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Statement der “Tawheed wa-l-Jihad Gruppe” zum Eilat-Attentat

Am 19 August einen Tag nach dem Anschlag auf einen Bus und mehrere private Autos, bei Eilat, wurde in den diversen jihadistischen Foren ein Statement der “Jama’at Tawheed wa-l-Jihad” veröffentlicht, in dem sie den Anschlag loben. Leider wurde es von den Medien gar nicht berücksichtigt. Es wurde zum Teil als Bekennerschreiben aufgefasst. Das Schreiben wurde wie folgt betitelt:

“جماعة التوحيد والجهاد تُبارك عملية “إيلات” وتَنعى شُهداء المقاومة في غزة”

“Die Tawheed und Jihad Gruppe preisen die ‘Eilat’ Operation und betrauern die Märtyrer des Widerstands in Gaza”

Die Gruppe “Tawheed wa-l-Jihad” gab ihre Gründung Anfang November 2008 bekannt. Sie ist eine in Gaza beheimatete Gruppe, die sich dem globalen Jihad verpflichtet hat und von der Ideologie al-Qaeda geleitet wird. Hierbei wollen sie dem Beispiel von Abu Musab al-Zarqawi und Abu Layth al-Libi folgen.

In ihrem ersten Statement, versuchen sie den “Widerstand” gegen Israel islamisch zu legitimieren. Dabei berufen sie sich auf einen angeblichen Ausspruch des Propheten Muhammad, der gesagt haben soll:

“Ich wünschte ich würde nächstes Jahr noch leben, um die Juden von der Arabischen Halbinsel zu vertreiben.”

Für sie erstreckt sich die Arabische Halbinsel bis Palästina und dem heutigen Israel. Daraus leiten sie für sich selber die Pflicht ab den oben genannten Propheten Ausspruch in die Tat umzusetzen.

Kurze Zeit später, übernahmen sie zum ersten Mal die Verantwortung für einen Granaten Angriff auf einen israelischen Grenzübergang. Sie behaupten, drei 80mm Granaten abgeschossen zu haben.

Inwieweit sie für die Entführung und Ermordung des italienischen Menschrechtsaktivisten Vittorio Arrigoni verantwortlich sind, ist schwer zu sagen. Es gibt eine Videobotschaft, in der man Vittorrio Arrigoni gefesselt sieht und in einem eingeblendetem Text, die Freilassung der Führungsriege, der “Tawheed wa-l-Jihad Gruppe” gefordert wird. Diese wird von der Hamas seit einiger Zeit gefangen gehalten. Allerdings erschien kurz darauf ein offizielles Video der Gruppe, in dem sie jegliche Verantwortung für die Tat von sich wiesen.

Das Statement, beginnt mit einem Koranvers und den üblichen islamsichen Floskeln. Dabei fällt auf, dass Muhammad als “Imam der Mujahideen” ( إمام المجاهدين) bezeichnet wird. Im zweiten Absatz, beginnt der interessante Teil. Sie preisen den Anschalg im “so genannten” Eilat, dass in ihren Worten, im südlichen besetzten Palästina liegt. Dort hätten sie die “Nase der Juden in den Dreck gedrückt” und sie “die Peitsche in der eigenen Heimat spüren lassen”. Dies hätten sie geschafft, trotz der erhöhten Sicherheitsmaßnahmen Israels an der ägyptischen Grenze. Sie bitten Gott, die Angreifer, die sie ihre Brüder nennen, ins Paradies aufzunehmen und nennen den Anschlag “eine heroische Tat”.

Sie beklagen ebenfalls den Tod einiger Widerstandskämpfer in Gaza, die durch israelische Luftangriffe starben. Darunter seien Mitglieder des Popular Resistance Comittees und der Nasser Saladin Brigaden. Sie nennen vier Opfer namentlich und mit ihrer jeweiigen Aufgabe.

Zum Schluss des Schreibens, fordern sie die Hamas, vor dem Hintergrund der wachsenden Gefahr einer Eskalation der Gewalt durch den “zionistischen Feind”, dazu auf alle Anhänger jihadistisch-salafistischer Gruppen freizulassen. Zu aller erst den Amir ihrer Gruppe Sheikh Hisham Saidny (Abu al-Walid al-Maqdisi). Sie würden das Hamas Regime verantwortlich machen, wenn den Gefangenen etwas passieren würde, diese wurden ihrer Meinung nach nur auf Wunsch Israels verhaftet.

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IMU – Der Fall “Schokocafe” – Abu Adam al-Almani – Filiz Gelowicz

Nun will ich mich mit dem zweiten Schreiben beschäftigen, das in den letzten Tagen von der IMU veröffentlicht wurde. Auch bei diesem Schreiben wird Abu Adam als Verfasser genannt und es ist auf April 2011 datiert. Das Schreiben beschäftigt sich größten Teils mit dem Verfahren gegen Filiz Gelowicz (siehe hier). Abu Adam beschreibt auch welche Lehren die deutschen Muslime aus dem Vorgehen der Deutschen Behörden gegen Filiz Gelowicz ziehen müssen und welche Schritte auf dem Weg zum Jihad sie machen sollen.

Abu Adam empfindet das Urteil gegen Filiz Gelowicz natürlich aus seiner Sicht für völlig ungerechtfertigt und ungerecht. Denn dem Urteil würden menschengemachte Gesetze zugrunde liegen. Aber nur die Gesetze Gottes müssten befolgt werden.

“Laut der Gesetzgebung Allahs, dem Herrn der Welten, hat unsere Schwester sich nichts zu Schulde kommen lassen- im  Gegenteil, sie hat gute und tugendhafte Taten begangen, die Ehre und Anerkennung verdienen und dem Islam und den Muslimen weiterhelfen.”

“Die Mujaheda Filiz ist eine Muslima, die zum wahren Islam aufruft, ein wahrer Islam mit al-Wala wal- Bara (Loyalität und Lossagung) und einem Jihad fisabililläh.”

Des Weiteren behauptet Abu Adam, dass die deutsche Meinungsfreiheit dort enden würde, wo der wirkliche Islam erst anfange. Den die Propagandavideos, die Filiz Gelowicz produzierte und veröffentlichte, würden sich in keiner Weise von den Nachrichten unterscheide, die die deutsche Regierung und alle westlichen Regierungen veröffentlichen würden. Den Betrag von 3.200 den sie für eine Terrororganisation spendete setzt er in Beziehung zu den Ausgaben die Deutschland für den Einsatz in Afghanistan hat.

“Das Urteil zeigt also ganz deutlich eine Feindschaft gegenüber dem Islam und den Muslimen.”

Selbst wenn Deutschland sich sofort vom Afghanistan Einsatz distanzieren würde und auch sonst alle Handlungen gegen den Islam unterlassen würde, so würde doch diese eine Gerichtsverhandlung ausreichen, um den Jihad (hier als Krieg zu verstehen) gegen Deutschland als vollkommen gerechtfertigt und dies würde laut Abu Adam auch mit den Lehren des klassischen Islams übereinstimmen. So sei dies nicht nur ein Verbrechen von Seiten der deutschen Regierung, sondern erst recht eine Prüfung für alle Muslime.

Als Lehre aus dem Gerichtsurteil zieht Abu Adam den Schluß, dass Muslime nicht mehr in einem Land leben sollten, dass nach menschengemachten Gesetzen regiert wird. Sie sollten vielmehr in ein Land auswandern, in dem die Shariah herrscht. Um diesen Standpunkt zu untermauern, zitiert er Abdallah Azzam.

“Ein Muslim, der unter den Staaten des Unglaubens lebt, ist nicht von der Pflicht der Hijrah und des Jihades befreit, auch wenn er den Muhajereen und den Mujahedeen regelmäßig hohe Geldsummen spendet. Das Spenden der Geldsummen befreit ihn erst von diesen Pflichten, wenn er auswandert an einen Ort, an dem die Muslime die Oberhand haben, er einen Treueeid leistet und sein Amir ihn mit dieser Arbeit im Außendienst beauftragt.”

So beschreibt Abu Adam einen Weg, den jeder Muslim seiner Meinung nach beschreiten sollte, wenn er noch “unter den Ungläubigen leben” würde. Als erstes müsste der Muslim an einen Ort auswandern, an dem die Shariah herrsche und der Jihad praktiziert wird. Während der Vorbereitung sollte er sich ausrüsten und auf die kommenden Aufgaben vorbereiten.

Zu diesen Punkten würden noch einige hinzukommen, da es sich bei Deutschland um ein Feindesland handeln würde. Die Muslime müssten Beutezüge machen – hierbei bezieht er sich auf eine Fatwa von Anwar al-Awlaqi. Außerdem sollen sie der Wirtschaft schaden und er ruft zum Mord an Deutschen auf, da deutsche Soldaten auch Frauen und Kinder umbringen würden.

Nachdem er ausgewandert sei müsse er sich nur noch einer Gemeinschaft anschließen, die sich im Jihad befindet und einen Treueeid auf den jeweiligen Amir leisten.


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Filed under Islamische Bewegung Usbekistans

Statements salafistisch (jihadistisch) deutscher Internetseiten zum “Frankfurter Attentat”

Nach dem schrecklichen Anschlag, bei dem gestern zwei amerikanische Soldaten gestorben sind, möchte ich  kurz einige Statements deutschsprachiger salafistischer jihadistischer Internetseiten, zu diesem Thema, beleuchten.

Mittlerweile  wird wohl davon ausgegangen, dass Arid U. ein Einzeltäter war und keine terroristische Organisation hinter sich hatte. Er soll sich in letzter Zeit wohl auffallend schnell im Internet, durch den Besuch salafistischer Internetseiten, die zum Teil auch direkt zum Jihad aufrufen, radikalisiert haben. So sagt die Frankfurter Rundschau (siehe hier), dass er auf seiner Facebookseite, die seit heute Morgen gesperrt ist, Pierre Vogel bei seinen Interessen angab. Pierre Vogel ist Mitglied im Verein “Einladung zum Paradies” (EZP), der in Deutschland als sehr dubios wahrgenommen wird und auch immer wieder unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes steht.

Zunächst möchte ich auf ein Videostatement des Vereins “Einladung zum Paradies” eingehen, in dem sich Sven Lau – ein deutscher Konvertit – von dem Anschlag distanziert und die Verbindungen, die laut der Presse zwischen seinem Verein und Arid U. bestanden haben sollen leugnet. In seinen Augen ist das die typische Hetze der Medien. Allerdings ist dieses Video, sowohl auf der Seite von EZP als auch auf YouTube gelöscht worden, sobald es wieder auftaucht werde ich noch etwas näher drauf eingehen.

Als zweites möchte ich auf den Beitrag eines Blog eingehen, der vor allem durch die Verbreitung jihadistischer Materialien sich größerer Beliebtheit erfreuen dürfte. So veröffentlicht dieser Blog regelmäßig Video – und Audiodateien, sowie Statements der Islamischen Bewegung Usbekistans.

Zuerst schildert er nur die Ereignisse, ohne diese zu kommentieren. Er zitiert den hessischen Innenminister und übernimmt dessen Deutung, dass es sich bei dem Attentat um eine islamistisch motivierte Tat handele. Als Begründung für die Tat, die für ihn wohl vollkommen legitim ist führt er an, dass die „westlichen Kreuzritter“ nun auch schon in Europa unbeliebt seien.

“Die Unbeliebtheit der westlichen Kreuzfahrer macht sich nicht nur dort, wo sie Terror verbreiten bemerkbar, sondern auch hier in Europa nimmt der Hass auf sie zu.

Möge Allah  (swt) den Bruder aus Kosovo für seine wundervolle Tat segnen und beschützen und dem Terror der Kreuzfahrer ein Ende bereiten.”

Am Schluss will ich noch auf ein drittes Statement eines deutschsprachigen jihadistischen Blogs eingehen. Dieser beginnt mit der Feststellung, dass das Attentat „islamisch motiviert“ gewesen sei. Danach kommentiert er einen Artikel von „Die Welt“, an dem man seiner Meinung nach die schlecht Qualität des deutschen Journalismus bemerke. Diesen bezeichnet er im Laufe des Textes immer wieder als „Gossenjournalie“. Dabei stellt sich ihm zuerst die Frage nach dem Tatmotiv, die er sehr ähnlich zum vorherigen Statement beantwortet. Der Autor hat den Blog des vorherigen Statements mitbegründet, bevor er sich “selbstständig machte. Somit dürfte nicht verwundern, dass die beiden Meinungen doch recht nahe beieinander liegen.

Da haben wir schon ja schon ein passendes Tatmotiv. Die Kuffar führen Krieg gegen die muslimischen Länder  und töten dort Muslime. Und es braucht auch keiner so tun als ob das nicht so wäre oder scheinheilig retorische Fragen stellen. Es ist so.”

Einen weiteren Punkt, der ihn aufregt, ist die Doppelmoral, mit der der Westen, seiner Meinung nach, dieses Attentat und zum Beispiel Angriffe der ISAF unterschiedlich bewertet.

“Man muss sich aber vorher schlau machen, denn so theatralisch wurde nicht mal über die totgebombten Afghanen (entführte Tanklaster wurden bombardiert aber soviele tote Zivilisten? Also irgendwas is daran faul…)  hierzulande berichtet obwohl die Bundeswehr dieses Massaker zu verantworten hatte. Es gibt einen Begriff für  solche eine Haltung: Doppelmoral.”

Für die Reaktionen von Politiker wie Merkel und Obama hat er auch nichts anderes als Hohn übrig:

“Leere Worte von Menschen, die ohne Gewissensbisse junge Leute für eine sinnlose Weltanschauung in den  sicheren Tod schicken genauso wie Hitler es tat. Jedoch ist es heute nicht der Nationalsozialismus der die freien  Völker bedroht sondern die Demokratie mit ihrem Kapitalismus. Und wenn mich nicht alles täuscht hat die  Demokratie mit ihrem Kapitalismus jetzt den zweiten Platz direkt nach dem Kommunismus als  Menschenvernichtungsideologie eingenommen und somit den Nationalsozialismus abgelöst.”

Zu den Internetspuren, die oben schon mal erwähnt habe, sagt er, dass sich einige Journalisten “als Heuchler den Zugang zu islamischen Foren erschlichen hätten”. Zu dem lehnt er die Bezeichnung “heiliger Krieg gegen alle Ungläubigen” ab und bezeichnet die als “ausgemachten Quatsch. Für ihn ist das Attentat ein “Teil des Jihads gegen die westlichen Kreuzzügler”. Aus einer jihadistischen Perspektive heraus, relativ verständlich, warum er die zweite Bezeichnung bevorzugt. Denn der kleine Jihad – der bewaffnete Kampf, oft fälschlicherweise mit Heiliger Krieg übersetzt – darf nur in einer defensiven Absicht angewandt werden. Die erste Bezeichnung würde wohl zu sehr vermuten lassen, dass es sich dabei um einen Angriffskrieg der Muslime handele, der aus ihrer Sicht eben nicht haltbar wäre. Aus ihrer eigenen Perspektive sehen sie sich aber mit einem von der westlichen Welt begonnen Krieg konfrontiert, womit das klassiche Verständiss eines defensiven Jihad für sie wieder passt.

“Diese Tat ist nur eine Antwort auf alle das Unrecht. Und all dieses Unrecht lässt das Herz bluten, wen wundert es also noch, dass es Menschen gibt, die so handeln? Ich fordere jeden zu einer Debatte heraus, der meint, das er die Tat von Arid U. nicht nachvollziehen kann.”

Das Arid U. seine Welt in Gläubige und Ungläubige aufteilte ist für den Autor das normalste der Welt und sieht dies unter dem Prinzip von al-Wala’ wa-l-Bara’ – siehe dazu einige meiner vorherigen Blogposts.

“Die Welt in Kuffar und Muslime aufzuteilen ist das normalste der Welt. Ihr teilt ja auch die Welt auf zwischen Muslimen und Kuffar. Man nennt das Al Wala wal Bara. Hass und Liebe für Allah SWT. Ohne Al Wala wal Bara ist der Glaube nicht vollkommen, wenn überhaupt vorhanden. Al Wala wal Bara hindert den Moslem daran sich mit den Kuffar gegen die Muslime zu verbünden.”

Zum Schluss will ich noch ein Zitat bringen, wie der Autor zum Jihad steht.

“Ich selber will ja noch lange aktiv sein und würde mich davor hüten direkt zum Jihad aufzurufen, weil das eine Straftat darstellt (Aufruf zu einem fremden Wehrdienst.) Jedoch kann man erläutern, dass es Pflicht für jeden Moslem ist in den Jihad zu ziehen. Jeder Moslem soll nun die Konsequenzen aus diesem Hukm ziehen. Und ja Jihad ist eine sehr schöne Ibada und sehr segensreich. So siehts aus. Und man darf sich natürlich verteidigen wenn die Kuffar angreifen. Ihr Kuffar greift sogar präventiv an. Schämt euch gefälligst was, dass ihr der Ummah vorwerft, dass sie sich verteidigt.”

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Al-Wala’ wa-l-Bara’ – Teil 2 – bei Al-Maqdisi

Abu Muhammad al-Maqdisi wurde 1959 in der Nähe von Nablus, unter dem bürgerlichen Namen Isam Mohammad Tahir al-Barqawi, geboren. Im Alter von vier Jahren zog seine Familie nach Kuwait. In den 1970er Jahren kam er in Kontakt zu einer Gruppe, die sehr stark von Juhayman al-Utaybi beeinflusst war. Er begann bei verschiedenen ‘Ulama zu lernen, war allerdings der Meinung sie würden den desulaten Zustand der islamischen Ummah nicht erkennen. Bei einem Aufenthalt in Madina studierte er die Schriften von Ibn Taymiyya und seinem Schüler Ibn al-Qayyim. Dort kam er auch das erstemal in Kontakt mit den Lehren von Muhammad b. Abd al-Wahhab, die ihn sehr stark beeinflussten. Er radikalisierte sich weiter während seines Studiums an der Universität von Mossul in den 80er Jahren und reiste zur selben Zeit auch nach Afghanistan und Pakistan. 1990 verließ er wegen des Golfkriegs Kuwait und lebt seit dem vorwiegend in Jordanien. Im selben Jahr lernte er in Afghanistan Abu Mus’ab al-Zarqawi kennen, als dessen ideologischer Vater er gilt und bekannt wurde. In Jordanien saß Abu Muhammad al-Maqdisi einige Zeit im Gefängnis.

Seine Hompage ist eine der größten online Bibliotheken für jihadi slafistische Texte sowohl auf Arabisch wie auch auf Englisch.

al-Maqdisi Theorie von al-Wala’ wa-l-Bara’ beruht stark auf denen seiner Vorgänger. Er aber dreht zu einer notwendigen Bestätigung des islamischen Glaubensbekenntniss, der Shahada. Im Gegensatz zu Juhayman, der ihn stark beeinflusste, der auf sich bei dem Prinzip al-Wala’ wa-l-Bara’ auf die koranischen Verse 16, 123 und 6, 161 bezieht, stützt sich al-Maqdisi auf den Koran Vers 60,4, den er oft in seinem Werk Millat Ibrahim zitiert. Allein schon durch die Auswahl der Koranverse ist erkennbar, dass Maqdisi Bara’ gegen den Unglauben wichtiger ist als Wala’.

Abu Muhammad al-Maqdisi änderte allerdings einige Aspekte von al-Wala’ wa-l-Bara’ gegenüber seinen Vorgängern. Er verwendet es in Bezug auf die Politik und die Exkommunikation.  Den politischen Bezug von al-Wala’ wa-l-Bara’ hob bereits Juhayman hervor. Das wirklich neue an Maqdisis Interpretation dieses Konzeptes ist, dass er die verbotene Anbetung auch auf politische Gehorsamkeit und die Bereitschaft menschlich Gemachte Gesetze zu akzeptieren, ausbreitet. Dadurch beschuldigt er die heutigen muslimischen Politiker und Staatsführer des Shirk, weshalb sie in seinen Augen Kuffar sind. Dabei stütz er sich auf den Koranvers 9, 31 in dem es heißt “Sie haben sich ihre Schriftgelehren und Mönche zu Herren genommen außer Allah […] und doch wahr ihnen geboten worde, allein den Einzigen Gott anzubeten.” Diejenigen, die sich an Menschen gemachte Gesetze halten erweisen ihre Loyalität einem Falschen gegenüber. Dieses sind in seinen augen Idole (Tawaghit) die angebetet werden. Dementsprechend prangert er auf hunderten von Seiten in seinen Werken den Götzendienst der un-islamischen Staatsführer und die Unterwerfung unter Menschengemachte Gesetze an.

Wegen seiner politischen Interpretation  von al-Wala wa-l-Bara’ verlangt er, dass die Muslime von ihren ungläubigen Staatsführern abrücken. Dies sieht er als eine Pflicht an, die jedem auferlegt ist und die man nicht vermeiden kann.

Auf ein Hadith gestützt gibt es al-Maqdisi drei Formen des Abrückens vom Kufr. Dies sind, der Versuch den Kufr mit der Hand, der Zunge und dem Herzen auszumerzen. Letzteres ist die schwächste Form von Glaube. Die beste Form um gegen die Kuffar vorzugehen ist in seinen Augen der Jihad, als eine natürliche Konsequenz von Bara’.

So verwandelt er al-Wala’ wa-l-Bara von einem Instrument zur Belebung der  religiösen Frömmigkeit, in eine revolutinäre Ideologie, die jedem Muslim obliegt.

Al-Maqdisis Interpretation, die Fehler der Staatsführer als Kufr zu bezeichnen und nicht nur als Fisq oder Zulm ist nicht unumstritten. Diese Idee ist allerdings nicht völlig neu, sondern ist bereits bei Sayyid Qutbs Werk “Milestones” zu finden, in dem er sich auf den selben Koranvers wie al-Maqdisi beruft – nämlich 9, 31. Eine sehr ähnliche Argumentations Weise ist auch in Abd al-Salam Farajs Werk “The Absent Obligation” zu finden. In der Argumentationsweise von al-Maqdisi auf der einen und Qutb und Faraj auf der anderen Seite gibt es zewi große Unterschiede. Zum einen beruft sich nur al-Maqdisi auf al-Wala’ wa-l-Bara’ und zum Anderen geht er in seiner Interpretation des Koran verses 5, 44 viel weiter ins Detail als die beiden dies tun würden und so übernimmt al-Maqdisi Argumente von anderen Salafisten, die ihm eigentlich diametral gegenüber stehen. So wird er für eine breitere Masse attraktiv.

 

 

 

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