream- Meinung zu verpacken. Die Ansicht, dass der Jihad aggressiv zu führen sei, geht in erster Linie auf Sayyid Qutb zurück.

“Qutb advocated jihad to establish an Islamic state. In doing so, he argued angainst well-established Islamic legal opinions that jihad was primarly a strugel against the soul (jihad al-nafs) or a defensive war to protect the Muslim community. In kind of Islamic liberation theology, he argued that force was necessary to remove the chains of oppression so that Islamic truth could predominate.”

Wiktorowicz: A Genealogy of Radical Islam. 2005. S. 79

Quintan Wiktorowicz, macht in seinem Artikel “A Genealogy of Radical Islam” vier große Unterschiede zwischen den “normalen Salafisten” und den “jihadisten Salafisten” aus.

  1. Der Gebrauch des takfir (jemanden als Apostaten erklären) und ob dies auch für Herrscher gilt und der Jihad dann gegen sie geführt werden darf bzw. geführt werden muss
  2. Unterschiedliche Ansichte über den Jihad (defensiv – aggresiv)
  3. Zulässigkeit Zivilisten anzugreifen
  4. Die Legitimität von Selbstmordanschlägen

Die Mehrheit der Muslime lehnt die Praktik des takfir nicht grundlegend ab. Viele Salafisten sind der Meinung, dass ein Herrscher ein Kafir (Ungläubiger) werden kann, wenn er wissentlich Gesetze erlässt, die im Widerspruch mit der Scharia’ stehen. Allerdings gibt es auch hier wieder unter den “jihadistischen Salafiten” diverse Meinungen.  Al-Qaeda und ihr nahestehende Gruppen, titulieren regelmäßig arabsiche bzw. muslimische Herrscher als Ungläubige. Da es nun erlaubt sei, aus ihrer sicht, die Herrscher, die keine Muslime mehr seien, anzugreiffen und zu töten.

Für Wiktorowicz, ist die Bereitschaft, auch Zivilisten als legitime Ziele zu betrachten, ein Phänomen, das erst seit dem Algerischen Bürgerkrieg für “jihadistische Salafisten“, hoffähig wurde.

In seinem wirklich guten Buch “The Globalization of Martyrdom“, stellt Assaf Moghadam einen Kriterienkatalog auf, wann eine Bewegung zur Gruppe der “jihadistischen Salafisten” gehört. Dafür muss sie dem sunnitischen Islam angehören und eines der weiteren vier Kriterien erfüllen:

  1. Sie ist Mitglied oder affiliiert mit al-Qaeda – dies zeigt sich im Namen
  2. Sie hat al-Qaedas Weltanschauung übernommen und praktiziert den globalen Jiahd
  3. Sie übt Gewalt aus, um ein islamisches Regime zu stürzen und an Stelle dessen ein Kalifat zu errichten
  4. Sie betreibt die Praktik des takfir

Moghadam: The lobalization of Martyrdom. 2008 S. 50

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass bei der Benutzung des Wortes “Salafismus” und anderer religiöser Begriffe, in diesem Zusammenhang, Vorsicht geboten ist. Zudem sollte man sich des Unterschiedes bewusst sein, der zwischen den Gruppierungen besteht, die gerne mit “radikal islamisch” beschrieben werden. Denn so konservativ und radikal zum Beispiel die Hamas auch sein mag, wird sie dennoch von salafistischen Gruppierungen regelmäßig kritisiert und angegriffen.

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