Tag Archives: Salafiyya

Einige Leseempfehlungen zum Wochenende

In diesem kurzen Post möchte ich einige Artikel empfehlen, die ich zum Verständnis der aktuellen politischen Entwicklungen im Nahen Osten recht hilfreich fand. Bei den anderen werde ich es hoffentlich am Wochenende schaffen sie zu lesen.

Beginnen möchte ich mit einer vor kurzem von der SWP herausgegebenen Studie “Jihadismus und Internet: Eine deutsche Perspektive“. Nach einiger Zeit, die wohl eine Institution wie die SWP, braucht um auf aktuelle Ereignisse zu reagieren, bin ich hoch interessiert die Studie am Wochenende zu lesen, schließlich wurde in den Medien über dieses Thema seit den Ausschreitungen in Bonn und Solingen doch recht ausführlich berichtet.

Zum Thema Syrien kann ich nur eine Report der International Crisis Group empfehlen. “TENTATIVE JIHAD: SYRIA’S FUNDAMENTALIST OPPOSITION“. Er ist zwar recht trocken geschrieben aber dafür sehr informativ und mit das beste was ich über den aktuellen Syrien Konflikt gelesen habe. Für tagesaktuelle Information kann ich den Blog Syria Survey empfehlen.

Bei den andauernden Diskussionen über die Notwendigkeit oder die Möglichkeit einer militärischen Intervention in Syrien ist eine Studie des MIT , vom Juli 2012, sehr interessant: “Safe Havens in Syria: Missions and Requirements for an Air Campaign“.

Durch alle möglichen Medien kreisen immer wieder Meldungen über nicht-syrische Kämpfer unter den syrischen Rebellen und deren mögliche Gefahr für uns im Westen wenn der Konflikt vorbei sein sollte. Dabei weiß meistens keiner wie man die so genannten ‘Foreign Fighter’ definieren soll. Dies hat Thomas Hegghammer vor gut zwei Jahren in einem Artikel versucht, der absolut lesenswert ist: “The Rise of Muslim Foreign Fighters. Islam and the Globalization of Jihad

Zum Schluss möchte ich noch ein Paper des ICSR empfehlen, das erst vor einigen Tagen veröffentlicht wurde: “Al-Qaeda at the Crossroads: How the terror group is responding to the loss of its leaders & the Arab Spring

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IMU – “Tod der Pro-NRW” – Abu Ibraheem al-Almani – Teil I

Eigentlich wollte ich auf meinem Blog nichts über die Auseinandersetzung, in Solingen und Bonn, zwischen Salafisten und den Anhängern von Pro-NRW, schreiben. Da seit gestern Abend allerdings über das am Samstag erschienene Video von Yassin Chouka in fast allen Medien berichtet wird und auch über sehr viele Suchanfragen in diesem Zusammenhang, auf meinen Blog zugegriffen wurde, habe ich mich entschieden nun doch etwas zu der Thematik zu schreiben.

Zunächst werde ich mich mit dem Video (es ist vielmehr eine Audiobotschaft mit einem Hintergrundbild) beschäftigen und genauer auf ihren Inhalt eingehen. Das in der Botschaft zum Mord, als Reaktion auf das Zeigen der Muhammad Karikaturen, aufgerufen wird ist nicht verwunderlich, wenn man die letzten Video- bzw Audiobotschaften der Chouka Brüder kennt. Denn in diesen haben sie bereits offen zu Anschlägen in Deutschland aufgerufen. Somit rufen sie nun “nur” zu Anschlägen gegen eine bestimmte Gruppe auf. Da ich in letzter Zeit einige negative Reaktionen bekommen habe, möchte ich betonen, dass ich die jihadistische Propaganda ablehne und über meinen Blog demjenigen, der an der Materie interessiert ist und sich kritisch mit ihr auseinandersetzen will, die Möglichkeit geben Informationen über die primär Texte zubekommen. Ich verzichte dabei bewusst auf die Links zu den jihadistischen Foren.  Wer sich dennoch die Quellen direkt anschauen will ohne auf eine jihadistische Seite zugelangen kann auf die sehr gute Homepage von Aaron Zelin gehen. Er betreibt den Blog “Jihadology“.

In einem zweiten Blogpost werde ich mich deutschen Salafisten und deren Reaktionen auf die gewaltsamen Auseinandersetzungen, widmen. Insbesondere auf YouTube sind einige Videos aufgetaucht, die ich sehr erschreckend fand. So wird unter anderem die Gewalt der Salafisten als vollkommen legitim eingestuft, da die Polizei es nicht verhindert hätte, dass der Prophet Muhammad durch das Zeigen der Karikaturen beleidigt wird. So wird ebenfalls darauf hingewiesen, welche Reaktionen die Beleidigung des Propheten in der Vergangenheit bereits hervorgerufen hätten. Dabei wird u.a. der Mord an dem niederländischen Regisseur Theo van Gogh, der Mord an zwei US-Soldaten am Frankfurter Flughafen durch Arid U. und die Mordserie von Mohammed Merah in Tolouse genannt (über Mohammed Mera haben die Chouka Brüder auch ein Video gemacht: “Der Ritter von Tolouse”). Diese Verbindungen finde ich erschreckend, zumal sie von in Deutschland lebenden Salafisten kommt, die sich durch die neue Botschaft der Chouka Brüder angesprochen fühlen könnten, da sich das extreme Gedankengut beider sehr nahe zu stehen scheint.

Abu Ibraheem beginnt seine Audiobotschaft, wie es mittlerweile üblich geworden ist, in dem er “seine Geschwister” grüßt.

“meine Speziellen Grüße, hier aus dem Khorassan, gelten heute meinen Geschwistern, den eifersüchtigen Dienern Allahs, aus Solingen und Bonn […]”

Er geht kurz auf die Verteilung der Koranexemplare ein. Dies sei eine Gnade für das deutsche Volk gewesen. Muslime hätten ihre Zeit geopfert um die Barmherzigkeit des Islams zu zeigen.

“Diese Verteilung war Zeichen der Barmherzigkeit, mit der der Islam entsandt wurde und Zeichen der Sorge des Muslims, eine Sorge, die er für seine Mitmenschen trägt, weil es ihn schmerzt, dass die Schätze des Glaubens, die Schätze des Islams, den Menschen verborgen sind.”

Diese Art der Argumentation ist aus vielen Videos oder Texten bekannt, denn für Salafisten kommen alle nicht-Muslime in die Hölle und so würden sie nur aus reiner Nächstenliebe wollen, dass alle zum Islam konvertieren, damit sie davor geschützt sind.

“Zusammengefasst: Unsere Geschwister wollten mit dieser Tat und mit Allahs Hilfe, die Menschen aus der Dunkelheit zum Licht führen […]”

Doch hätten wir Deutsche diesen Aufruf mit Groll auf genommen und ihn sogar als radikal und aggressiv bezeichnet. So hätte die Partei Pro-NRW ihrem Hass auch Taten folgen lassen.

“Sie haben das Maß weit überschritten und ihre Provozierungen brachen das Maß der Geduld und dürfen tatenlos nicht hingenommen werden.

Erneut wurden Karikaturen unseres geliebten Propheten, der uns lieber ist als unsere Eltern, unsere Kinder und lieber als unsere eigenen Seelen […] und es geschah im vollen Bewusstsein, dass es sich um eine Beleidigung handelt”

Abu Ibraheem sei stolz gewesen, als er die Bilder sah, wie die “Feinde Allahs” von seinen “eifersüchtigen Geschwistern” angegriffen wurden. All dies habe er den Mujahideen in Khorassan erzählt.

“Und sie sagten zu mir, ich soll euch von ihnen grüßen und euch sagen, ich soll euch sagen, dass ihr alle töten sollt.”

Im Anschluss gibt er einige Tipps. So hält er es für ratsam wenn die Muslime nicht mehr zu den Veranstaltungen von Pro-NRW gehen würden, denn dort könnten sie von der Polizei verhaftete werden. Denn die Polizei stehe ihnen ebenfalls feindlich gegenüber. Sie müssten ja schließlich auch nicht mehr nachschauen, ob sie die Karikaturen zeigen würden. Denn das haben sie bereits getan und für Abu Ibraheem gibt es laut der “islamischen Scharia'” nur eine Strafe dafür.

Als zweiten ‘Übeltäter’ hat er die Medien ausgemacht, denn die hätten “unter dem Deckmantel der freien Berichterstattung” ebenfalls die Karikaturen gezeigt.

“Der Spiegel, der von den Juden gelenkt wird und andere bekannte deutsche Medienabteilungen, haben unseren Propheten dadurch auch beleidigt. Und auch in diesem Fall sage ich zu euch, lasst eure Eifersucht in einen systematischen Kampf fließen […]”

Die angebliche jüdische Weltverschwörung findet sich immer wieder als Motiv in jihadistischer Propaganda. Deswegen möchte ich kurz auf ein Buch von Carmen Matussek hinweisen: “Der Glaube an eine “jüdische Weltverschwörung”: Die Rezeption der “Protokolle der Weisen von Zion” in der arabischen Welt.”

“Abschließend möchte ich sagen, auch wir, die Mujahadeen in Khorassan, die sich ohnehin schon mit der BRD in einem Kriegsverhältnis befinden, erklären speziell der Pro-NRW den Krieg und haben sie in unsere Kriegsplanung mit aufgenommen. Und so Allah will, werden wir uns an ihnen rächen.”

Dieser Punkt wurde, so wie ich ihn gehört habe, in den Medien teilweise falsch wiedergegeben. Denn dort hörte es sich in dramatischer Weise so an, als ob alle Muslime der BRD den Krieg erklärt haben, bzw erklären sollen. Zu dem ist diese Art der Rhetorik nicht neu, denn man findet sie in einigen der letzten Botschaften der Chouka Brüder.

Den medialen Hype, den diese Audiobotschaft erhalten hat, ist vermutlich dem Umstand der letzten Ereignisse in Bonn und Solingen geschuldet, denn es ist nicht wirklich radikaler oder extremer als die anderen Propagandavideos der beiden Chouka Brüder oder anderer deutscher Jihadisten und diese wurden nur von einigen Zeitungen mit Artikeln bedacht. Dieses neue Video wurde jedoch heute sogar in den Radionachrichten erwähnt.

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Abu Talha al-Almani (Abu Malik) – “Schwester (Umm Sayfillah al-Ansariyyah) bleibe Standhaft”

Am Freitag ist ein neues Nasheed von Abu Talha al-Almani, den meisten vielleicht noch unter Abu Malik bekannt, auf YouTube veröffentlicht worden. Es trägt den Titel “Schwester bleibe Standhaft”. Wie der Titel bereits vemuten lässt ist es von der Melodie her gleich mit dem Nasheed “Mutter bleibe Standhaft” der Islamischen Bewegung Usbekistans. Der Text wurde zwar von Abu Talha al-Almani an die in Haft sitzende Um Sayfillah al-Ansariyya (Filiz G.) und an andere Muslimische Gefangene angepasst jedoch ist die Grundstruktur des original Textes durchaus noch erkennbar.

Das Thema muslimischer Gefangener Beschäftigt Abu Talha bereits länger. Für ihn sitzen sie zu unrecht im Gefängnis, da sie seiner Meinung nach nur die Pflichten ihrer Religion vollführen würden. So hat er unter anderem letzes Jahr die Hompage “Ansar ul-Aseer” (Helfer der Gefangenen) gegründet. Auf dieser und auf diversen andern Internetseiten war die Haft von Um Sayfillah bereits mehrere Male Thema.

An diesem Nasheed kann man sehr gut sehen, wie die Veröffentlichungen von jihadistischen Gruppen, wie zum Beispiel der IMU, hier in Deutschland von radikalen Salafisten rezipiert werden. Diese Videos, Schriften usw. haben in der Szene auch so einen Bekanntheitsgrad, dass es für die deutschen Gruppierungen wiederum lohnend erscheint sich des bereites existierenden Materials zu bedienen. Man muss bei der Terminologie hier allerdings immer beachten, dass die Begriffe Salafismus und Jihadismus nicht als Synonyme gebraucht werden können. So ist es falsch, wenn der Verfassungschutz Berlin letztes Jahr in einem Bericht über jihadistische Anasheeds schreibt, dass Jugendliche durch diese mit der salafistischen Ideologie indoktriniert würden. Sie werden viel mehr durch Anasheeds, wie die von Abu Talha, mit jihadistischem Gedankengut vertraut gemacht und gewinnen vielleicht auch durch die moderene Aufmachung gewisse Sympathien dafür. In den nächsten Wochen werde ich mich in einem separaten Post mit Anasheeds und der jihadistischen Radikalisierung  beschäftigen.

Noch am selben Abend, an dem das Nasheed bei YouTube eingestellt wurde, erschien eine Version mit englischen Untertiteln. Mittlerweile gibt es auch eine mit Untertiteln auf Urdu. Das passt zu den immer internationaler werdenden Bestrebungen der Gruppe um Abu Talha al-Almani und Abu Usama al-Gharib. So haben sie angekündigt einen YouTube Kanal ihrer Homepage Millat ul-Ibrahim auf Urdu ins Leben zu rufen. Der Trailer für diesen Kanal erschien ebenfalls am Freitag.

In der ersten Strophe des Nasheeds erklärt Abu Talha, dass sie die Lage von Filiz G. zur Kenntnis genommen hätten. Er erkärt unumwunden, dass sie sich im Jahd befinden würden. Gegen wen dieser gerichtet ist, wenn ein Nasheed, von einem in Deutschland lebenden auf deutsch an eine ebenfalls hier im Gefängnis sitzende gerichtet ist, dürfte auf der Hand liegen.

“Schwester bleibe Standhaft, Wir sind im Jihad / Trauer bitte nicht mehr, Denn wir haben dich gehört

Die Umma ist am Schweigen, Doch wir haben dich gehört / Schwester bleibe Standhaft, Denn wir sind im Jihad

Die Umma ist am Schweigen, Doch wir haben dich gehört / Schwester bleibe Standhaft, Denn wir sind im Jihad”

Die nächste Strophe hat in ungefähr den gleichen Tenor. In der dritten Strophe sagt Abu Talha, dass er sich auf den Weg gemacht hätte. Dieses auf den Weg machen, kann, wenn man es etwas plump übertragen will, mit in den Jihad ziehen gleichgestetzt werden –  was auch immer das genau bedeuten mag.

“Mich auf meinen Herrn verlassend, Machte ich mich auf den Weg / Fi-Sabilillah, egal wohin es geht

egal in welche Städte, Der Bundesrepublik / Schwester bleibe Standhaft, Allah verspricht den Sieg

egal in welche Städte, Der Bundesrepublik / Schwester bleibe Standhaft, Allah verspricht den Sieg”

Es folgt eine Beschwerde von Abu Talha, dass von Seite des Deutschen Staates seine Anasheeds und damit einhergehende seine jihadistische Weltanschauung bekämpft wird, wie er es formuliert. Wichtiger ist allerdings, dass er die Bemühung für die Freilassung muslimsicher Gefangener, wie Filiz G. als eine Pflicht darstellt. Über die Erfüllung oder Vernachlässigung dieser Pflicht würden sie am Jüngsten Tag befragt.

“Schwester hörst du nicht, Sie bekämpfen mein Nasheed / Schwester hör die Schreie von Usama al-Gharib

geehrte Schwestern sind gefangen, darüber werden wir befragt / Schwester bleibe Standhaft, Denn wir sind im Jihad

geehrte Schwestern sind gefangen, darüber werden wir befragt / Schwester bleibe Standhaft, Denn wir sind im Jihad”

In der übernächsten Strophe geht er darauf ein, dass ihre Gefangennahme nichts an ihren Zielen und Absichten ändern würde.

“Schwester wenn die uns gefangen nehmen, Dann glaub nicht wir geben Ruh / vielmehr werden wir mehr tun bis zum letzten Atemzug

Wir vertrauen auf Allah, Mit ihm haben wir nie versagt / Auch wenn wir gefangen sind, geht er weiter der Jihad

Wir vertrauen auf Allah, Mit ihm haben wir nie versagt / Auch wenn wir gefangen sind, geht er weiter der Jihad”

In den letzten beiden Strophen geht er auf die avantgardistische Rolle ein, die seiner Meinung nach, seine Gruppe ein nimmt. Denn nur sie würden etwas für die Freilassung von Um Sayfillah al-Ansariyyah tun. Ebenso ist er davon überzeugt, dass die Tawaghit (Götzenanbeter hier wohl der Deutsche Staat) zerstört werden wird. Für Abu Talha ist dies Gott gewollt.

“Schwester sei nicht traurig, Denn wir haben dich gehört / Trauer nicht mehr länger, die Tawaghit werden zerstört

Ob sie wollen oder nicht, Allah versprach uns diesen Sieg / Umm Sayfillah al-Ansariyy, Ja dies ist dein Nasheed

Ob sie wollen oder nicht, Allah versprach uns diesen Sieg / Umm Sayfillah al-Ansariyy, Ja dies ist dein Nasheed

 

Die Umma ist geblendet, Doch wir wurden geehrt / Schwester bleibe Standhaft, kein Ende des Jihads

Die Umma ist geblendet, Doch wir wurden geehrt / Schwester bleibe Standhaft, kein Ende des Jihads”

Zum Schluss möchte ich noch kurz auf einen Kommentar eingehen, den ich auf einme Blog gefunden habe, auf dem dieses Nasheed gepostet wurde.

” Möge Allah subhenehu ue teale uns ermöglichen die Schwerter bzw. Kalasch[n]ikows auch hier in Europa hoch zu halten. Wir bitten Ihn uns siegreich zu machen und die Flagge des Islam wehen zu lassen.”

Das Zitat drückt glaube ich recht gut die Wirkung solcher Lieder aus, die von den Machern, in diesem Fall Abu Talha al-Almani, gewünscht ist.

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Die Strömungen des Salafismus

In den letzten Monaten wabert immer wieder ein Begriff durch die deutschen Medien, der meist missverstanden und oft falsch gebraucht bzw. unzureichend erklärt wird. Die Verwendung des Begriffs “Salafismus”, hat sich im Sprachgebrauch, vor allem der Medien, so weit eingebürgert, dass meines Erachtens nach alles konservativ islamische mit diesem Begriff tituliert wird, ohne die Nötige Differenzierung. Dabei er gibt sich jedoch ein Problem. Puristische, apolitische Salafisten, werden mit dem selben Label versehen wie terroristische Organisationen, die ihre Ideologie an den Salafismus anlehnen – zum Beipiel al-Qaeda.

Als ein Beispiel für die mehr als unglückliche Verwendung und Erklärung möchte ich ein Zitat aus der Süddeutschen Zeitung vom 20 Juni 2011 anführen.

“[Der] Salafismus ist eine Spielart des Wahhabismus, der übersteigerten puritanischen saudischen Staatsreligion.”

Diebe der Revolution” in Süddeutsche Zeitung S. 3 vom 20. Juni 2011

In diesem Artikel werde ich die verschiedenen Entwicklungen des Salafismus aufzeigen, von den historischen Vorbildern, den so genannten as-salaf as-salih (die rechtschaffenen Altvorderen; die Gefährten des Propheten Muhammads, bis in die dritte Generation) über den “reformistischen Salafismus” alà ‘Abduh und Rida, über “politischen Salafismus” der Muslimbrüderschaft. Abschließend wende ich mich dem “jihadistischen Salafismus” zu, als deren Hauptvertreter al-Qaeda allen bekannt ist.

Dabei halte ich mich an das von Wiktorowicz ausgearbeitet Model, der den Salafisms, in drei Strömungen einteilte, die puristische, die politische und die jihadistische. Quintan Wiktorowicz ist insbesondere durch seine Verbindung der Social Movement Theory mit islamistischen Bewegungen bekannt.

Als die historischen Vorbilder, im wahrsten Sinne des Wortes, dienen der Prophet Muhammad, dessen Gefährten und all jene die Muhammad oder dessen Gefährten noch persönlich kennen konnten. Deswegen hat man die Grenze bei der dritten Generation nach Muhammad gesetzt. Die frühe Gemeinde, die sich um den Propheten sammelte, wird als die ideale Form von Gemeinschaft angesehen, weswegen sie heute noch als Vorbild dient. Einige Salafisten kleiden sich deswegen dem Beispiel Muhammads entsprechend.

Besondere Beliebtheit, erlangte der Begriff “Salafismus”, Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts. Zu verdanken, hatte er dies, vor allem der Reformbewegung, deren beiden Köpfe ‘Abduh und Rida’ waren. Sie wirkte hauptsächlich von Ägypten aus und ihre Ideen ging auf Afghani zurück. Die Anhänger des “reformistischen Salafismus”, waren um einiges liberaler, als die heutigen Salafisten. Sie wollten den Islam an die Moderne anpassen durch Reformen des Bildungs-, Wirtschafts- und Herrschaftssystem. Die gegenwärtigen Salafisten beziehen sich in aller Regel nicht auf die genannten “reformistischen Salafisten”. Sie halten diese, zum Teil, sogar als vom Glauben abgefallen.

Die wirklichen Vordenker der heutigen Salafisten, sind insbesondere Ahmad b. Hanbal, Begründer der hanbalitischen Rechtsschule, sowie Taqi ad-Din b. Taymiyya und Muhammad b. Abd al-Wahhab. Sie beeinflussten alle drei Richtungen des gegenwärtigen Salafismus (puristisch, politisch und jihadistisch), auf die ich im folgenden näher eingehen werde.

Als erste Gruppe der Salafisten, sind die puristischen zu nennen. Diese sind in ihrer Haltung apolitisch und vor allem auf das Beibehalten ihrer puritanischen Lebensweise bedacht. Ein gutes Beispiel für diese wären zum Beispiel die saudische Variante des Salafismus sowie die Tablighi Jama’at, eine missionariche Gruppe, die in den 1920er in Indien gegründet wurde. Das Hauptziel des “puristischen Salafismus” ist zum einen der Aufruf bzw. die Missionierung zum Islam (Da’wa), ebenso wie der Kampf gegen Praktiken, die sie als nicht islamisch betrachten. So zum Beispiel die Verehrung von Heiligen durch Sufis. Sie lehnen jegliche politische Partizipation ab, da dies ihrer Meinung nach zum moralischen Verfall führt. Dementsprechend lehnen sie unter anderem auch die Beteiligung an Wahlen ab, denn ihre Auslegung des Tawheed (Monotheismus) ist sehr streng. Gott ist für sie auch im politischen Bereich die einzige legitime Souveränität und durch Wahlen würde der Mensch an dessen Stelle treten. “Puristische Salafisten” sehen sich allerdings nicht als eine politische Bewegung, sondern vielmehr als Avantgarde zum Schutz des “wahren Islams”. Dieses avantgardistische Gedankengut ist meiner Meinung nach allen salafistischen Strömungen zu eigen. Da sie sich für die einzigen Vertreter des “wahren Islams” halten, haben sie viele Ressentiments gegen andere salafistischen Gruppen. Ihnen werfen sie vor, sie würden dem von Muhammad vorgezeichneten Weg verlassen und mit rationalen Gedanken versuchen die politische Veränderung zu erreichen. Dadurch würden sie auch die Prinzipien des Islams vernachlässigen. Solche Vorwürfe erheben zum Beispiel regelmäßig “salafistisch jihadistische” Gruppierungen in Gaza gegen das dortige Hamas Regime.

Die zweite Gruppe sind die “politischen Salafisten“. Sie gehen historisch auf die, 1928 von dem ägyptischen Lehrer Hassan al-Banna gegründete, Muslimbrüderschaft zurück. Diese wollte eine Volksbewegung ins Leben rufen. Denn ihrer Meinung nach würde einer Reform des Islams unweigerlich eine soziale Revolution nachfolgen. Für die Muslimbrüderschaft, deckt der Islam alle Bereiche des Lebens ab. In den 1930er und 40er begannen die Ideen der Muslimbrüderschaft den islamischen Diskurs zu dominieren und gewann die Oberhand gegenüber nationalistischen Ideen und Weltanschauungen. Mit dem Beginn der 1950er und dem Machtantritt Nasers veränderte sich vieles für die Muslimvrüderschaft. Es kam vermehrt zu Zusammenstößen zwischen ihnen und den arabischen Regimen in Ägypten, Jordanien und Syrien. Der wohl wichtigste Ideologe aus dieser Zeit war Sayyid Qutb. Vor allem durch durch die Ideen Qutbs verlor der “politische Salafismus” der Muslimbrüder, die letzten Reste der reformistischen Ideen, die noch in ihrer Ideologie vorhanden waren. Hassan al-Banna war in seinem Denken sehr von ‘Abduh und Rida insperiert worden.

Nach dem brutalen Vorgehen Nasers gegen die Muslimbrüder, gingen jene, die nicht verhaftet wurden, nach Saudi Arabien ins Exil. Dort ist der so genannte “Wahhabismus” die vorherrschende Variante des Islams. Der “Wahhabismus” gehört zur puristischen Strömung des Salafismus und entstand auf der Arabischen Halbinsel des 18. Jahrhunderts. Der Name dieser Richtung geht auf den Begründer und Reformer Muhammad b. ‘Abd al-Wahhab zurück. Er predigte einen sehr fundamentalen Islam und lehnte jegliche Form von Aberglauben ab.

Die nach Saudi Arabien geflohenen Muslimbrüder schafften es schnell in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen, insbesondere in den Universitäten. Von diesn aus war sie sehr erfolgreich darin, ihre Ideologie zu verbreiten, obwohl sie im Kontrast zum “puristischen Salafismus” Saudi Arabiens stand. So gingen aus dem saudischen Bildungssystem immer mehr politisch sensibilisierte Menschen hervor, die in ihre Heimatländer, in der gesamten Arabischen Welt, zurückkehrten oder zum Beispiel nach Afghanistan um dort gegen die Soviets zu kämpfen. Unter diesen Studenten waren zum Beispiel Abdallah Azzam und Abu Muhammad al-Maqdisi. Aus den saudischen Studenten, die in ihrem Heimatland blieben und nun politisch hoch sensibilisiert waren, ging unter anderem die al-Sahwa Bewegung hervor. Sie übte heftige Kritik am Klerikalen Establishment Saudi Arabiens, weil es die Präsenz amerikanischer Truppen auf der Arabischen Halbinsel in einer Fatwa (Rechtsgutachten) erlaubt hatten. Der Hauptkritikpunkt war, dass sich die “puristischen Salafisten” so sehr auf ihr religiöses Seelenheil konzentrieren würden und sich dadurch vollkommen von der politischen Welt isoliert hätten, weshalb sie nicht genügen über diese wüßten um auf aktuelle Situationen angemessene Rechtsgutachten zu erlassen.

Die dritte Gruppe innerhalb des Salafismus, ist die jihadistische (Salafiyya Jihadiyya). Diese ist die in den Medien wohl präsenteste. Die salafistisch-jihadistische Ideologie entstand während des Afghanistan Kriegs, gegen die Sowjet Union. Sie basiert auf den beiden oberen Versionen des Salafismus. Zu beachten ist, dass die “Salafiyya Jihadiyya” keine homogene Untergruppe des Salafismus ist. Wie auch bei den anderen, differenzieren sich die Anhänger in diversen Spektren aus. Die jihadistischen Salafiten, sehen sich wie die anderen Salafiten auch, als die einzig wahren Muslime. Sie verbinden die, für den Salafismus, typische wortgetreue Auslegung des Korans mit einer tiefen Überzeugung für die Notwendigkeit des Jihads, der für sie in erster Linie eine gewaltsame Auseinandersetzung ist. Auf Grund dessen steht der Jihad, für sie, auf der selben Stufe wie die “fünf Säulen des Islam”. Somit wird er als eine der Grundlagen des Islams dargestellt.

Sie lehnen die im Islam übliche Meinung ab, das der Jihad, nur als ein defensiver Verteidigungskrieg geführt werden darf. Vielmehr sind Jihadisten davon überzeugt, dass es die Pflicht eines jeden Muslims sei, den Jihad aktiv und vor allem aggressiv zu führen. Der Jihad wird so in ihrer Ideologie, von einem defensiven, zu einem aggressiven Angriffskrieg. Dazu fällt allerdings in ihrer Rhetorik auf, dass sie versuchen, den Westen, oder die Arabischen Regime, als den Aggressor darzustellen und so doch versuchen, ihre Ansichten in der Mainstream- Meinung zu verpacken. Die Ansicht, dass der Jihad aggressiv zu führen sei, geht in erster Linie auf Sayyid Qutb zurück.

“Qutb advocated jihad to establish an Islamic state. In doing so, he argued angainst well-established Islamic legal opinions that jihad was primarly a strugel against the soul (jihad al-nafs) or a defensive war to protect the Muslim community. In kind of Islamic liberation theology, he argued that force was necessary to remove the chains of oppression so that Islamic truth could predominate.”

Wiktorowicz: A Genealogy of Radical Islam. 2005. S. 79

Quintan Wiktorowicz, macht in seinem Artikel “A Genealogy of Radical Islam” vier große Unterschiede zwischen den “normalen Salafisten” und den “jihadisten Salafisten” aus.

  1. Der Gebrauch des takfir (jemanden als Apostaten erklären) und ob dies auch für Herrscher gilt und der Jihad dann gegen sie geführt werden darf bzw. geführt werden muss
  2. Unterschiedliche Ansichte über den Jihad (defensiv – aggresiv)
  3. Zulässigkeit Zivilisten anzugreifen
  4. Die Legitimität von Selbstmordanschlägen

Die Mehrheit der Muslime lehnt die Praktik des takfir nicht grundlegend ab. Viele Salafisten sind der Meinung, dass ein Herrscher ein Kafir (Ungläubiger) werden kann, wenn er wissentlich Gesetze erlässt, die im Widerspruch mit der Scharia’ stehen. Allerdings gibt es auch hier wieder unter den “jihadistischen Salafiten” diverse Meinungen.  Al-Qaeda und ihr nahestehende Gruppen, titulieren regelmäßig arabsiche bzw. muslimische Herrscher als Ungläubige. Da es nun erlaubt sei, aus ihrer sicht, die Herrscher, die keine Muslime mehr seien, anzugreiffen und zu töten.

Für Wiktorowicz, ist die Bereitschaft, auch Zivilisten als legitime Ziele zu betrachten, ein Phänomen, das erst seit dem Algerischen Bürgerkrieg für “jihadistische Salafisten“, hoffähig wurde.

In seinem wirklich guten Buch “The Globalization of Martyrdom“, stellt Assaf Moghadam einen Kriterienkatalog auf, wann eine Bewegung zur Gruppe der “jihadistischen Salafisten” gehört. Dafür muss sie dem sunnitischen Islam angehören und eines der weiteren vier Kriterien erfüllen:

  1. Sie ist Mitglied oder affiliiert mit al-Qaeda – dies zeigt sich im Namen
  2. Sie hat al-Qaedas Weltanschauung übernommen und praktiziert den globalen Jiahd
  3. Sie übt Gewalt aus, um ein islamisches Regime zu stürzen und an Stelle dessen ein Kalifat zu errichten
  4. Sie betreibt die Praktik des takfir

Moghadam: The lobalization of Martyrdom. 2008 S. 50

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass bei der Benutzung des Wortes “Salafismus” und anderer religiöser Begriffe, in diesem Zusammenhang, Vorsicht geboten ist. Zudem sollte man sich des Unterschiedes bewusst sein, der zwischen den Gruppierungen besteht, die gerne mit “radikal islamisch” beschrieben werden. Denn so konservativ und radikal zum Beispiel die Hamas auch sein mag, wird sie dennoch von salafistischen Gruppierungen regelmäßig kritisiert und angegriffen.

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Anasheed für den Jihad?

Wie unter anderem die New York Times gestern in einem Artikel berichtete beschuldigen deutsche Behörden den ehemaligen Rapper Denis Mamadou Cuspert (Abou Maleeq) aktiv für den Jihad zu werben. So zitiert die New York Time deutsche Beamte, dass Abou Maleeq den Frankfurter Attentäter Arid U. inspiriert hätte – bei dessen Anschlag im März diesen Jahres starben 2 U.S. Soldaten. Der Artikel fährt fort, dass Abou Maleeq zwar jegliche direkte Beteiligung an dem Anschlg zurückweist aber zugleich nichts verwerfliches an der Tat findet, denn Arid U. hätte ja Soldaten, die auf dem Weg gewesen wären um Muslime zu tötetn und keine Zivilisten getötet. Diese Art der Legitimierung des Anschlags fand man in den meisten jihadistischen Statements dazu (siehe hier).

Seitdem Rapper Denis Mamadou Cuspert seine Musik Karriere beendete tritt er hauptsächlich als islamsicher Prediger und als Sänger von Anasheeds auf, die meiner Meinung nach als jihadistisch bezeichnet werden können. Im folgenden führe ich einige Textstellen von ihm an, die dass gut verdeutlichen.

Wofür wir stehen

Allah segne unseren Weg, egal wohin er geht

für Gerechtigkeit ya Allah, unser Blut für Shuhada

Unsere Brüder schreien und fallen, Heiliger Boden wo Bomben fallen

Mein Herz schlägt für Jihad und das bis zum Jüngsten Tag

[…]Auf der Suche nach dem Tod, unsere Geschwister sind in Not

Sheikh Usama

“Generationen hast du geprägt, und die Umma neu geprägt

Fi-Sabilillah Jihad, fühlt wie die Erde bebt

mit unserem Blut bezahlen wir den Preis, und meinet nicht wir wären Tod

[…] Unser Weg kennt nur ein Ziel, die Zufriedenheit Allahs

die höchste Stufe im Firdaus (Paradies), nur zu erreichen mit Ikhlas (Aufrichtigkeit)

[…]Sheikh Usama bin Laden, dein Name fließt in unserem Blut”

Seit längerem betreibt Denis Mamadou Cuspert eine Hompage, durch die er Spenden sammeln will, um muslimischen Gefangenen zu helfen, zum Beispiel in dem er die Kaution für sie durch diese Spenden bereitstellt. So hat er seine Seite  passender Weise Ansar al-Aseer (Helfer der Gefangenen) genannte. Die dazugehörige Facebook Gruppe hat ca. 850 Anhänger. Auf Ansar al-Aseer veröffentlicht er in unregelmäßigen abständen Texte. Mit einem von diesen will ich mich heute noch kurz auseinandersetzten. Der Text ist ein Kommentar und eine Zusammenfassung des Statements von Abu Usma al-Gharib (einem der Mitbegründer der GIMF, der in Österreich im Gefängnis sitzt). In seinem Statement, das im August diesen Jahres auf Arabisch veröffentlicht wurde, wirft er Deutschland vor weibliche muslimische Gefangene, namentlich Filiz G., zu foltern und ihnen zu verbieten den Hijab zu tragen. Als Reaktion darauf fordert er Anschläge sowohl innerhalb Deutschlands, als auch auf deutsche Ziele im Ausland. Filiz G. distanzierte sich allerdings von dem Statement.

Das Schreiben trägt den Titel “Schande über uns den untätigen schlafenden! Unsere Schwester, erniedrigt, entblösst und entehrt im Gefängniss des Taghut”. Zu erst erbost Abou Maleeq sich darüber, dass man die Nachricht über die Folterung einer Muslima von einem Gefangenen erhalten müsse. Diese würden sich in Gefangenschaft befinden, weil sie nur ihren Schöpfer anerkennen würden und ihm folgen würden. Somit ist zu vermuten, dass für ihn unter anderem die Unterstützung einer Terrororganisation in den oben genannten Rahmen passt. Sie wären im Gefängnis

“allein aus dem Grund, weil sie einzig und allein ihren Schöpfer anerkennen, anbeten, folgen und gehorchen, sich keinem untergeben, ob Präsident oder König, seien es ihre Gesetze und Verordnungen – ihre Niderwerfung und Ergebenheit gebührt einzig Ihrem Herrn, dem Höchsten und über alles Erhabenen, dem Schöpfer aller Dinge und nicht der Schöpfung, allein Seiner Gesetzgebung, der Wahrheit und Gerechtigkeit und keiner der menschlichen Gelüsten und Neigungen entsprungenen Gesetzgebungen, fehlerbehaftet und voller Makel, bestimmt durch ihre Interessen – Geld, Macht, Reichtum, Ansehen und all ihre Begiereden im Diesseits.”

Die Mehrheit der Muslime hätte sich bereits so dem Westen angepasst, dass die Gefangenen, die dem wahren Islam folgen würden, ihnen fremd wären und sogar von ihnen getadelt würden.

“Die Gefangenen sind fremd, selbst unter ihren Glaubensbrüdern, in Vergessenheit geraten und finden keine Erwähnungen von jenen, die behaupten die Ummah anzuführen, zu lehren und auf der Mimbar zu stehen, das Rechte zu gebieten und das Schlechte zu verbieten – nein vielmehr bewegt sie, was ihnen nicht schadet und keine Probleme bereitet […] Und wenn die Aseer von einigen dieser Ummah erwähnt werden, werden sie verleugnet und fallen gelassen, es wird sich von ihnen distanziert und die Loyalität ihnen gegenüber, selbst wenn auf ihnen Fehler oder Sünden lasten sollten – jene kehren sich von ihnen ab und darüberhinaus attackieren sie mehr als so manch ein Kafir und Feind Allahs.”

So würde ihn auch nicht die Nachricht von Abu Usama al-Gharib überraschen, dass Filiz G. gefoltert werde. Im weiteren Verlauf beschreibt er die angebliche Folter und Erniedrigung sehr detailiert und fordert seine Glaubensgenossen dazu auf, ihr zur Hilfe zukommen.

“Tief am boden, kriechend, auf der Suche nach mehr Dunya, fern von Problemen für Allahs Sache, in der Masjid, bei der Familie, in Ruhe und Gelassenheit, als würde man im islamischen Staat leben, man diskutiert über jede kleinste Sache, über Sunnan und Pflichten, doch vergisst man die Ehre und Würde unserer Ummah, unsere Schwester, erniedrigt und gefoltert von den Feinden Allahs und wir finden keine Erwähnung über diese Angelegenheit, erwägen nichts zu tun und sei es nur ein Wort der Wahrheit gegen diese Feinde Allahs; sie zu entblößen, ihre Machenschaften und Verbrechen aufzuzeigen und unsere Schwester zu verteidigen – wo sind die sogenannten Salafis – die Folger der rechtschaffenen Vorfahren, wo sind sie, wenn es heisst der höchsten Pflichten nachzukommen, wenn es heisst Opfer zu bringen und Probleme um Allahs Willen auf die Schulter zu lasten, […]

Während unsere Schwester erhaben über uns fliegt, fern von dieser Dunya, im Herzen schon ein grüner Vogel des Paradies, auf der Suche nach der Zufriedenheit ihres Herrn und getrieben nach Sehnsucht zur Widerkehr zum Höchsten, kleben wir wie die Fliegen am Honig, bis wir darin untergehen und bereuen unsere Rüssel zu tief in die Süße dieser Dunya eingetaucht zu haben – da wird uns ein Khameez und eine faustlanger Bart nichts nützen.”

Seiner Meinung nach sei nicht Filiz G. die wahre Gefangene sondern eben alljene Muslime, die sich zu sehr auf alles Diesseitige beschränken würden.

“Möge Allah uns zu jene machen, die emporsteigen und niemals fallen werden und den Tod der Shuhadah und Siddiqin und das Wohlgefallen des Höchsten erlangen werden.”

Das Erlangen des Märtyrertods ist ein immer wiederkehrendes Motiv, sowohl in seinen Anasheeds als auch in seinen anderen Statements. Dies ist führ mich mit einer der deutlichsten Hinweise, dass er so indirekt den Jihad gut heißt und dazu aufruft.

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IMU – Mutter bleibe standhaft – Abu Ibraheem al-Almani

Heute will ich mich kurz mit einer schon etwas älteren Predigt von Abu Ibraheem al Almani (Yassin Chouka) beschäftigen. Die Predigt trägt den Titel “Mutter bleibe standhaft” und ist im Oktober vergangenen Jahres veröffentlicht worden. Er richtet sie an alle Mütter, deren Söhne, sowie er nach Pakistan ausgewandert sind um sich dort am Jihad zu beteiligen. Am Ende des Videos ist noch ein Nasheed, das ungefähr den selben Inhalt hat und zu dem versucht deutsche Muslime für den Jihad zu begeistern, so dass sie sich aktiv an ihm beteiligen (Hier ist ein interessantes Interview mit Guido Steinberg über deutsche Jihadisten). Bevor ich auf das Video eingehe will ich hier noch den Text des Nasheeds einfügen. Interessant finde ich die Passagen, in denen er von der unerfüllten Pflicht spricht und das er erweckt wurde. Hier kommt meiner Meinung nach sehr gut das avantgardistische Denken einiger jihadistischer Gruppierungen zum Vorschein.

“Mutter bleibe Standhaft ich bin im Jihad
Trauer nicht um mich und wisse er hat mich erweckt

Die Umma ist geblendet doch ich wurde geehrt
Mutter bleibe Standhaft dein Sohn ist im Jihad

Die Schreie wurden lauter die Wunden nahmen zu
Die unerfüllte Pflicht sie ließ mir keine Ruhe

Noch heute muss ich gehen morgen wäre es schon zu spät
Mutter bleibe Standhaft dein Sohn ist im Jihad

Mich auf meinen Herrn verlassend machte ich mich auf den Weg
Fi Sabilillah egal wohin es geht

Egal wie weit die Wüste und egal wie hoch der Berg
Mutter bleibe Standhaft dein Sohn ist im Jihad

Mutter siehst du nicht was geschieht in Filistin
Mutter hörst du nicht die Bomben im Irak

Unsere Geschwister sind gefangen darüber werden wir befragt
Mutter bleibe Standhaft dein Sohn ist im Jihad

Mutter während deine Tränen tropfen fließt das Blut im Shisham
Die Juden und die Christen sind hier in Khorassan

Man beleidigt den Propheten und man tritt auf den Koran
Mutter bleibe Standhaft dein Sohn ist im Jihad

Mutter wenn ich auf dem Schlachtfeld falle, dann glaub nicht ich sei Tod
Vielmehr bin ich lebendig an einem besseren Ort

In einem grünen Vogel fliegend werd ich von meinem Herrn versorgt
Mutter bleibe Standhaft dein Sohn ist im Jihad

Mutter bleibe standhaft ich bin im Jihad
Die Umma ist geblendet doch ich wurde geehrt

Mutter bleibe Standhaft dein Sohn ist im Jihad
Trauer nicht um mich und wisse er hat mich erweckt”

Nun will ich mich aber mit der Predigt von Abu Ibraheem al-Almani auseinandersetzen.

Sie beginnt mit den üblichen religiösen Formeln. Er sagt, dass er diese Predigt allen Müttern widmen würde, deren Söhne sich “auf dem Boden der Ehre und dem Boden der Shuhada'” befinden würde und das er sich im Ribat (Festung, die als Ausgangspunkt für Schlachten dient – im heutigen Sinne vllt ein Terrorcamp) befinde.

Er beschreibt wie sehr er seine Mutter vermisst und das es ihr genau so gehen würde. Er hätte Sehnsucht nach ihr aber er verließ sie weil er sich durch die Nachrichtenbilder von den Toten und Verstümmelten Muslimen in Afghanistan und Irak, veranlasst sah sich den Mujahideen anzuschließen. Er stellt die rhetorische Frage wie er bei solchen Bildern sitzenbleiben könnt. Die Bilder aus Abu Ghraib nennt er auch als einen der Gründe, die ihn dazu gedrängt hätten in den Jihad zu ziehen. Um wie er es sagt, den Muslimen die Freiheit zu bringen. Aber die Umma hätte ihre Aufgabe vergessen, die seiner Meinung nach nicht nur im privaten Glauben liegt sondern den kämpferischen Jihad mit einschließt.

Ein weiterer Grund ist, dass nirgendswo auf der Welt das Gesetz Allahs regieren würde. Sondern was er als viel schlimmer und demütigender empfindet, ist das die Muslime von anderen regiert werden. Die Regime der muslimischen Länder, hätten sich die Feinde des Islams zu Verbündeten genommen und würden mit deren Hilfe das Schlechte gebieten und das Gute verbieten. Innerhalb des Islams aber vor allem der Salafiyya ist das Dogma “das Gute gebieten und das Schlecht verbieten” eines der wichtigsten. Hier geht er auch wieder darauf ein, dass die Muslime nicht merken würden, dass der Westen und die arabischen Regime gegen sie kämpfen würden. Da er aber sich all dessen bewusst ist und der Jihad eine allgemeine Pflicht, müsse er in den Jihad ziehen, denn ansonsten würde er eine Sünde begehen.

Als  nächstes geht er auf das Paradies ein, dass ihn erwarten würde. Dort würde er auch seine Mutter wiedersehen. Das Paradies beschreibt er natürlich in den schönsten und bunten Tönen. Wenn sich seine Mutter Sorgen um ihn machen würde, dann dürfe sie das nur machen ob er ins Paradies komme aber nicht ob es ihm gut gehe oder er am Leben bleibe.

Die Predigt beendet Abu Ibraheem mit einer Geschichte und er bittet seine Mutter, dass sie für ihn bete, denn dies sei die Zeit in der Allah den wahren Islam wieder beleben würde..

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Statements salafistisch (jihadistisch) deutscher Internetseiten zum “Frankfurter Attentat”

Nach dem schrecklichen Anschlag, bei dem gestern zwei amerikanische Soldaten gestorben sind, möchte ich  kurz einige Statements deutschsprachiger salafistischer jihadistischer Internetseiten, zu diesem Thema, beleuchten.

Mittlerweile  wird wohl davon ausgegangen, dass Arid U. ein Einzeltäter war und keine terroristische Organisation hinter sich hatte. Er soll sich in letzter Zeit wohl auffallend schnell im Internet, durch den Besuch salafistischer Internetseiten, die zum Teil auch direkt zum Jihad aufrufen, radikalisiert haben. So sagt die Frankfurter Rundschau (siehe hier), dass er auf seiner Facebookseite, die seit heute Morgen gesperrt ist, Pierre Vogel bei seinen Interessen angab. Pierre Vogel ist Mitglied im Verein “Einladung zum Paradies” (EZP), der in Deutschland als sehr dubios wahrgenommen wird und auch immer wieder unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes steht.

Zunächst möchte ich auf ein Videostatement des Vereins “Einladung zum Paradies” eingehen, in dem sich Sven Lau – ein deutscher Konvertit – von dem Anschlag distanziert und die Verbindungen, die laut der Presse zwischen seinem Verein und Arid U. bestanden haben sollen leugnet. In seinen Augen ist das die typische Hetze der Medien. Allerdings ist dieses Video, sowohl auf der Seite von EZP als auch auf YouTube gelöscht worden, sobald es wieder auftaucht werde ich noch etwas näher drauf eingehen.

Als zweites möchte ich auf den Beitrag eines Blog eingehen, der vor allem durch die Verbreitung jihadistischer Materialien sich größerer Beliebtheit erfreuen dürfte. So veröffentlicht dieser Blog regelmäßig Video – und Audiodateien, sowie Statements der Islamischen Bewegung Usbekistans.

Zuerst schildert er nur die Ereignisse, ohne diese zu kommentieren. Er zitiert den hessischen Innenminister und übernimmt dessen Deutung, dass es sich bei dem Attentat um eine islamistisch motivierte Tat handele. Als Begründung für die Tat, die für ihn wohl vollkommen legitim ist führt er an, dass die „westlichen Kreuzritter“ nun auch schon in Europa unbeliebt seien.

“Die Unbeliebtheit der westlichen Kreuzfahrer macht sich nicht nur dort, wo sie Terror verbreiten bemerkbar, sondern auch hier in Europa nimmt der Hass auf sie zu.

Möge Allah  (swt) den Bruder aus Kosovo für seine wundervolle Tat segnen und beschützen und dem Terror der Kreuzfahrer ein Ende bereiten.”

Am Schluss will ich noch auf ein drittes Statement eines deutschsprachigen jihadistischen Blogs eingehen. Dieser beginnt mit der Feststellung, dass das Attentat „islamisch motiviert“ gewesen sei. Danach kommentiert er einen Artikel von „Die Welt“, an dem man seiner Meinung nach die schlecht Qualität des deutschen Journalismus bemerke. Diesen bezeichnet er im Laufe des Textes immer wieder als „Gossenjournalie“. Dabei stellt sich ihm zuerst die Frage nach dem Tatmotiv, die er sehr ähnlich zum vorherigen Statement beantwortet. Der Autor hat den Blog des vorherigen Statements mitbegründet, bevor er sich “selbstständig machte. Somit dürfte nicht verwundern, dass die beiden Meinungen doch recht nahe beieinander liegen.

Da haben wir schon ja schon ein passendes Tatmotiv. Die Kuffar führen Krieg gegen die muslimischen Länder  und töten dort Muslime. Und es braucht auch keiner so tun als ob das nicht so wäre oder scheinheilig retorische Fragen stellen. Es ist so.”

Einen weiteren Punkt, der ihn aufregt, ist die Doppelmoral, mit der der Westen, seiner Meinung nach, dieses Attentat und zum Beispiel Angriffe der ISAF unterschiedlich bewertet.

“Man muss sich aber vorher schlau machen, denn so theatralisch wurde nicht mal über die totgebombten Afghanen (entführte Tanklaster wurden bombardiert aber soviele tote Zivilisten? Also irgendwas is daran faul…)  hierzulande berichtet obwohl die Bundeswehr dieses Massaker zu verantworten hatte. Es gibt einen Begriff für  solche eine Haltung: Doppelmoral.”

Für die Reaktionen von Politiker wie Merkel und Obama hat er auch nichts anderes als Hohn übrig:

“Leere Worte von Menschen, die ohne Gewissensbisse junge Leute für eine sinnlose Weltanschauung in den  sicheren Tod schicken genauso wie Hitler es tat. Jedoch ist es heute nicht der Nationalsozialismus der die freien  Völker bedroht sondern die Demokratie mit ihrem Kapitalismus. Und wenn mich nicht alles täuscht hat die  Demokratie mit ihrem Kapitalismus jetzt den zweiten Platz direkt nach dem Kommunismus als  Menschenvernichtungsideologie eingenommen und somit den Nationalsozialismus abgelöst.”

Zu den Internetspuren, die oben schon mal erwähnt habe, sagt er, dass sich einige Journalisten “als Heuchler den Zugang zu islamischen Foren erschlichen hätten”. Zu dem lehnt er die Bezeichnung “heiliger Krieg gegen alle Ungläubigen” ab und bezeichnet die als “ausgemachten Quatsch. Für ihn ist das Attentat ein “Teil des Jihads gegen die westlichen Kreuzzügler”. Aus einer jihadistischen Perspektive heraus, relativ verständlich, warum er die zweite Bezeichnung bevorzugt. Denn der kleine Jihad – der bewaffnete Kampf, oft fälschlicherweise mit Heiliger Krieg übersetzt – darf nur in einer defensiven Absicht angewandt werden. Die erste Bezeichnung würde wohl zu sehr vermuten lassen, dass es sich dabei um einen Angriffskrieg der Muslime handele, der aus ihrer Sicht eben nicht haltbar wäre. Aus ihrer eigenen Perspektive sehen sie sich aber mit einem von der westlichen Welt begonnen Krieg konfrontiert, womit das klassiche Verständiss eines defensiven Jihad für sie wieder passt.

“Diese Tat ist nur eine Antwort auf alle das Unrecht. Und all dieses Unrecht lässt das Herz bluten, wen wundert es also noch, dass es Menschen gibt, die so handeln? Ich fordere jeden zu einer Debatte heraus, der meint, das er die Tat von Arid U. nicht nachvollziehen kann.”

Das Arid U. seine Welt in Gläubige und Ungläubige aufteilte ist für den Autor das normalste der Welt und sieht dies unter dem Prinzip von al-Wala’ wa-l-Bara’ – siehe dazu einige meiner vorherigen Blogposts.

“Die Welt in Kuffar und Muslime aufzuteilen ist das normalste der Welt. Ihr teilt ja auch die Welt auf zwischen Muslimen und Kuffar. Man nennt das Al Wala wal Bara. Hass und Liebe für Allah SWT. Ohne Al Wala wal Bara ist der Glaube nicht vollkommen, wenn überhaupt vorhanden. Al Wala wal Bara hindert den Moslem daran sich mit den Kuffar gegen die Muslime zu verbünden.”

Zum Schluss will ich noch ein Zitat bringen, wie der Autor zum Jihad steht.

“Ich selber will ja noch lange aktiv sein und würde mich davor hüten direkt zum Jihad aufzurufen, weil das eine Straftat darstellt (Aufruf zu einem fremden Wehrdienst.) Jedoch kann man erläutern, dass es Pflicht für jeden Moslem ist in den Jihad zu ziehen. Jeder Moslem soll nun die Konsequenzen aus diesem Hukm ziehen. Und ja Jihad ist eine sehr schöne Ibada und sehr segensreich. So siehts aus. Und man darf sich natürlich verteidigen wenn die Kuffar angreifen. Ihr Kuffar greift sogar präventiv an. Schämt euch gefälligst was, dass ihr der Ummah vorwerft, dass sie sich verteidigt.”

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