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IMU – “Der kompromisslose Bräutigam” – Abu Ibraheem al-Almani

Gestern ist ein neues Video der “Islamischen Bewegung Usbekistans” im Internet erschienen. In ihm wird der Tod eines deutschen Jihadisten bekanntgegeben, der bereits vor einigen Monaten bei einem Angriff auf einen CIA Posten in Kunduz, ein Selbstmordattentat begangen haben soll. Der gestorbene Jihadist soll Farouq al-Almani heißen und vor ca. einem Jahr in das afghanisch pakistanische Grenzgebiet gekommen sein. Er war laut Angaben der IMU 21 Jahre alt.

Das Video trägt den Titel “Der kompromisslose Bräutigam” – das symbolhafte Bild der Hochzeit, das schon im Titel erscheint, wird wieder aufgegriffen, wenn die Bombenwesten, als “an den Körper geschnallte Brautgabe” bezeichnet wird.

Abu Ibraheem beginnt das Video mit den üblichen religiösen Begrüßungsfloskeln. Dabei grüßt er seine “Geschwister in Deutschland und ganz besonders die in Bonn”. Die beiden Chouka Brüder (Abu Ibraheem und Abu Adam) stammen beide aus Bonn. Somit will er alte Weggefährten direkt ansprechen, damit sie ebenfalls auswandern. In letzter Zeit scheinen die Propagandavideos der IMU ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben, da einige deutsche Jihadisten sich auf den Weg nach Pakistan bzw.  Afghanistan gemacht haben – in den deutschen Medien wurde zum Beispiel bereits von der “Hamburger Reisegruppe” gesprochen.

Er nennt das Datum, an dem das Video aufgezeichnet wurde, 14. März 2011 und beschreibt kurz die Lage des Jihads in Afghanistan. Dieser sei, so Abu Ibraheem, zur Zeit sehr erfolgreich und “der Sieg und die Einführung der Scharia würden immer näher rücken“.

Dann wendet er sich dem eigentlichen Thema des Videos zu, nämlich dem Tod von Farouq al-Almani, der bereits vor einigen Monaten an der, oben genannten, “Märtyreroperation” teilgenommen hätte und gestorben sei. Dies sei eine glückliche Nachricht für die islamische Ummah und so beglückwunscht Abu Ibraheem sie auch, zum Märtyrertod eines deutschen Jihadisten. Bis jetzt gab es noch nicht viele deutsche Selbstmordattentäter in Afghanistan.

Farouq al-Almani hätte sich mit der Märtyreroperation einen Traum erfüllt und sei aus Deutschland “ausgewandert, um seinen Herrn (Gott) zu treffen”. Damit hätte er auf die Hilferufe seiner Geschwister geantwortet. An dieser Stelle, finde ich interessant, dass Abu Ibraheem sagt, dass durch den Tod Farouqs ihr Glaube gestärkt worden sei, der tagtäglich bekämpft würde. Mit ihrem Glauben stülpt er dem gesamten Islam die radikale Auslegung der Salafiyya-Jihadiyya über.

Wenn wir (“die Feinde”) Farouq al-Almani kennen würden, würden wir ihn nicht als Terroristen bezeichnen, da er ein so besonderer Mensch mit edelen Eigenschaften gewesen sei. In dieser Art und Weise wird oft von verstorbenen Jihadisten geredet (siehe hier).

Bei dem Angriff auf eine CIA Station in Kunduz seien noch zwei Russen aus Dagestan und ein Afghane beteiligt gewesen. Sie hätten nacheinander ihre Bombenwesten gezündet, doch als Farouq an der Reihe gewesen wäre, waren angeblich schon alle Tod, so dass dieser sich unter einer Leiche versteckt hätte um auf die ankommenden Hilfskräfte zu warten.

Es wird ein kurzes Video eingespielt, in dem sich Farouq an den Zuschauer wendet. Er beschwert sich, dass einige (viele) Muslime ihrer “Pflicht” nicht nach kommen würden und nicht in den Jihad ziehen, sondern zu Hause sitzen bleiben. Denn so habe er in Afghanistan gesehen, sei der Jihad eine allgemeine Pflicht für jeden Muslim. Denn wenn man in der Lage dazu sei, müsse man dies tun. Er betrachtet den Jihad als einen integralen Bestandteil des Islams und versteht nicht warum die deutschen Muslime dies nicht so sehen.

Dann spricht wieder Abu Ibraheem und versucht unser westliches Wertesystem zu diskreditieren, denn wenn wir es für die Wahrheit halten würden, so fragt er, wo die Märtyrer seien, die bereit wären dafür zu sterben. Hierfür bringt er im Folgenden noch einige Koranzitate.

Durch die verstärkte Medienoffensive in letzter Zeit, vor allem von Seiten der IMU, versuchen die Jihadisten, ganz gezielt in Deutschland neue Anhänger zu finden und zu rekrutieren. Was mich bei der ganzen Entwicklung beunruhigt, ist dass die Videos und Statements qualitative immer besser werden und in immer kürzen Abständen erscheinen. In ihnen werden eigentlich immer potentielle “Auswanderer” angesprochen und dazu aufgefordert sich aktiv am Jihad in Afghanistan und Pakistan zu beteiligen.

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IMU – “Der Shaheed aus dem Bundeswehrlager” – Abu Adam al-Almani

In den letzten Tagen sind zwei neue Schreiben der IMU in diversen deutschsprachigen jihadistischen Internetforen aufgetaucht. Als deren Autor wird jeweils Abu Adam al-Almani genannt. Das Schreiben, auf das ich jetzt eingehen werde, ist auf den März 2011 datiert und beschreibt die Geschichte eines jungen Afghanen – Harun al-Afghani -, der in einem Bundeswehrcamp als Übersetzer tätig war, nach zweieinhalb Jahren allerdings einen Gesinnungswandel hatte und sich einer jihadistischen Gruppierung anschloß, dann im selben Camp wie die Chouka Brüder, in Waziristan, war, dort ausgebildet wurde, für den Kampf gegen die Isaf Truppen in Afghansitan und angeblich bei einem Gefecht im Nordosten Afghansitans zu Tode kam.

Abu Adam beginnt den Text mit einer rhetorischen Frage, ob sich der Leser noch an seine Anfangszeit im Islam erinnern könne. Als man noch dachte, der Islam würde Märtyreroperationen verbieten und das der Jihad ein Phänomen der Vergangenheit gewesen sei. Zum einen Tut er dies um zu erklären, wie Harun al-Afghani bei der Bundeswehr als Übersetzer anfangen konnte und bestimmt versucht er darüber auch einigen Lesern, seine militante Leseart des Islams näherzubringen. So betont Abu Adam, dass die Geschichte von Harun al-Afghani eine besondere sei, weil er sich erst spät den Mujahideen anschloss.

“So höre der folgenden Geschhichte gut zu, denn sie wird dir keineswegs fremd erscheinen. Es ist die Geschichte des Shaheed aus dem Bundeswehrlager, Harun al-Afghani, ein junger Mann, der den Berg des Islams hinaufstieg und an der Bergspitze mit der Shahada gekrön wurde. Meine lieben Geschwister, Haruns Geschichte ist eine sehr interessante, denn Harun kam erst sehr spät in die Reihen der Mujahedeen und Harun verstand erst sehr spät die wahre Bedeutung des Islams und wer die wahren Gläubigen sind. Obwohl er seit seiner Geburt in Afghanistan lebte und viele seiner Verwandten im afghanischen Krieg von Ungläubigen getötet wurden, verstand er anfangs nicht die islamischen Hintergründe der Mujahideen. […] dachte er viele Jahre, dass die Mujahideen der Taliban und der Muhajereen [Auswanderer – Jihadisten aus anderen Ländern] eine falsche, hinterlistige Absicht haben und die Macht an sich reißen wollen, um die Menschen zu unterdrücken.”

Vor ca. dreieinhalb Jahren habe sich Harun al-Afghani bei der Bundeswehr als Übersetzer beworben und sei dort auch wegen seiner guten Englischkentnisse genommen worden. Er arbeitete als Ortskraft im Bundeswehrcamp in Kunduz und soll sogar wegen der guten Bezahlung sein Studium abgebrochen haben, leider wird nicht erwähnt was er studierte. Nachdem er einige Zeit dort arbeitete, soll er befördert worden sein und somit die Erlaubnis bekommen haben, sich frei im Bundeswehrlager zu bewegen. Er soll auch zum Teil seine Freizeit im Bundeswehrcamp verbracht haben, u.a. in der Kasernenkneipe. So soll er langsam bemerkt haben, dass diese Lebensweise nicht mit dem Islam (der Mujahideen) vereinbar sei. Ein weiteres prägendes Ereignis sei das Bombardement der zwei Tanklaster am 4 September 2009 gewesen.

“Harun sah Bilder der deutschen Spionageflugzeuge von Nahaufnahmen der Innenhöfe, in denen sich seine muslimischen Schwestern befanden. Er musste mit ansehen, wie die Bundeswehr in seiner Heimat gemischte Schulen für Jungen und Mädchen errichtete und die Bürger zum westlichen System aufruft. […] So erkannte er langsam die wahren Hintergründe des Einsatzes der Bundeswehr.”

Während dieses Prozesses soll er in einer Moschee in Kunduz Hadschi Omar, einen radikalen Prediger, kennengelernt haben. Nach dessen Predigten habe Harun al-Afghani den persönlichen Kontakt zu ihm gesucht, um mit ihm einige seiner Fragen zu erörtern. Hadschi Omar, habe Harun al-Afghani überzeugen können, dass er für eine Besetzungsmacht arbeite und er sich den Mujahideen anschließen müsse, da diese eben für die Befreiung des Langes kämpfen würden.

Er soll sich eine Waffe und ein Motorrad gekauft haben und sich auf den Weg zu den Mujahideen gemacht haben, um sich ausbilden zu lassen. Nach kurzer Zeit soll er nach Waziristan geschickt worden sein, für ein “Spezialtraining”.  Dabei habe er die beiden Chouka Brüder kennengelernt.

” Er war ein ganz besonderer Mensch. Irgendwie glich er einem Paradiesbewohner, der sich noch unter uns befand, wa la uzakki 3ala Allahi ahad. Ein sanftes Lächeln, eine ruhige Art zu reden und langsame und bescheidende Bewegungen, die auf eine innere Ruhe hindeuten. Viele Gebete und lange Koranrezitationen füllten seine Tage und Nächte.”

Nachdem er sein Training absolviert hatte, kehrte er in den Norden Afghanistans zurück und soll sich dort einer Märtyrergruppe angeschlossen haben. Sie planten eine Operation aber nachdem Isaf Truppen, in der Nähe ihres Quartiers ein Dorf “angriffen” und durchsuchten, entschlossen sie sich dorthin zu eilen um gegen die amerikanischen Truppen zu kämpfen. Bei diesem Gefecht starb Harun al-Afghani.

” Die Shahada (Märtyrertod) fisabililläh ist das Glaubensbekenntnis, das mit dem eigenen Blut ausgedrückt wird. Der Shaheed beweist Allah, dass nicht nur seine Zunge, sondern jedes einzelne seiner Körperglieder und sogar das Blut, das durch seine Adern fließt, bezeugt, dass niemand das Recht hat angebetet zu werden außer Allah.”

Über das zweite Schreiben, das sich mit dem Prozess gegen Filiz Gelowicz beschäftigt, werde ich in den nächsten Tagen etwas schreiben.

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